Vom 5. bis 7. Mai 2014 lädt die Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftlicher Sortiments- und Fachbuchhandlungen zu ihrer Fachtagung nach Münster ein. An wechselnden Veranstaltungsorten wird es wieder Vorträge und Gespräche zwischen wissenschaftlichen Verlagen, Fachverlagen, Partnern und Dienstleister der Branche geben.
BuchMarkt befragte die Diplom-Ökonomin Nadine Rau (33), die seit 2011 zum Vorstand der AWS gehört und 2008 mit ihrem Mann die Buchhandlung unibuch in Kassel übernommen hat, zur diesjährigen Tagung.
BuchMarkt: Das Tagungsprogramm spiegelt ja die aktuellen Themen der Branche und die Interessen für die Zukunft wieder. Was bewegt zur Zeit die Fachmedienbranche und die AWS?

Spielt der Buchhandel noch eine Rolle?
Nadine Rau: Uns bewegen zukünftige und neue, aber auch immer wieder alte und bekannte Themen. Drehte sich in den vergangenen Jahren viel um den vertrieblichen Aspekt im Bibliotheksgeschäft und dabei die Zusammenarbeit von Verlagen und Handel, so wollen wir dieses Jahr einen grundsätzlicheren Blick auf die Thematik werfen. Diese Themen sind nämlich immer auch abhängig von forschungs- und bildungspolitischen Entscheidungen und der grundsätzlichen Einstellung der Nutzer zu digitalen Informationen.
Wie stellen Sie die Themen allgemein zusammen?
Der Vorstand der AWS trifft sich im Januar jeden Jahres und bespricht die Themen, die die Buchbranche und besonders die Vertreter der Fachmedien bewegen. Wir tragen aus zahlreichen Gesprächen auch mit den übrigen AWS-Mitgliedern Themen und Impulse zusammen, um dann zu den Inhalten interessante Referenten zu finden.
Was ist für Sie bei der Themenfindung interessanter: Lösungsansätze für aktuelle Probleme oder der Ausblick in die Zukunft?
Beides ist interessant und wichtig. Und so widmet sich die AWS stets sowohl aktuellen als auch zukünftigen Themen. Wir versuchen durch Kooperation und den offenen Austausch zwischen allen Marktteilnehmern Lösungsansätze für aktuelle Themen finden. Die Vertreter der Fachmedien sind aber nicht nur en jour, sondern auch so leistungsfähig, um sich erfolgreich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen.
Welche Themen stechen dieses Jahr besonders hervor?
Die Entwicklungen im Bereich der wissenschaftlichen Bibliotheken sind als Herausforderung für die Zukunft zu sehen. Jens Lazarus von der Unibibliothek Leipzig gibt Einblicke in die neuen Förderrichtlinien der DFG. Wie werden diese an der Uni Leipzig umgesetzt und was bedeutet das für uns Fachmedienhändler.
Mit zwei nach wie vor wichtigen Themen werden sich Dr. Christian Sprang vom Börsenverein und der auf IT-Recht spezialisierte Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht beschäftigen. Sprang berichtet über aktuelles zur Urheberrechtsdebatte. Das Thema des Datenschutzes beim Lesen und Recherchieren in digitalen Beständen wird Ulbricht behandeln.
Das Programm ist damt noch lange nicht zu Ende, wie ich sehe…
JA, Weiterhin werden wir uns mit dem Thema Metadaten beschäftigen. Eine Statusbeschreibung wird uns zeigen, wie es mit dem VLB+ voran geht und welche Rolle die MVB dabei spielt. Sind Metadaten ein Vermarktungsinstrumentarium von Print- und E-Content? Letztlich ein ganz aktuelles und sehr wichtiges Thema, dem wir uns widmen werden, ist das Image der Branche.
Ist das in Ihren Augen denn so schlecht?
Es scheint, dass bei der Außendarstellung noch einiges getan werden kann. Wir haben uns Georg Giersberg vom Wirtschaftsresort der FAZ eingeladen, der seit Jahren die Buchbranche durchaus kritisch verfolgt. Wir sind gespannt, zu welchem Ergebnis er kommt. Auf jeden Fall wird mein Vorstandskollege Thomas Wich in der anschließenden Podiumsdiskussion die Chance ergreifen und darstellen, wie leistungsfähig und erfolgreich die Fachmedienbranche arbeitet. Und das möchten wir auch so durch unsere Branchenmedien kommuniziert wissen.
Kommt bei den Themen die Frage nach den Sortimentern nicht ein wenig zu kurz? Spielen Buchhandlungen für die Branche überhaupt noch eine Rolle?
Wie jedes Jahr werden wir uns am Mittwoch, dem Best-Practice-Day, intensiv mit einem Vertreter des inhabergeführten Sortiments beschäftigen. In diesem Jahr wird Jochen Grieving von der Buchhandlung transfer zu Wort kommen. Erst seit Mitte 2011 am Markt ist die Buchhandlung sehr gut eingeführt und erfolgreich. Grieving wird über Crossmedialität als seinen Leitgedanken und sein Erfolgsrezept berichten.
Warum glauben Sie funktioniert Crossmedialität und welche Chancen hat dabei der Handel?
Crossmedialität funktioniert nicht so ohne Weiteres. Meiner Meinung nach reicht es nicht aus, nur die technischen Voraussetzungen zu schaffen. Es braucht auch immer jemanden, der voll und ganz dahinter steht – nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“. Dann hat der Handel die große Chance dem Kunden alles aus einer Hand zu bieten: Print und digital, online und offline mit Erlebnischarakter im Ladengeschäft.
Gibt es denn etwas, was im letzten Jahr gut funktioniert hat?
Auf der letztjährigen AWS-Tagung in Kassel berichtete mein Mann, MikeTrepte, u.a. über unser Konzept des brainstore. Es handelt sich dabei um ein Shop-in-Shop Einzelhandelskonzept, welches wir mittlerweile Buchhandelskollegen als Franchise anbieten. Ein erster Kontakt wurde über die AWS geknüpft und Anfang März startete die Buchhandlung Thye in Oldenburg mit Ihrem eigenen brainstore.
Was genau bietet der brainstore den Fachmedien? Hat das überhaupt etwas miteinander zu tun?
Meiner Meinung nach werden echte Fachmedienhandlungen, also lokale Fachgeschäfte in Zukunft keinesfalls verschwinden, es aber immer schwerer haben. Unsere Strategie ist es das erlebnisorientierte Einkaufen auch in Fachmedienhandlungen zu bringen. Mit einem attraktiven Zusatzsortiment, wie z.B. dem brainstore, erreicht man völlig neue Kundengruppen und vor allem auch Nichtleser, die den Weg in den Laden finden und idealer Weise auch zu Lesern werden.







