Der Musikproduzent und seit gestern Staatssekretär für Kultur in Berlin, Tim Renner, warnt davor, die Digitalisierung im Buchmarkt zu verpassen. „Einen Formatwechsel moderiert man nicht, indem man ihn verzögert, sondern indem man ihn konsequent und entschlossen angeht“, schreibt Renner in der neuen Wochenzeitung DIE ZEIT.
Bis heute gebe es kein legales Portal, „auf dem wirklich die meisten Buchtitel digital erhältlich wären“, konstatiert Renner und ergänzt: „Die meisten Anbieter bestehen auf einem Kopierschutz, der die Texte zwischen den unterschiedlichen Readern inkompatibel macht.“
Die Musikindustrie habe sich lange den neuen technischen Gegebenheiten verschlossen, ihre Fehler „spät erkannt, dann korrigiert, aber zuvor einen hohen Preis bezahlen müssen“. Der Grund sei, so Renner, „die Angst vor Kontrollverlust“ gewesen. Die Erfahrungen der Musikbranche, die mittlerweile wieder wachse, zeige „dass man nicht versuchen darf, die digitalen Maschinen zu stürmen“, schreibt Renner.
„Hörer, Leser und Zuschauer werden sich das Internet nicht mehr nehmen oder abstellen lassen. Man sollte stattdessen versuchen, es in seinem Sinne zu nutzen.“ Wichtig erscheine ihm, so Renner, „zu verstehen, dass das eigene, alte Geschäftsmodell sich nicht immer auf die neue Welt übertragen lässt“.