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Berlin: Diskussion über die Zukunft der Verlage

Auftakt einer neuen Veranstaltungsreihe der Ullstein Buchverlage. Gestern Abend trafen sich im Verlagshaus in der Friedrichstraße Verlegerin Siv Bublitz und der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner zur ersten Ausgabe der Reihe Resonanzraum. Außerdem war Stephen Page, der Verleger von Faber & Faber, eigens aus London angereist um über das Thema „Die Zukunft der Verlage“ mitzudiskutieren.

Siv Bublitz und ihr britischer Kollege Stephen Page

Unter den Gästen des von Teresa Bücker moderierten Gesprächs waren auffallend viele Agenten und Lektoren. Dass die Digitalisierung die Verlagsbranche vor immer neue Herausforderungen stellt, ist nicht neu. Der Verkauf von E-Books gehöre für die meisten Verlage mittlerweile zum Alltag, so Siv Bublitz. Nun komme es darauf an, die Bücher für die Leser sichtbar zu machen. Das Internet biete gute Chancen für eine Kommunikation mit den Lesern, sagte sie und verwies beispielhaft auf den Verlagsblog www.resonanzboden.com. Dem stimmte auch Tim Renner zu. Die Kunden verließen sich heute nicht mehr nur auf das Feuilleton, sagte er. Der direkte Austausch im Netz bekomme immer größere Bedeutung.

Auch der Umgang mit den Autoren hat sich mit der Digitalisierung verändert, waren sich die Verleger einig. „Sie sind professioneller geworden“, betonte Bublitz. „Wir können viel von den Self-Publishern lernen. Vor allem Zuhören“, sagte sie in der auf Englisch geführten Diskussion.

Dank der Buchpreisbindung sei Deutschland in einer komfortablen Situation, betonte Siv Bublitz und sprach sich für deren Erhalt aus. Tim Renner, der aus der Musikindustrie kommt, ging noch einen Schritt weiter und forderte eine Buchpreisbindung auch für Filme und Musik. Stephen Page, in dessen Land die Buchpreisbindung gefallen ist, berichtete, dass die Verlage versuchen, mit neuen Geschäftsmodellen – wie Kurse für kreatives Schreiben und Abonnement-Angebote – gegenzusteuern.

Durch den Boykott von Amazon im vergangenen Jahr, bei dem es um höhere Rabatte für E-Books ging, sei der Verlag politischer geworden, sagte Bublitz und Renner bekam spontan Applaus für seine Forderung, dass die europäischen Verlage eine gemeinsame Digitalstrategie entwickeln sollten.

Das Buch habe sich in hunderten von Jahren immer wieder verändert und man könne nicht vorhersagen, wie wir in Zukunft lesen werden, sagte Page abschließend. Doch in einem waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Das gedruckte Buch wird parallel zur Digitalisierung Bestand haben.

Die Veranstaltungen der Reihe Resonanzraum sollen künftig zweimal im Jahr stattfinden und ein Forum für digitale und kulturelle Zukunftsthemen bieten. Unterstützt wurde die gestrige Diskussion vom Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft.

ml

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