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Wein und Literatur

Teo Ferrer de Mesquita, Teresa Rosário

Gestern Abend fand in der Buchhandlung TFM – Centro do Livro e do Disco de Lingua Portuguesa von Teo Ferrer de Mesquita in Frankfurt die Herbstweinprobe statt.

Bereits seit 2004 veranstaltet der in Portugal geborene und seit Mitte der 1960er Jahre in Deutschland wohnende Buchhändler zweimal jährlich Weinproben in seinem Geschäft.

An sechs kleinen runden Tischen haben die knapp 30 Gäste Platz genommen. Nicht nur schöne Weingläser, Mineralwasser und Brot stehen bereit, auch eine Weinliste mit Platz für eigene Anmerkungen, Blätter mit Gedichten und kurzen Erzählungen der Autoren liegen aus.

Die Gäste, eine Mischung aus Stammkunden und Erstbesuchern, haben aus Teo Ferrer de Mesquitas Blog www.tfmonline.de vom Termin erfahren, „da kann man auch viele Geschenktipps finden“, wirbt der Buchhändler nebenbei.

Dann stellt Dr. Teresa Rosário, die „Haus-Önologin“, zwei nicht im üblichen Handel zu findende Weiß- und vier Rotweine sowie einen Portwein vor. Das Besondere: Irgendwie ist jeder Wein mit einem portugiesischen Autor verknüpft. „Wir veranstalten hier jedoch keine Lesung, sondern eine Weinprobe mit literarischen Aspekten“, erklärt die Fachfrau. So gibt es zum weißen „Tormes Branco“ einen kurzen Abstecher zu José Maria Eça de Queiroz (1845 bis 1900). Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern Portugals, studierte an der Universität Coimbra, wurde „der portugiesische Zola“ genannt. In der Region Douro, einer Subregion des Vinho Verde, gibt es nicht nur eine nach ihm benannte Stiftung und in Tormes das ihm gewidmete Museum, dort wächst auch der verkostete Wein.

Der zweite Weiße hat mit Mariana Acoforado, einer portugiesischen Nonne (1640 bis 1723) zu tun. Sie verliebte sich in einen französischen Offizier. Die ihr zugeschriebenen Briefen As Cartas Portuguesas, von Rainer Maria Rilke übersetzt und als Portugiesische Briefe erstmals 1913 im Insel-Verlag erschienen, werden mit als die schönsten Liebesbriefe der Weltliteratur bezeichnet.

Die folgenden beiden Rotweine hängen mit Miguel Torga (1907 bis 1995) zusammen. Der Student an einem Priesterseminar wanderte nach Brasilien aus, als ihm bewusst wurde, das die kirchliche Laufbahn nicht das Richtige für ihn wäre. Nach Rückkehr in seine Heimat studierte er Medizin in Coimbra, arbeitete als Landarzt und bei einer literarischen Zeitschrift. Als Oppositioneller wurde er 1939 unter dem Salazar-Regime verhaftet. Fast alle seine Bücher erschienen im Selbstverlag. „Da musste man mit einem Messer noch selbst die Seiten durchschneiden“, erinnert sich Teo Ferrer de Mesquita. Übrigens erschien Torgas Roman Weinlese 1997 im Verlag Beck und Glückler, Freiburg. Leider ist das Buch vergriffen.

Der vierte Rotwein hat etwas mit Fernando Pessoa, (1888 bis 1935) zu tun, der als bedeutendster Lyriker Portugals gilt.

Diese ganz besondere Weinprobe, auf der auch die Gäste nach jedem verkosteten Getränk zu Wort kamen und die Weine beurteilten, war ein kurzweiliger und interessanter Abend. Bevor die Gäste aufbrachen, wies Teo Ferrer de Mesquita, der von seiner Frau und von seiner Kollegin Petra Noack beim Ausschenken unterstützt wurde, noch auf lohnenswerte Konzerte und Ausstellungen lusophoner Künstler hin.

JF

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