
Wir suchen heute nach einem Verlag, der gemeinsame Wurzeln mit einer fast 250 Jahre alten Universitätsbuchhandlung hat. Die Buchhandlung gehört zu einer Buchhandelskette, die einem angesehenen Fachverlages angeschlossen ist. Der gesuchte Verlag aber ist nach wie vor konzernunabhängig. Er wurde 1977 von einem jungen Verlagskaufmann und Galeristen übernommen, der dem traditionsreichen Unternehmen frische Impulse gab und es auf gänzlich neue Wege führte.
Nach wie vor in seinem Besitz, bringt der Verlag ebenso Bücher für Kinder wie für Erwachsene heraus, darunter christliche Kinderbücher, Heldenserien und ganze Kollektionen, vor allem aber Nichtbuch- und Vermarktungsartikel, die dem Buchhandel interessante Zusatzumsätze bescheren.
Vieles aus der Geschichte des Verlages ist so unkonventionell wie sein Verleger, der auf der offiziellen Website als „regionales Original“ bezeichnet wird. Ehe er die eingangs erwähnte Traditionsfirma übernahm, hatte er bereits seinen eigenen Verlag gegründet, der in der Branche rasch Furore machte. Ausschließlich einem Ratgebersegment gewidmet, auf dem es viele gut eingeführte Konkurrenten gab, fielen seine Produkte durch ihr „Outfit“ auf: Ungewöhnliche Einbandstoffe, vorgetäuschte Fettflecken und handschriftliche Randbemerkungen „wie von Oma“ als unverwechselbares Markenzeichen. Diesem Kerngeschäft entsprang die heute drei eigenständige Marken umfassende Gruppe. Innovativ ist sie geblieben: Jenes Ratgebersegment wird längst durch einen täglichen Blogg ergänzt.
Der gesuchte Verlag war 1992 einer der ersten, die neben dem Buch- ein eigenständiges Non-Book-Programm entwickelte. Die Idee kam aus der Familie. Die Ehefrau des Verlegers betreibt ein eigenes Modeatelier für exklusive Kleidungsstücke, die durch bunte Stoffe und schillernde Details auffallen. „Schon mit 20 betrieb sie einen Laden, in dem neben Mode alle erdenklichen Liebhaberstücke feilgeboten wurden“, so war in der „Vogue“ über sie zu lesen. Damit war sie eine der Pionierinnen der Concept-Stores, eines Einzelhandelstyps mit zumeist ausgefallenen Kombinationen von Sortimenten und Marken. Ihr Mädchenname wurde zum Kennzeichen des Non-Book-Programms.
Der Verlag residiert in zwei bemerkenswerten Gebäuden. Das eine – ein ehemaliger Kornspeicher – liegt in einem ehemaligen Hafenviertel an einem „Kreativ-Kai“. „Das ist der ungewöhnlichste Verlag, den ich gesehen habe“, so urteilen Leute, die sich in der Szene auskennen. Der Besucher wird durch eine rote schwere Tür an himmelblauen Wolkenmalereien und goldenen Buchstaben vorbei in Tuchfühlung mit steinernen Elefanten ins Innere geführt, wo er Plüschtiere, alte Stühle, Accessoires jeder Art und Spielzeug aus längst vergangenen Tagen als Arbeitsumgebung vorfindet.
Nicht weniger originell ist das zweite Domizil:eine denkmalgeschützte Hafenfeuerwache, bei ihrer Errichtung (1928 bis 1930) das modernste Feuerwehrgebäude Deutschlands, das heute einige der Verlagsabteilungen und einen Showroom für die Verlagsproduktion beherbergt.
Heinold fragt: Wie heißt der Verlag und wo ist sein Sitz?