Heute Mittag stellte sich die diesjährige Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch in der Bundespressekonferenz in Berlin den Fragen von Journalisten. Auch ihr deutscher Verleger, Karsten Kredel, seit zwei Jahren Verlagsleiter von Hanser Berlin, saß stellvertretend für ihre Verleger weltweit auf dem Podium.

Karsten Kredel sprach von einer würdigen Entscheidung der Schwedischen Akademie für eine mutige, unerschrockene Frau. Besonders begrüßte er auch Elisabeth Ruge, die ebenfalls anwesend war. Kredels Vorgängerin Elisabeth Ruge hat Swetlana Alexijewitsch seit 25 Jahren begleitet und in Deutschland verlegt. „Es ist ein wunderbarer Gedanke, dass jetzt noch viel mehr Menschen die Bücher von Swetlana Alexijewitsch lesen werden“, so Kredel. Sie sei eine einzigartig Autorin, in dem Sinne, dass ihr Werk in seiner Art einzigartig sei.
Sie arbeite nicht journalistisch, vielmehr sammle sie Material wie ein Journalist und arbeite dann literarisch, erläuterte die Literaturnobelpreisträgerin ihre Arbeitsweise. Ihr aktuelles Buch Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus (2013) führt die großen Themen ihrer vorangehenden Bücher zusammen. Seit der im Herbst 2014 bei Hanser Berlin erschienenen Neuausgabe von Die letzten Zeugen ist das Werk von Swetlana Alexijewitsch wieder komplett in deutscher Übersetzung verfügbar.
Sie sei sehr glücklich und der Nobelpreis bedeute ihr viel, betonte Swetlana Alexijewitsch. Viele Menschen betrachteten den Preis auch als Anerkennung für Weißrussland. Swetlana Alexijewitsch lebt, nachdem sie über zwölf Jahre unter anderem in Schweden und Deutschland im Exil verbrachte, wieder in Minsk. Immer wieder geriet sie im Laufe ihres Schaffens in Konflikt mit der Obrigkeit und den Zensurbehörden.
Der Aufenthalt im Ausland habe ihren Blick geweitet. Ein Schriftsteller müsse die Welt in Farbe sehen. „Doch ich habe auch begriffen, dass man Demokratie nicht wie Schweizer Schokolade einführen kann.“ Ihre Art zu schreiben verlange Aufrichtigkeit und Offenheit, daher dürfe sie das Gefühl für die Menschen in ihrer Heimat nicht verlieren.
„Preise verpflichten ja auch sehr“, betonte Swetlana Alexijewitsch. Sie habe das Gefühl, Verantwortung tragen zu müssen. „Nun kann ich mich nicht ausruhen.“
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