Im aktuellen September-Heft von BuchMarkt stehen uns in einem Rundgespräch vier erfolgreiche Akteure der Buchbranche Rede und Antwort. Viktor Niemann, Christiane Hoffmeister, Joerg Pfuhl und Michael Haentjes sprechen über Veränderungen und Herausforderungen der Branche:

Die Häutungen der Branche
BuchMarkt hat die Hamburger Buchhändlerin Christiane Hoffmeister, edel-Gründer Michael Haentjes, den ehemaligen Piper-Verleger Viktor Niemann und Jörg Pfuhl, seit 1. September CEO der deutschen Holtzbrinck-Verlage, zum Gruppengespräch gebeten. In den Hamburger Räumlichkeiten des edel Verlags sprachen die vier Unternehmer über ihre Sicht auf die Veränderungen der vergangenen Jahre und über den Zustand der Buchhandelslandschaft
heute. Alle Gesprächteilnehmer eint der optimistische Blick in die Zukunft, aber auch
das Wissen darum, wie wichtig es ist, sich immer wieder neu zu erfinden, um neue Leserschaften und Kunden zu gewinnen.
Christian von Zittwitz: Fangen wir mit der Buchhändlerin an: Frau Hoffmeister, wie sah die Buchhandelswelt aus, als Sie eingestiegen sind?
Christiane Hoffmeister: Als ich angefangen habe, war ich 22. Ich habe mich direkt selbständig gemacht, da habe ich nicht so sehr über den eigenen Tellerrand hinausgeguckt. Es sind eher die technischen Sachen, die sich gewandelt haben. Der Rest hat sich für mich nicht sonderlich verändert. Meine Kundenstruktur ist eigentlich gleich geblieben, die meisten sind mit mir alt geworden. Ich bin jetzt dabei, eine nächste Generation irgendwo
abzuholen …
Haben Sie denn das Gefühl, dass diese Generation abgeholt werden muss?
Christiane Hoffmeister: Die ganz jungen muss ich schon irgendwie holen, die brauche ich. Auch die Generation, die jetzt um die Dreißig ist, das sind Amazonkäufer, die muss ich irgendwie einfangen und ihnen klarmachen, dass das nicht sein muss, dass wir das auch können, dass wir den technischen Weg auch mitgegangen sind.
War nicht einer der ersten großen Einschnitte in unserer Branche dieser „Zwang zur Größe“, den die Kettenbildung mit sich gebracht hat?
Viktor Niemann: Ja, klar. Der Großbuchhandel bestand in erster Linie aus Barsortiment.
Einhundert Buchhandlungen haben ca. 80 Prozent des Buchhandelsumsatzes ausgemacht. Das war eine extreme Konzentration. Der Elefant „Großketten“ ist einmal über die Branche
gegangen, das war schon dramatisch für
viele Buchhändler.
Frau Hoffmeister, haben Sie das auch als so massiv empfunden?
Christiane Hoffmeister: Nein, ich habe gedacht, okay, die sind da und können dies und
das. Aber meine Qualitäten liegen woanders. Nicht jeder möchte „groß“. Ich habe mich nicht bedroht gefühlt.
Wie sah denn die Zeit bei Ihnen aus, als Sie im Musikbereich edel gegründet haben, Herr Haentjes?
Michael Haentjes: Es waren durchaus mit der Buchbranche vergleichbare Strukturen.
Es schien mir damals eine gute Gelegenheit, da etwas zu bewegen. Die wesentlichen Schübe in meiner Entwicklung und der Entwicklung meiner Firma waren letztlich auch getrieben durch technologische Veränderungen. Die Inhalte sind im Wesentlichen die gleichen geblieben, ob in der Musik oder in der Literatur. Aber die Technologie treibt sowohl das Trägermedium als auch den Umgang damit voran. Das Tonträgermedium hat ja mehrmals gewechselt, wir sind jetzt gerade erfreulicherweise dabei, wieder in eine Retro-Phase zu schwenken, in der die Schallplatte eine ganz wichtige Funktion hat. Insofern
habe ich auch wenig Sorge, was das gedruckte Buch angeht.
Herr Dr. Pfuhl, wie haben Sie die Entwicklung wahrgenommen?
Joerg Pfuhl: Ich glaube, dass die größten Veränderungen im Markt auf der Vertriebsseite
stattgefunden haben. Noch vor den großen Filialisten war es der Buchclub, der eine große Rolle gespielt hat, dann Amazon, und wer weiß, was das nächste ist. Wir haben zu jeder Epoche das Gefühl gehabt, das ist jetzt weltverändernd. Da sind wir manchmal angstgeprägt – und trotzdem hat sich der Buchmarkt weiterentwickelt. Insofern bin ich sehr optimistisch, was die Entwicklung angeht, selbst wenn wir nicht genau wissen, wie die Zukunft aussehen wird.
Wenn Sie mehr über die Veränderungen, Konstanten und Meilensteine der Branche und die Perspektiven aus Sicht der Gesprächsteilnehmer lesen wollen, schauen Sie in den aktuellen BuchMarkt (S.28). Falls Sie noch kein Abonnent sind, finden Sie hier das richtige Angebot.

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{Weitere Themen im Heft:
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