Gestern Abend hatten die Berliner Bücherfrauen zu einer Diskussionsveranstaltung ins Literaturhaus geladen. Friederike Zöllner von der Buchhandlung Buchlokal, Kristi Kriegel, Presseleiterin des Nicolai Verlags, und die Beraterin Angelika Niestrath tauschten sich über das Thema „Liaison für den Umsatz“ aus.
Warum scheint der Lebenszyklus mancher Buchneuerscheinung bereits nach einem halben Jahr beendet? Wie kann dies verhindert werden? Wie sieht die wirtschaftliche Seite aus? Und welche Strategien gibt es? Solche Fragen standen im Mittelpunkt des von Yvonne de Andrés und Ines Heinrich moderierten Gesprächs.

Wenn Friederike Zöllner für ein Buch brennt, gelingt es ihr meist auch, die Kunden zu überzeugen. Bücher wie Mies van Houts Heute bin ich und Der Hals der Giraffe von Judith Schalansky gehören seit Jahren zu ihren Favoriten, mit denen sie gute Umsätze erzielt. Viel verspricht sie sich auch von der bibliophilen Ausgabe von Wolfgang Herrndorfs Tschick aus der Edition Büchergilde. Der Titel werde als Geschenkbuch neben der Taschenbuchausgabe bestehen. Für Friederike Zöllner und ihr Team spielt die persönliche Kundenansprache eine wesentliche Rolle. „Oft haben wir beim Vertretergespräch schon die potenziellen Käufer im Kopf“, sagte sie.
Angelika Niestrath (nonbook.de) erläuterte wie sich Bücher mit Nonbooks kombinieren lassen. Als leidenschaftliche Bücherfrau nutze sie Zusatzprodukte als Werkzeug um Bücher in Szene zu setzen. So lasse sich die Qualität der Buchhandlung unterstreichen. „Gefragt sind interessante, überraschende Sortimente und attraktive Läden zum Wohlfühlen“, betonte sie. „Wo die Menschen einkaufen, wird zunehmend Ausdruck des persönlichen Lebensstils.“
Kirsti Kriegel hat gute Erfahrungen mit Lesereisen gemacht. Lesungen hielten auch Backlist-Titel im Gespräch und sorgten für Aufmerksamkeit in der regionalen Presse, sagte sie und nannte als Beispiel den Titel Geheime in Orte in Brandenburg, mit dem der Autor Claus-Dieter Steyer seit zwei Jahren durch die Region tourt.
Yvonne de Andrés und Ines Heinrich ließen nicht nur das Podium zu Wort kommen, abschließend stellten sie Fragen ans Publikum. So erfuhren sie beispielsweise, dass sich viele Leser nicht nur von Rezensionen in Tageszeitungen zum Bücherkauf verführen lassen, sondern auch von Bloggern und von Empfehlungen in sozialen Medien.
Und wann hat ein Thementisch sie zum Buchkauf veranlasst? Auf Anhieb fiel niemandem im Publikum eine Antwort ein. Ein gutes Zeichen, denn offenbar wurden sie in ihrer Buchhandlung zum Kauf verführt, ohne es zu merken.
Ein Patentrezept konnte die Gäste freilich nicht mit nach Hause nehmen. Zum Abschluss des inspirierenden Abends gab Ines Heinrich ihnen aber eine Empfehlung mit auf den Weg: „Bleiben Sie neugierig!“
ml