
Gründe für ein kleines Fest am gestrigen Samstag gab es bei Zweitausendeins in Frankfurt am Kornmarkt genügend: 45 Jahre Zweitausendeins Verlag, 40 Jahre Zweitausendeins in Frankfurt und ein Jahr nach der freundlichen Übernahme der Filiale am Kornmarkt boten dreifach Anlass zum Feiern.
Robert Egelhofer und Konrad Künkel hatten das Geschäft vor einem Jahr übernommen [mehr…] und luden auf den kleinen Platz vor dem Laden zu Musik, Apfelwein und Brezeln ein.
„Das letzte Jahr war gemischt. Während es bis zu Weihnachten ganz gut lief, schien das Geschäft ab Januar 2014 zurückzugehen. An den ersten Vormittagen der Woche fühlten wir uns wie abgeschnitten vom Verkaufstrubel der Stadt“, sagt Konrad Künkel. Die Gründe für diesen Einbruch konnten sich beide Inhaber nicht erklären. „Wir müssen schauen, wie es weitergeht“, meint Robert Egelhofer.
Allerdings zeigt sich Licht am Ende des Tunnels: Man habe das Programm erweitert und kooperiere nicht nur mit Libri, sondern auch mit zwei CD- bzw. DVD-Großhändlern. „Die anderen Musikläden gehen den Bach runter, wie übernehmen das Geschäft“, erklärt Künkel. Geld verdiene man damit allerdings nicht viel, es sei eher eine Herzensangelegenheit.
An diesem Samstag scheinen die Geschäfte gut zu gehen, die Kunden hören nicht nur den Bands auf dem Vorplatz zu, sondern kommen auch, um im Laden zu stöbern, werden oft fündig.
„Zweitausendeins hat sich in den letzten acht Jahren verändert. Wir wollen den alten linksliberalen, anarchistischen Geist wieder aufleben lassen“, erzählt Künkel. Bücher wie der Simplicissimus seien immer noch gefragt, ebenso der Dauerbrenner Titanic. Man werde auch Vinyl ins Programm nehmen, obwohl die Klientel dafür überschaubar ist.
Wer also Witziges, Interessantes, Skurriles und Alternatives sucht, wird bei Zweitausendeins viele Bücher, CDs und DVDs finden. Besonders unterstützt werden beispielsweise lokale und regionale Bands und Musiker wie Septembersong, Jen & Tom, Harvest Moon, Wolf Schubert-K., Double Dylans und Manfred Häder – sie alle spielten am Samstag. „Wenn es von den Musikern CDs gibt, bekommt man sie bei uns“, erläutert Konrad Künkel, selbst Musiker.
Ideen haben Künkel und Egelhofer viele. Ein kleines Café vor dem Laden wäre gut. Oder man könnte öfter musikalische Veranstaltungen machen – nicht nur zu Jubiläen. „Allein die Bürokratie schiebt uns Steine in den Weg. Die kleine Jubiläumsfeier haben wir bereits im April beantragt, gestern kam die Genehmigung“, berichtet Robert Egelhofer. „Da verliert man schon manchmal die Lust“, ergänzt Konrad Künkel.
Die Butter vom Brot nehmen lassen wollen sich beide nicht. Bleibt zu hoffen, das Zweitausendeins nicht nur die seit Jahren treuen Stammkunden anzieht, sondern größere Käuferkreise interessieren kann. Mit dem 281. Merkheft liegen genügend Vorschläge auf dem Tisch – und Bestellungen nehmen Egelhof, Künkel und ihre Mitarbeiter selbstverständlich gerne entgegen.
JF