Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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- „Grenzenlos empfänglich“: Hier wird gerungen und bezwungen: Horst Bredekamp widmet Michelangelos Leben und Werk eine gewichtige und zudem exzellent bebilderte Darstellung. „Die Herausforderungen jeder Auseinandersetzung mit Michelangelo zeichnen sich bereits in der Ambivalenz und Mythisierung dieser ersten Darstellung des Künstlers ab. Und sie stellen sich auch noch für die jüngste Monografie Horst Bredekamps. Mit dem über achthundert Seiten starken, reich bebilderten und wunderbar produzierten Buch scheint der Autor in ähnlich heroischer Kraftanstrengung nun den Künstler seinerseits bezwingen zu wollen.“
Horst Bredekamp, Michelangelo (Klaus Wagenbach Verlag) - „Wanderungen im Drei-Riesen-Gebirge“: Gelehrtes Vergnügen: Herfried Münkler versammelt Marx, Nietzsche und Wagner zum Geistergespräch. „Man muss fast schon selbst ein Großer sein, um dieses Drei-Riesen-Gebirge zu durchwandern, ohne abzustürzen, und Münkler gelingt dies – mit kleinen Abstrichen – auf eindrucksvolle Weise. Er schreibt nicht drei Biographien, sondern bringt seine Hauptfiguren anhand zentraler Themen und geschichtlicher Ereignisse miteinander ins Gespräch.“
Herfried Münkler, Marx – Wagner – Nietzsche. Welt im Umbruch (Rowohlt Berlin Verlag)
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- „Tote werfen keine Schatten“: Wie Dante in seiner Commedia das Wunder vollbrachte, ein Bild für die Seelen im Jenseits zu schaffen. Hans Belting ist Kunsthistoriker. Eine ausführliche Darstellung des Themas erscheint in dem Band Evidenzen des Jenseits, herausgegeben von Dominik Perler und Friederike Wilke bei Wallstein.
- „Modrige Mentalität“: Ferdinand Schmalz’ Geschichte vom Eismann Franz Schlicht und seinen morbiden Mitmenschen hat sich zum Roman ausgewachsen. „Man kann gar nicht nicht an die ganze David-Schalko-Wolf-Haas-Josef-Hader-Welt denken, wenn ein Immobiliendeal beim Gulasch ausgekartelt und sich zum Showdown in einem abgewrackten Vergnügungspark getroffen wird. Weil das aber alles schon so gut bekannt ist, kippt der Roman damit in eine Sonntagabend-Gemütlichkeit, eine Krimi-Folklore, die einen bei allem sprachlichen und szenischen Aufwand matt enttäuscht zurücklassen kann.“
Ferdinand Schmalz, Mein Lieblingstier heißt Winter (S. Fischer)
Hörbuchkolumne
- Isabel Bogdan, Mein Helgoland (Argon)
- Sebastian Stuertz, Ruslan aus Marzahn (gesprochen von Shenja Lacher; Hörverlag)
- Dostojewski, Hörspiel-Box (DAV)
- Hermynia Zur Mühlen, Unsere Töchter, die Nazinen (gelesen von Julia Cortis; Gelesenes Sach- und Fachbuch, kurz Gesafa)
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- „Er schickt seinen eigenen Himmel“: Wie ihnen der Schnabel gewachsen ist: Bryan Washingtons Roman Dinge, an die wir nicht glauben. „In allem hält Bryan Washington scheinbar mühelos und entspannt die Balance. Lässt seine beiden jungen Männer plaudern und zanken, in die Arbeit oder ins Café gehen. Verliebt und dann wieder frustriert sein. Spaß und dann wieder den Blues haben. Vielleicht braucht unsere aufgeregte Zeit genau solche Romane, in denen ein schwules Paar zum Normalsten der Welt gehört.“
Bryan Washington, Dinge, an die wir nicht glauben (aus dem Englischen von W. Löcher-Lawrence; Kein & Aber) - „Etwas bleibt immer hängen“: Doris Knecht erzählt in Die Nachricht von Frauenfeindlichkeit im Netz – leichthändig und raffiniert gearbeitet. „Doris Knecht erzählt in Varianten von subtiler und massiver Gewalt gegen Frauen. Zwar gibt es liebenswerte Männerfiguren in ihrem Buch, es knüpft sich aber ein Netz der Misogynie. Der Roman hinterlässt einen starken Eindruck.“
Doris Knecht, Die Nachricht (Hanser Berlin)







