
Gestern Abend traf sich die Berliner Kinderbuchszene wieder einmal in der Staatsbibliothek zu Berlin, wo bereits zum siebten Mal die Berliner Bücherinseln [mehr…] eröffnet wurden.
Ulrike Nickel (Foto), Geschäftsführende Vorsitzende des Vereins Kulturkind und Initiatorin des Festivals, begrüßte die Gäste, darunter der Botschafter Russlands Wladimir Grinin. Sein Land ist in diesem Jahr Ehrengast der Berliner Bücherinseln. Mit seiner Anwesenheit setze der Botschafter ein öffentliches Zeichen, wie wichtig dort die Kinder- und Jugendliteratur ist, betonte Ultike Nickel. Aus Moskau waren Anastassija Archipowa, Tanya Kormer, Olga Monina, Igor Oleynikov, Sasha Sidortsova und Andrej Usachev dabei.
In den Ländern Mittel- und Osteuropas habe die Kinderliteratur, vor allem die Kinderbuchillustration, eine große Tradition, so Ulrike Nickel. Die diesjährigen Bücherinseln stehen ganz im Zeichen der Begegnung zwischen Künstlern und ihrem jungen Publikum und wollen dazu anregen, über die eigene kulturelle Zone hinauszublicken. „Die heutige Welt ist ohne Transkulturalität nicht denkbar“, so Ulrike Nickel. „Richtet sich die Weltsicht allein auf die eigene Kultur, nur auf die geistigen und künstlerischen Lebensäußerungen des eigenen Landes, kann Entfremdung die Folge sein.“
Die Berliner Bücherinseln als Kultur-Brücke: In einer ebenso heiteren wie rasanten Präsentation stellten der Illustrator Igor Oleynikov und der Autor Andrej Usachev den Gästen des Abends ihre Arbeit vor. „Was für einen Zweck haben schließlich Bücher, in denen überhaupt keine Bilder vorkommen?“, zitierte Usachev aus Alice im Wunderland. Dennoch könne er Illustratoren nicht besonders gut leiden, sagte er und nannte vielfältige Gründe: Zu 99 Prozent zeichneten sie etwas anderes als erwartet, sie seien faul, zeichneten beispielsweise Seesterne mit nur fünf Fangarmen, obwohl diese davon bis zu 55 haben können, und sie hätten einen Tick, weil sie ihr Lieblingsmotiv überall unterbringen wollen. Andererseits seien die Autoren den Illustratoren häufig im Weg, weshalb sie am liebsten Klassiker illustrieren.
„Aber manchmal hat man auch Glück“, so Usachev. So wie er mit Igor Oleynikov, der ganz wunderbare Katzen zeichnen könne. „Seit 25 Jahren arbeiten wir zusammen und sind mittlerweile befreundet.“ Illustratoren und Autoren dürften keine Gleichgesinnte sein, sie müssten sich ergänzen. „Wie Mond und Sonne, Mann und Frau, Herz und Verstand.“
Traditionell geben einige Künstler beim Auftakt des Festivals im Gespräch mit Ulrike Nickel Einblick in ihre Arbeit. In diesem Jahr waren es Stefanie Harjes, Flix und Anastassija Archipowa, die „Grande Dame der Bilderbuch-Illustration“, wie Ulrike Nickel betonte. Die russische Künstlerin, die aus einer kreativen Familie stammt, brachte ihre Leidenschaft so auf den Punkt: „Ich habe den interessantesten Beruf der Welt.“
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