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Gerold Anrich

Gerold Anrich

Der Verleger Gerold Anrich (Foto) ist im Alter von nur 71 Jahren nach schwerer Krankheit am 4. Oktober gestorben. Hier ein Nachruf auf den leidenschaftlichen Kinder-und Jugendbuchverleger von Ulrich Störiko-Blume. Er schreibt:
Gerold Anrich hat mich immer an meinen großen Bruder erinnert, der genauso alt ist wie Gerold.
Einem solchen Mann kann man doch nicht ständig sagen: Pass auf Dich auf, Mann! So einermacht, was er will. Raucht zum Beispiel wie ein Schlot, jenes Kraut in der roten Schachtel, die in der Brusttasche des notorischen blauweiß gestreiften Hemdes neben dem Kugelschreiber steckt. Das war seine Dienstkleidung und -ausrüstung, der Rest steckte im Kopf (und im Herz). Naja, keiner kann einfach machen, was er will. Aber Gerold war immer nahe dran. Gerold war voll heißer Leidenschaft – konnte aber stets kühl rechnen. Er hat die Kontakte in der Szene wie kein anderer gepflegt – hat sich aber immer autonom seine Meinung gebildet. Unabhängigkeit war sein hohes Ziel – und doch hat er sich in ökonomischer Abhängigkeit so verhalten, dass seine Aufrichtigkeit nicht gelitten hat.
Sein Engagement für das Kinder- und Jugendbuch lässt sich in einem (Kürzest-)Satz zusammenfassen: Einsatz. Sein trockener Humor hat oft genug bewirkt, dass man Tränen lachen konnte. Nun sind die Tränen von der anderen Sorte dran. Dann aber, lieber Gerold, machen wir weiter. Nur wer gegen den Strom denkt, versteht die Strömung.

Der Verleger im Unruhestand hatte 1970 im Mülheim den Anrich Verlag gegründet. Von seinem ersten Buch, Ursula Wölfels Kurzgeschichtensammlung „Die grauen und die grünen Felder“, konnte er gleich 5.000 Exemplare verkaufen, später wurden daraus 20.000 Stück pro Jahr.
Und für Eva Janikovszkys Bilderbuch „Große dürfen alles“ erhielt der junge Verlag 1973 den Deutschen Jugendbuchpreis.
So rosig blieben die Zeiten allerdings nicht: 1982 stieg der Verlag Butzon & Bercker mit einer Mehrheitsbeteiligung in den Anrich Verlag ein – Kevelaer am Niederrhein wurde bald der neue Verlagssitz.
Sechs Jahre später kaufte Anrich seinen Verlag zurück. Aus einer eher zufälligen Begegnung mit Verleger Dr. Manfred Beltz Rübelmann entwickelte sich 1995 eine neue Verbindung: Der Anrich Verlag sollte eine zweite Linie im Kinder- und Jugendbuch neben Beltz & Gelberg werden. Aber Ende 2006 verabschiedete sich Anrich auch von Beltz & Gelberg – er schrieb uns damals: „ein ungewollter Abschied (zu alt und zu teuer)“, aber dieser Abschied war nur „ein Abschied von der Verlaginnenseite, kein Abschied von der Branche“: Mit LitService machte er sich als Übersetzer, Lektor und Gutachter in Weinheim selbständig.

Gerold, auch ich vermisse Dich. Dein C.

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