Mit einer Rede des argentinischen Autors César Aira hat gestern Abend das 16. internationale literaturfestival berlin (ilb) begonnen. Bis zum 17. September begegnen sich im Haus der Berliner Festspiele und an weiteren Veranstaltungsorten wieder Literaten aus aller Welt. Insgesamt werden etwa 200 Autoren ihre Werke vorstellen.

César Aira, der soeben mit dem angesehenen Premio Iberoamericano de Narrativa Manuel Rojas [mehr…] ausgzeichnet wurde, sprach über die Lust am Lesen und die Qual des Schreibens. „Wer befiehlt uns, besser schreiben zu wollen? Warum schreiben wir keine ganz normalen Romane wie alle anderen auch? Wir bringen Gott und die Welt gegen uns auf und halten dennoch an dieser Arbeit fest, die sich jedes Mal schwieriger gestaltet und uns das Leben schwerer macht“, so Aira. „Ich glaube, es gibt einen Grund, warum wir uns auf nicht zu rechtfertigende Weise masochistisch verhalten. Das Leben verschlechtert sich zunehmend, die Fallstricke, die es uns stellt, werden immer barocker, und wir brauchen neue und ausgefeiltere Fertigkeiten, um ihm gewachsen zu sein.“
Wer nicht dabei sein konnte: Eine gekürzte Fassung der Rede ist heute in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt. Der Gang zum Kiosk lohnt sich.
Bereits am Vormittag hatte die amerikanische Autorin Ruta Sepetys die Festivalsparte „Internationale Kinder-und Jugendliteratur“ eröffnet. Ihre Rede über die Kraft von Geschichten zog die jungen Zuhörer von Anfang an in den Bann. In den USA und in Australien sei die Autorin längst ein Star, während sie hierzulande leider noch viel zu wenig bekannt sei“, so Christoph Rieger, der Leiter des Kinder- und Jugendliteraturfestivals. Das könnte sich nun ändern. Ruta Sepetys stellte als Deutschlandpremiere ihren Roman Salz für die See vor, der in der Übersetzung von Henning Ahrens im Verlag Königskinder erscheint.

Das bewegende, gründlich recherchierte Buch thematisiert den Untergang der Wilhelm Gustloff. Das Schiff mit knapp 10.000 Flüchtlingen an Bord wurde 1945 ein paar Stunden nach dem Auslaufen aus Gotenhafen in Pommern von einem sowjetischen U-Boot torpediert und sank in weniger als einer Stunde. Etwa die Hälfte der Passagiere waren Kinder. Auf lebendige Art und Weise erzählte Ruta Sepetys, deren Vater als Kind aus Litauen fliehen musste, von ihrer Recherche und ihren Gesprächen mit Zeitzeugen.
Auch neben den zahlreichen Lesungen, Workshops und Gesprächen hat das Literaturfestival Kindern und Jugendlichen viel zu bieten. Im Foyer des Hauses der Berliner Festspiele wird wieder die Ausstellung „Das außergewöhnliche Buch 2016“ präsentiert. Jeder Festivalgast hat dafür ein Buch empfohlen, das Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene unbedingt lesen sollten. Die Liste der prämierten Werke ist auch unter http://www.literaturfestival.com/kjl/aussergewoehnlich einzusehen.
Für die Dauer des Festivals zeigt die Staatsbibliothek zu Berlin in ihrem Haus an der Potsdamer Straße in Tiergarten eine Ausstellung mit Originalen des belgischen Bilderbuchkünstlers Carll Cneut: Der goldene Käfig. Das gleichnamige Bilderbuch aus dem Bohem Verlag ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Zum Literaturfestival erscheint im Verlag Vorwerk 8 wieder ein Katalog mit ausführlichen Biografien der Autoren der Hauptprogramme. Der diesjährige Titel lautet demokratie ohne populismus.
Im selben Verlag erscheint auch wieder die „Berliner Anthologie“. The Poetry Project ist eine Gedichtsammlung unbegleiteter Flüchtlinge, die im Alter zwischen 14 und 8 Jahren aus Afghanistan und Iran geflohen sind.
Den Büchertisch im Haus der Berliner Festspiele betreibt in diesem Jahr die Theaterbuchhandlung Einar & Bert.
ml