
Hädecke-Verleger Joachim Graff wird heute achtzig Jahre alt.
Über viele Jahre waren wir Standnachbarn auf der Buchmesse, hatten uns zuletzt gleich im Doppelpack angemeldet, um das bleiben zu können. Aus Freundschaft ist daraus fast Familie geworden, seine Tochter Julia, die heute gemeinsam mit ihrer Schwester den Verlag leitet, habe ich schon als Kleinkind auf dem Arm gehalten, sie wurde dann sogar mein erster Azubi.
Von Jo habe ich das Rezept für das schnellste Gästeessen der Welt, das auch ich kochen konnte: Schweinefilet in Orangensauce, in gefühlten fünf Minuten auf dem Tisch. Wir haben zusammen getrunken (z.B. im Filmmuseum, das damals sein „Whisky“ – Autor Walter Schober leitete). Wir haben zusammen gelacht (etwa darüber, wie sich für ihn ein fröhlicher Abend mit seinem Autor Gert von Paczensky binnen einer Minute kostenmäßig verdoppelt hatte, weil der den Vertragsabschluss von COGNAC mit zwei Gläsern edlem Cognacs beschließen wollte – die kosteten genau so viel wie das gesamte Menu zuvor. Jo tröstete sich: „Da wusste ich, das Buch wird ein Erfolg“). Und wir haben haben zusammen gefeiert, Geburtstage etwa, bei denen die Festbeträge seiner Freunde und Nachbarn schier nicht enden wollten. Ich habe gespürt, sie wollten zurückgeben, was er zuvor für sie getan hatte.
Jetzt habe ich ihn gefragt, an welche Highlights aus seinem Berufsleben er sich heute an seinem 80. Geburtstag gern erinnert. Er sagt „Das größte Highlight war zweifellos meine Frau Monika, mit der ich nun seit 54 Jahren verheiratet bin. Ohne sie wären viele Highlights im Verlag nicht möglich gewesen und die beiden wunderbaren Töchter, Simone und Julia, auch nicht. Monika hatte Innenarchitektur und Messebau studiert (u.a. entwarf sie auch für BuchMarkt, unseren damaligen Buchmesse-Nachbarn, den Messestand) und illustrierte zunächst Hädecke-Bücher mit feinen Zeichnungen, korrigierte und layoutete dann Kochbücher und schrieb schließlich selber welche, die aus heutiger Sicht sagenhafte Auflagen (bis zu 100tausend) erreichten. Bis heute ist sie unsere beste Lektorin!
Sie hat dazu beigetragen, dass viele Autorinnen und Autoren unsere Freunde wurden: Gert von Paczensky (der uns anlässlich einer Geburtstagsfeier auf dem Rhein als „seine Lieblingsverleger“ vorstellte). Seine Bücher „Cognac“ und „Champagner“ waren große Erfolge und erschienen auch als Lizenzausgaben in Frankreich bei France Loisirs – Horst Scharfenberg, der u.a. unser Buch „Die Kunst des Kochens“ von Toulouse Lautrec übersetzte (darauf bin ich besonders stolz, weil es die erste Lizenz war, die ich in eigener Verantwortung erworben hatte) – Fred Metzler (seine Sendung „Tafelmusik“ beim HR zählte zu den beliebtesten) – Walter Schobert (damals Hausherr des Deutschen Filmmuseums, wo wir legendäre Verlagsabende zur Buchmesse feiern konnten), der bei Hädecke mehrere ausgezeichnete Whiskybücher verlegte, Irèrene de Font-Verger (Kuhn-Kreuzhage), die ihre Leserinnen und Leser in ihren Büchern und uns in ihrer Küche mit Köstlichkeiten aus der Provence und dem Elsass begeisterte, Edith Gerlach, die ihre Bücher über Land, Menschen und Küche (Bretagne, Im Midi, Hiddensee, Spreewald) nicht nur schrieb, sondern auch mit meisterhaften Food- und Landschaftsaufnahmen illustrierte – Bruno Hausch (Küche der Toscana, Spanien und die bis heute unerreichten Bände „Culinary Chronicle“) – Chris Meier (Piemont, Sizilien, Barolo-Winzer) – Barbara Boudon (Namibia, Russland) – viele der Bücher, machten uns neugierig und animierten uns zu Reisen. Und dann natürlich Brasilien, Monikas zweite Heimat mit Büchern zur brasilianischen Küche und Lebensart einschließlich Musik. Apropos Lebensart: Das war der Titel einer neuen Buchreihe zur Kochkultur im Besonderen und Genuss im Allgemeinen, z. B. Espresso, Grappa, Schokolade, Zigarren u.a.
Walter Hädecke, mein Großvater, hatte Freude an schönen und gut ausgestatteten Bücher, z. B Klassikerausgaben in den Reihen „Diotima“ und „Farbe und Dichtung“. Daran wollten wir mit Genussbüchern anknüpfen (besonders phantasievoll gestaltet von Juscha Deumling) – und ich bin stolz, wenn uns das hin und wieder gelungen ist.
Und stolz bin ich auch auf die Gold- und Silbermedaillen der Gastronomischen Akademie Deutschlands, die diversen internationalen „Best of…“-Auszeichnungen und ganz besonders auf die Deutschen Verlagspreise, mit denen unser Verlag nun in der vierten Generation ausgezeichnet wurde.
Jo, und ich bin stolz darauf, Dein Freund sein zu dürfen.
Dein Christian
Kontakt: jo.graff@haedecke-verlag.de
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