
„Mitglieder werben Mitglieder“ – so heißt das neue Angebot des Börsenvereins, das konkret bedeutet: Mitglieder, die ein neues Vollmitglied werben, erhalten in dessen zweiten Mitgliedsjahr 150 Euro auf ihren eigenen Mitgliedsbeitrag gutgeschrieben. Das erklärte Motto: „Gemeinsam stark. Zusammen für den Erfolg der Branche und jedes Einzelnen. Ihre Mitgliedschaft zählt.“ Wir sprachen mit Dieter Dausien, Inhaber Buchladen am Freiheitsplatz in Hanau, über Mitgliedschaft und Engagement im Verband.
BuchMarkt: Herr Dausien, die Zahl der Buchkäufer geht zurück, vielerorts schließen Buchhandlungen. Worauf kommt es in der Branche jetzt besonders an?
Dieter Dausien: Es gibt eine immer größere Vielfalt an Möglichkeiten, seine Zeit zu verbringen. Nicht nur, aber auch durch neuere Medien, die sich in aller Regel über die Nutzung von Bildschirmen erschließen. Das betrifft auch viele Menschen, die sich bisher mehr oder weniger ausgiebig dem Lesen von Büchern gewidmet haben. Deshalb müssen wir versuchen, das Buch und das Lesen von Büchern in den Fokus zu rücken und seine Qualität herauszustellen. Buchhandlungen müssen ein spannender Ort sein, nicht nur für den Kauf von Büchern attraktiv sein, sondern auch als Treffpunkt, als Ort interessanter Erlebnisse und als Ort zum Wohlfühlen. Vielleicht sogar als Ort, an dem man sich als Kunde selbst in der einen oder anderen Weise engagieren kann. Verlage müssen Bücher machen, über die gesprochen wird und sie in die Medien bringen. Buchhandlungen müssen das aufgreifen, vieles geht nur in Kooperation. Alle Beteiligten der Buchbranche sind aufgerufen, Ideen zu entwickeln, am besten konzertierte Aktionen. Es gibt Dinge, die jeder Einzelne tun kann, und anderes, das wir nur gemeinsam erreichen können. Dafür brauchen wir den Verband.
Sie sind seit vielen Jahren ehrenamtlich im Börsenverein aktiv. Warum engagieren Sie sich persönlich im Verband?
Ich habe mich schon immer gerne eingemischt. Jeder und jede macht sich ja so seine Gedanken im stillen Kämmerlein und realisiert oft gar nicht, dass es vielen anderen genauso geht. Ich nehme mich immer ein bisschen als pars pro toto für die vielen Inhaberinnen und Inhaber kleinerer Buchhandlungen, die oft frustriert und unzufrieden sind, aber es leider dabei belassen. Es gibt aber im Verband jede Menge Möglichkeiten für Kolleginnen und Kollegen, sich unkompliziert einzubringen, etwa in den spartenübergreifenden Interessengruppen. Der Verband ist ein wichtiges Forum der Verknüpfung innerhalb der Branche, der Ideen anstößt und Kolleginnen und Kollegen zusammenbringt. Außerdem ist es natürlich immer interessant, ein bisschen hinter die Kulissen zu schauen und viele andere Mitglieder, auch aus anderen Sparten, kennenzulernen. Meine 40 Jahre in der Buchhandlung sind zwar immer wieder spannend, aber manchmal auch ein bisschen redundant. Da ist das Engagement im Börsenverein eine schöne Bereicherung des Arbeitsfeldes.
Der Börsenverein hat das Angebot „Mitglieder werben Mitglieder“ gestartet. Werden Sie auch mitmachen?
Gibt es das noch, Buchhandlungen, die nicht im Börsenverein sind? Das kann ich gar nicht nachvollziehen! Wenn mir eine unterkommt, die noch kein Mitglied ist, werde ich sofort versuchen, sie zum Eintritt zu bewegen. Die Prämie, die ich für die Vermittlung erhalte, wäre nett, aber nicht mein Motiv, ich würde es aus Überzeugung tun.
Mit welchen drei Argumenten würden Sie versuchen, eine andere Buchhandlung für eine Mitgliedschaft im Verband zu gewinnen?
Erstens: Wenn wir keinen starken Verband hätten, und zwar einen spartenübergreifenden, dann gäbe es niemand mehr, der sich für uns bei der Politik um die Rahmenbedingungen kümmert. Ob Preisbindung oder Urheberrecht. Wenn der Börsenverein nicht auf der Matte stünde, sähe es mit Sicherheit (noch) schlechter aus.
Zweitens organisiert der Börsenverein viele öffentlichkeitswirksame Maßnahmen. Den Deutschen Buchpreis, die Maßnahmen zur Leseförderung: Lesetüte, Lesekoffer, Welttag des Buches, Vorlesewettbewerb – alles Aktionen, die wir im Buchladen nutzen, die wir aber aus eigener Kraft gar nicht durchführen könnten.
Und drittens: Das ganze alltägliche eigene Interesse jedes Mitglieds: Allein durch den kostenlosen Bezug des Börsenblatts und die vielen Vergünstigungen des Vorteilsprogramms seitenreich spielt sich der Mitgliedsbeitrag vermutlich schon ein. Beim Kauf meines derzeitigen PKW habe ich z.B. 26 Prozent gespart. Angebote von ec-Cash-Anbietern tropfen an mir ab: Ich konfrontiere den Anrufer mit unseren lediglich 5 bis 6 Cent Kosten pro Transaktion, dann höre ich stets, da können wir leider nicht mithalten. Mein Aha-Erlebnis in dieser Hinsicht war, als sich die Glasversicherung für unsere fünf großen Fenster durch ein entsprechendes Angebot aus dem Vorteilsprogramm von damals über 800 aus 250 DM reduzierte.
Und Grund 3,5: Abgesehen von solchen harten Fakten freue ich mich über die vielen bereichernden Kontakte, die ich durch mein Engagement im Börsenverein bekommen habe.