Mit dem Preisgeld für den Deutschen Buchhandlungspreis hat sich das Team der Berliner Buchhandlung Dante Connection an diesem Wochenende einen Herzenswunsch erfüllt: Lesungen mit Rose Lagercrantz.

Gestern Abend stellte die schwedische Autorin ihre Familiengeschichte Wenn es einen noch gibt (persona verlag) in den Räumlichkeiten der Buchhandlung vor, heute las sie in einer benachbarten Grundschule aus Mein glückliches Leben und den beiden folgenden Dunne-Bänden Mein Herz hüpft und lacht und Alles soll wie immer sein, die im Moritz Verlag erschienen sind.
„Als wir 2015 mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet wurden, stand für uns fest, dass wir uns damit einen Wunsch erfüllen und unseren Kunden eine besondere Lesung bieten wollten“, betonte gestern Abend Stefanie Hetze, die Inhaberin von Dante Connection. „Die Wahl fiel schnell auf Rose Lagercrantz. Wir lieben ihre wunderbaren Kinderbücher, in denen so viel Liebe, Menschlichkeit und Sprachmacht steckt.“ Der kleine feine persona verlag ermögliche es den Lesern nun außerdem, in dem Familienporträt Wenn es einen noch gibt eine andere Seite von Rose Lagercrantz – als Autorin für Erwachsene – kennenzulernen.
Wenn es einen noch gibt passt perfekt in das Profil des auf Exilliteratur spezialisierten persona verlags. Dass Rose Lagercrantz‘ Familienporträt in ihrem Verlag erscheine, habe sie der Übersetzerin Angelika Kutsch zu verdanken“, betonte Verlegerin Lisette Buchholz, die aus Mannheim angereist war. „Sie schlug mir eines Tages die deutsche Ausgabe vor, nachdem sie es schon bei mehreren großen Verlagen versucht hatte, die alle der Meinung waren, zu diesem Thema gäbe es bereits genug Bücher auf dem deutschen Markt.“
„Es ist mir eine große Freude und Ehre, dass das Buch bei uns erscheint“, so Lisette Buchholz. Auch Rose Lagercrantz machte der Verlegerin ein Kompliment: In einem Verlag der nur ein Buch im Jahr herausbringe, fühle man sich als etwas Besonderes, sagte sie.
Rose Lagercrantz erzählte auf Deutsch von der Entstehung ihres Buches. Sie habe ein Familienporträt schreiben wollen, obwohl man sich nur selten traf, weil die Familienmitglieder in alle Welt verstreut waren, und das Schweigen in der Familie Tradition hatte.
Rose Lagercrantz wurde 1947 als Tochter eines deutschen Vaters und einer rumänischen Mutter in Stockholm geboren. Ihre Eltern hatten sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Schweden kennengelernt. Der Vater, 1901 in Berlin geboren, war vor den Nazis geflohen; die Mutter hatte Auschwitz überlebt. Ihre Eltern hätten ebenso wie andere Verwandte, die überlebt hatten, kaum über die Vergangenheit geredet“, so Rose Lagercrantz.
Erst im Alter sei ihr Vater bereit gewesen, sein Schweigen zu brechen. „Du schreibst über jeden. Schreib doch mal über mich, hat er plötzlich gesagt. Dann musst du mir was erzählen, habe ich geantwortet.“ In dem Buch erzählt Rose Lagercrantz von ihrer Kindheit, vom Leben ihrer Eltern („Zentrale Figur ist meine Mutter.“), aber auch von ihren Verwandten in Frankreich, Südafrika, Kanada oder Ungarn, die sie immer wieder besucht und befragt hat. Sie habe verstehen wollen, was es bedeutet, „wenn es einen noch gibt“ um davon zu schreiben. „Nun muss ich mich beeilen, alles zu erzählen, ehe es ganz verschwindet“, schreibt sie.
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