
Brasilien trifft Berlin, lautet das Motto des ersten Brasilianischen Literaturfestivals Berlin. Zum Auftakt stand gestern Abend in der Brasilianischen Botschaft eine Buchpremiere auf dem Programm. Bernardo Kucinski (Foto) las aus seinem Romandebüt K. Oder die verschwundene Tochter, das im Transit Verlag erschienen ist und es bereits auf die litprom-Bestenliste Weltempfänger geschafft hat.
Bernardo Kucinski, 1937 in São Paulo als Sohn einer pol¬nisch-jüdischen Einwandererfamilie geboren, hat zahlreiche politische und wissenschaftliche Bücher veröffentlicht. K. ist sein erster Roman. In seiner Heimat hat er ein überragendes Medienecho erhalten und wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Roman führt ins Brasilien der 70er Jahre und erzählt von dem Vater K., der an der Suche nach seiner verschwundenen Tochter zugrunde geht. Moderator Mario Schenk lobte das Buch als „literarisch herausragend, packend und von politischer Brisanz“. Es sei eine harte Abrechnung mit der Militärdiktatur und zugleich ein Rückblick auf die Familiengeschichte des Autors.
Bernardo Kucinsky las zwei Passagen in der Originalsprache, Sarita Brandt, die das Buch aus dem brasilianischen Portugiesisch übersetzt hat, trug den deutschen Text vor. Die Schuld, die die Überlebenden empfinden, habe Kucinski zu dem Roman motiviert. „Ob Holocaust, Argentinien oder Brasilien, dies ist die wahre Tragödie“, sagte der Autor, der nach dem Ende der Diktatur lange Jahre enger Berater des Präsidenten Lula da Silva war.
Die Zuhörer erfuhren auch, dass Kucinski erstmals eine längere Passage aus seinem Buch vorlas. In Brasilien kenne man diese Veranstaltungsform nicht. Heute Abend tritt der Autor in der Buchhandlung Sputnik in Potsdam auf. Weitere Stationen seiner Lesereise sind Frankfurt, Köln, Heidelberg und Wien.
Beim Brasilianischen Literaturfestival stehen noch bis zum 29. Oktober zwanzig Veranstaltungen auf dem Programm. Hauptveranstaltungsorte sind die Brasilianische Botschaft und die Buchhandlung a Livraria. Informationen unter www.agendabrasil.de