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Umgeblättert heute: „Ein sprachlicher Hochseilakrobat“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „In der Diktatur der Vergangenheit“: Georgi Gospodinov schreibt mit seinem Roman Zeitzuflucht ein erschreckend zeitgemäßes Buch über die Sucht nach Geschichtsklitterung. „Gospodinov ist ein sprachlicher Hochseilakrobat, dessen Kunst dank der frischen Übersetzung von Alexander Sitzmann sicher in der deutschen Sprache landet.“
    Georgi Gospodinov, Zeitzuflucht. Roman. Aus dem Bulgarischen von Alexander Sitzmann (Aufbau Verlag)
  • „Acht waren geladen, achtundzwanzig kamen“: Roswitha Quadflieg orientiert sich für ihren gelungenen Stasi-Roman Ihr wart doch meine Feinde an einem realen Fall. „Mit atemraubender Spannung und feinen Nuancierungen, die fernab von Klischees liegen, baut die Autorin das grausame Interieur einer durch Lügen, Verrat, Unterdrückung und Gewalt gezeichneten Gruppe von Menschen auf.“
    Roswitha Quadflieg, Ihr wart doch meine Feinde. Roman. (Faber & Faber)
  • „Ein Hund als Menschenflüsterer“: Sheishu Hases berührender Roman Tamons Geschichte aus dem Jahr der japanischen Dreifachkastatrophe. „Tamons Geschichte ist eine wunderbar leise Resilienz-Erzählung über Tierwohl, Menschenwürde und die Verbundenheit aller Lebewesen in verdunkelter Zeit.“
    Seishū Hase, Tamons Geschichte. Roman einer Reise nach Süden. A. d. Japanischen von Luise Steggewentz. (Hoffmann und Campe)
  • „Schön ist dieses Buch nur von außen“: Sex und Gewalt unter betörend poesiealbumhaftem Umschlag: Dennis Coopers Roman Die Schlampen setzt auf schwulen Hardcore. „Man muss auf einiges gefasst sein: einen begehrenswerten blonden Knaben mit Knackarsch, Gewalt- und Mordgelüste einer sadistischen Fangemeinde aus älteren Pädophilen, Drogenexzesse, Extremfolter, Snuff-Videos, zerstückelt kursierende Körperteile nebst Spermaströmen, Blut und kannibalischen Erregungen. Serviert wird diese Kost, wie bei Cooper üblich, mit metafiktionaler Sättigungsbeilage. Be­kömmlicher wird sie dadurch nicht.“
    Dennis Cooper, Die Schlampen. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch von Raimund Varga. (Luftschacht Verlag)

  • „Die Toten zu den Lebenden einladen“: Gelehrte Prosa, deren Schönheit in Genauigkeit besteht: Rudolf Borchardts Deutsche Denkreden. „Die darin gesammelten Stücke sind akademisch-wissenschaftlich, sie enthalten Ansprachen von Schülern über ihre Lehrer, von Wissenschaftlern zu ihren Vorläufern. Oft sind es Nekrologe, rühmende Nachrufe. Die meisten wurden tatsächlich vorgetragen, und wenn man sie liest, ersteht unwillkürlich das Bild eines menschlichen Zusammenhangs zwischen dem Sprecher, seinem verehrten Meister und den Zuhörenden, die in diese Überlieferungsreihe eintreten.“
    Rudolf Borchardt, Deutsche Denkreden. Grundvesten der Bildung deutscher Nation. Herausgegeben und kommentiert von Gerhard Schuster. (Rudolf Borchardt, Sämtliche Werke XVI,2. Anthologien 1.) Edition Tenschert bei Rowohlt
  • „Der Mann, der Amerika erfand“: Svetlana Alpers über den Fotografen Walker Evans. „Die Kunsthistorikerin Svetlana Alpers, deren „Walker Evans. America. Leben und Kunst“ nun in der Übersetzung von Wolfgang Kemp vorliegt, schafft neue Verbindungen, indem sie, die bisher nur über Malerei geschrieben hat, sich ausführlich der Beziehung von Walker Evans zu Gustave Flaubert und Charles Baudelaire widmet.“

    Svetlana Alpers, Walker Evans. America. Leben und Werk. Aus dem Englischen von Wolfgang Kemp (Schirmer/Mosel)

  • „Streit um PEN-Präsident Deniz Yücel“: 36 Mitglieder der Schriftstellervereinigung wollen seine Abwahl bewirken. Hat die Organisation nicht gerade Wichtigeres zu tun?
  • „Was lesen Sie gerade, Herr Maar?“:
    Michael Maar: „Zaghaft-neugierig: David Deutsch, Der Anfang der Unendlichkeit. Das Manuskript des bemerkenswerten Proust-Buchs Der Elefant im Raum von Andres Isenschmid. Das Lächeln des Emigranten von Haralampi Oroschakoff. Nachzüglerisch: Meine Reisen durch den Film von Harry Tomicek. Zu Unrecht zu wenig bekannt.“
  • „Von SZ-Autoren“:Kathrin Werners New-York-Roman
    Kathrin Werner, Niu. Roman. (Atlantik)

Frankfurter Rundschau

  • „Die, die ‚unseren‘ Jesus ablehnen“: Woran die Nazis unmittelbar anknüpfen konnten: Drei neue Studien belegen eindrucksvoll, wie Judenhass das christliche Abendland unablässig begleitet hat.
    Andreas Peham, Kritik des Antisemitismus. (Schmetterling)Tilman Tarach, Teuflische Allmacht. Über die verleugneten christlichen Wurzeln des modernen Antisemitismus (Edit. Telok)Ulrich Sieg, Vom Ressentiment zum Fanatismus. Zur Ideengeschichte des modernen Antisemitismus. (EVA)
  • „Geschichten, die sich uns entwinden“: Ferne Gestade, Abdulrazak Gurnahs schattierungsreicher Roman über viel mehr als ein Leben im Exil. „Ferne Gestade ist ein hochkomplexer, schattierungsreicher Roman über die Verheerungen des Kolonialismus, in dem die Dinge aber nur schlimmer werden, als die Briten abziehen, ‚ziemlich plötzlich, überstürzt und irgendwie bockig‘.“
    Abdulrazak Gurnah, Ferne Gestade. Roman. A. d. Engl. v. Thomas Brückner. (Penguin)
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