
Rund 100 Freunde, Kollegen und Familienangehörige feierten am vergangenen Sonntag gemeinsam mit Hans Traxler seinen 85. Geburtstag nach – bei strahlender Sonne auf dem Motorschiff „Johann Wolfgang Goethe“ mainaufwärts.
Traxler, kein rüstiger Rentner, sondern ein freundlicher, fitter, fleißiger Zeichner und Autor im besten Schaffensalter war bereits am 21. Mai 85 Jahre alt geworden. Soeben ist sein jüngstes Werk bei Hanser erschienen: Willi – Der Kater, der immer größer wurde, das alle Gäste, vom Meister signiert, mit nach Hause nehmen durften. Traxler hat in den letzten Jahren unermüdlich gezeichnet und gedichtet, verlegt bei Reclam, Insel, Kunstmann, Hanser.
Zunächst aber wurden alle Gruppen von Gästen von Hans Well und drei seiner Kinder mit einem gestandenen bayerischen, eigens für diesen Anlass gedichteten Gstanzl begrüßt, etwa „die Cartoonisten und die Maler, die Millionäre und die Steuerzahler – die Auftragenden und die Originalen und die Titanic-Macher und die Normalen – die Feingeister und die Glehrten, die Gscheiten und die Gscherten – die Sauern und die Süßen, und alle die wo täglich FAZ lesen müssen“ usw. – herrlich!
Geschenke hatte sich der Jubilar nicht gewünscht, wohl aber Gedichte, gereimte bitte. Im Lauf der Fahrt werden wurden weitere Gedichte aus berufenen Mündern vorgetragen, von den langjährigen Weggefährten aus der „Pardon“-Zeit wie Pit Knorr, von Künstlerfreunden wie Ernst Kahl und Nikolaus Heidelbach, von Kritikern wie Andreas Platthaus. Oliver Maria Schmitt trug den Gruß des erkrankten F.W. Bernstein samt eigener Improvisation über Goethes Osterspaziergang aus dem Faust vor. Ein weiterer Höhepunkt war das Gruppenfoto am ICH-Denkmal in der Nähe der Gerbermühle, ein leeres Steinpodest mit der Aufschrift ICH, das Traxler der Stadt Frankfurt gestiftet hat.
Anschließend gab es auf dem Schiff ein feines Buffet (die Servietten waren mit einer Traxler-Ente bedruckt). Immer wieder zeigte die Well-Familie ihr Können und ihre Freude am Musizieren und an der Musik von Bach bis Scott Joplin, gewürzt mit deftigen bayerischen Einlagen, zu denen schließlich sogar getanzt wurde. Was gibt´s Schöneres im Leben, als so fünfundachtzig zu werden?
Ulrich Störiko-Blume