
Christof Klocker
In entspannter Atmosphäre hielt der Arbeitskreis Ratgeberverlage gestern seine Frühjahrstagung in Berlin ab. Bewährter Tagungsort war wieder das Haus der Stiftung Warentest am Lützowplatz. Im Mittelpunkt standen die Themen digitales Marketing und die Inszenierung von Ratgebern im Buchhandel.
Die Mitglieder des Sprecherkreises Monika Schlitzer (DK), Christof Klocker (GU) und Julia Graff (Hädecke) konnten knapp vierzig Teilnehmer begrüßen und gaben zum Auftakt einen optimistischen Ausblick. Der Umsatz mit Ratgebern hat im vergangenen Jahr mit fünf Prozent deutlich zugelegt, auch der Durchschnittspreis ist gestiegen. Vor allem das Segment Essen und Trinken und der Kreativbereich wuchsen, aber auch das klassische Ratgeberthema Gesundheit nahm um neun Prozent zu; nur Bereiche wie Spiritualität, Lebenshilfe und Recht, Beruf, Finanzen sind rückläufig. Noch eine gute Nachricht: Der positive Trend setzt sich 2014 fort.
Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins, informierte unter anderem über das neue Verbraucherrecht, das am 13. Juni in Kraft tritt, über Preisaktionen bei E-Books, das Urheberrecht und die Frage der Nutzung von Rezensionsausschnitten, die immer noch nicht endgültig geklärt ist und dazu geführt hat, dass Kundenrezensionen stärker in den Blick rücken.
Für die Arbeitsgruppe Sortiment berichtete Sabine Melchert vom Buchverlag für die Frau in Leipzig, dass es gelungen sei, die HTWK Leipzig ins Boot zu holen. Studierende beschäftigen sich in einem Seminar mit dem Image der Warengruppe und mit der Frage wie Ratgeberverlage kleine und mittlere Sortimente unterstützen können. Folkert Roggenkamp (Delius Klasing) machte schon einmal neugierig auf einen Vortrag, den er am nächsten Wochenende bei der AkS-Tagung in Köln halten wird, und in dem es darum geht, wie der Handel von Ratgebern profitieren kann. Sein Credo: Jeder Buchhändler ist ein Ratgeber.
Viele Anregungen zum Schwerpunktthema Digitales Marketing gab es von Sebastian Posth, dem Geschäftsführer von Publishing Data Networks, während sich eine anregende Podiumsrunde mit der Präsentation von Ratgebern im stationären Handel beschäftigte. Mit dabei waren Susanne Hellmann, Vertriebsleiterin von Dussmann, Martina Olufs vom Koch-Kontor, Jürgen Lipp von der Buchhandlung Wrage (beide Hamburg) und Peter Nowotny aus Dormagen, der in seinem Hobby- und Bastelladen Zauberkörbchen auch entsprechende Ratgeber anbietet.
Allen stationären Geschäften ist eins gemeinsam, sie nutzen Veranstaltungen um Kunden anzuziehen und zu binden. Der Markt habe sich verändert, sagte Lipp und man müsse das Publikum pflegen und immer wieder versuchen neue Kunden zu erreichen. Das Trendthema Vegan, das auch viele andere angesagte Perspektiven wie bewusste Ernährung und Nachhaltigkeit transportiere, habe das Zeug dazu, auch junge Leute anzusprechen. Das Publikum bestimme das Sortiment mit, sagte Martina Olufs, die sich eng mit ihren Kunden austauscht und auch Nowotny ist überzeugt: „Wir können den Kunden nicht erziehen. Der Kunde gibt uns die Richtung vor.“ Und wenn sich das Umfeld ändert, müsse man entsprechend reagieren.
Wenn die Warenpräsentation stimmt, steigt die Verweildauer und die Spontankäufe nehmen zu, darin waren sich die Sortimenter einig. Bei Dussmann stöberten die Kunden stundenlang und sie seien bereit, Dinge mitzunehmen, von denen sie vorher gar nicht wussten, dass sie sie haben wollen, so Hellmann, die auch beobachtet hat, dass die Ratgeberkunden bestens informiert sind, immer kritischer werden und höhere Erwartungen an die Buchhändler haben. Daher wünsche sie sich bei bestimmten Themen einen engen Austausch mit den Verlagen und individuelle Lösungen der Zusammenarbeit.
ml