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Umgeblättert heute: Ein „Glücksfall“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Auf Umwegen“: Neue sprachliche und gedankliche Schärfe: In der Originalversion seines Spartacus-Romans seziert Arthur Koestler in antikem Gewand das Scheitern der Revolution. „Die bereits in den bisher bekannten Textversionen durchscheinende gedankliche Schärfe Koestlers gewinnt hier daher nochmals an Präzision, das prächtige antike Panorama leuchtet in weit kräftigeren Farben. Der textliche Umweg des Spartacus-Romans legt derart eindrücklich Zeugnis darüber ab, wie wertvoll die Lektüre von Literatur in ihrer jeweiligen sprachlichen Urfassung ist und welche Verfremdung bei jedweder Übersetzung zwangsläufig eintreten muss. Dass das Original­manuskript des ‚Sklavenkriegs‘ nach so langer Zeit nun doch noch identifiziert und veröffentlicht werden konnte, kann somit nur als Glücksfall gesehen werden.
Arthur Koestler, Der Sklavenkrieg. Roman (Nachwort von Henry MacAdam; Elsinor Verlag)

„Das Private ist publizistisch“: „Neuen Realismus“ nannte Dieter Wellershoff seine Form fiktionalen Erzählens: Texte aus dem Nachlass des Schriftstellers zeigen das Abgründige daran. „Werner Jung hat seine Zusammenstellung streng chronologisch angeordnet. In den Entwicklungslinien des Lebens wird so der poetische Weg von Dieter Wellershoff deutlich. Der immer auch ein poetologischer war, denn dieser Schriftsteller hat nimmermüde über sein Schreiben Re­chenschaft abgelegt. Allerdings auf eine Weise, dass es oft nur für ihn selbst er­kennbar war. Jetzt aber können wir aus den vielen verstreuten Hinweisen, die er gab, ein Programm zusammenpuzzeln, das Wellershoff mehr literarische Größe gibt, als sie ihm ohnehin schon zugebilligt wurde. Weil nun auch das Kleine – das klein Gedachte und das Kleinkarierte – als Keimzelle eines großen Werks sichtbar wird.“
Werner Jung (Hrsg.), Verborgene Texte des Lebens. Dieter Wellershoff – ein Lesebuch (Aisthesis Verlag)

„Hikimori sind wir in der Pandemie doch alle“: Philipp Winklers Roman Creep hat ein großes Thema, aber nicht die rechten literarischen Mittel dazu. „Die Genreerwartungen an eine Dystopie kann Winklers Creep vielleicht einlösen, ein rundum gelungener Roman ist das Buch jedoch nicht. Dazu fallen die sprachlichen Brüche der Figuren, ihre klischeehaft-abgeschlossene Psyche und die leicht vorhersehbare Handlung zu sehr ins Gewicht.

„Die Menschheit lernt nicht“: Aber jeder Einzelne schon. Bestens dafür geeignet sind diese Bücher über die Pandemie. Ein Überblick. „Das Buch, langsamstes aller Medien, braucht seine Zeit, bis es auf eine aktuelle Lage reagiert. Jetzt, wo es in das dritte Jahr der Pandemie geht, zeigt sich auch auf dem Buchmarkt eine Art Long Covid: eine Fülle voluminöser Bände, die jenseits der sich krisenhaft überschlagenden Meldungen um Überblick, Perspektivierung und historische Einordnung bemüht sind.“
Karl Heinz Roth, Blinde Passagiere. Die Coronakrise und die Folgen (Kunstmann)
Mark Honigsbaum, Das Jahrhundert der Pandemien. Eine Geschichte der Ansteckung von der Spanischen Grippe bis Covid-19 (aus dem Englischen von Monika Nihaus und Susanne Warmuth; Piper)
Bernd Ingmar Gutberlet, Heimsuchung. Seuchen und Pandemien: Vom Schrecken zum Fortschritt (Europa Verlag)

 

„‚Ich will kein Heuchler sein'“: Der norwegische Journalist Kristoffer Hatteland Endresen isst gerne Schweine. Wohl fühlt er sich dabei nicht. Deshalb möchte er sich selbst ein Bild machen, besucht eine Schweinzucht – und macht dabei ambivalente Erfahrungen. Auszug aus:
Kristoffer Hatteland Endresen, Saugut – und ein wenig wie wir (Westend Verlag)

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