Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Weißendämmerung in Südostasien“: Die Dekolonialisierung erlebte Anthony Burgess selbst mit: Nun ist die deutsche Übersetzung seiner daraus resultierenden Malaya-Romantrilogie abgeschlossen. „In vieler Hinsicht werden in diesem Romanzyklus Welten aufgetan, die man ansatzweise aus Büchern von Somerset Maugham oder Joseph Conrad kennt: Weiße wähnen sich als etwas Besseres, während sie langsam vom Dschungel, von der asiatischen Inselkultur aufgefressen werden. Burgess hat diesen Prozess ausgekostet wie kein anderer, er kam seinen kolonialkritischen Tendenzen ebenso entgegen wie seinem illusionslosen Blick auf das Gemenge der Kulturen und Religionen.“
- Anthony Burgess, Der Feind in der Decke (aus dem Englischen von Ludwig Tolksdorf; Elsinor Verlag)
- Anthony Burgess, Betten im Orient (aus dem Englischen von Ludwig Tolksdorf; Elsinor Verlag)
„Unperfekte Menschen“: Mit ihrem neuen Roman Schlangen im Garten tritt Stefanie vor Schulte gegen emotionale Bevormundung an. „Leuchtet zu Beginn noch kurz die Hoffnung auf, Stefanie vor Schulte ziehe in ihrem neuen Roman Schlangen im Garten die ganze Ratgeberliteratur durch den Kakao und entlarve die Verlogenheit all der gut gemeinten, doch häufig nur besser gewussten Worte, folgt rasch die Ernüchterung. In knallharter Dichotomie sind bei ihr alle unperfekten Menschen die Guten, die gleichsam auf einer Insel der Trauer leben.“
- Stefanie vor Schulte, Schlangen im Garten (Diogenes Verlag)
„Der Polizei fehlt die Kontrolle von außen“: Eine Kampfansage an die Kollegen: Oliver von Dobrowolski ist Kriminalhauptkommissar in Berlin und übt scharfe Kritik an seinem Berufsstand. „So erschreckend Dobrowolskis Schilderungen sind – er sucht nach Lösungen. Und das wiederum überzeugt. In jedem Unternehmen sei es heutzutage üblich, sich zertifizieren zu lassen, sagt er. Nur die Polizei weigere sich standhaft, dass jemand in ihr Inneres blicke. Dabei sei ‚eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung (…) kein Nachteil, sondern ein elementarer Bestandteil moderner, progressiver und fehlersensibler Unternehmensführung. In der Tat ist die Führungs- und Fehlerkultur ein Thema, dem sich die Polizei derzeit in vielen Bundesländern stellen muss.“
- Oliver von Dobrowolski, Ich kämpfe für eine bessere Polizei (S. Fischer Verlag)
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„‚Warten Sie ab, bis Putin die Macht verliert'“: Der US-Politologe Francis Fukuyama prophezeite das Ende der Geschichte und wurde berühmt. 30 Jahre später hat er noch immer Freude an spektakulären Thesen. Ein Gespräch in Berlin über die Zukunft der Welt – was sonst?
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Francis Fukuyama, Der Liberalismus und seine Feinde (Hoffmann und Campe)
„Schmerzspur im Gewitzel“: Mit Scherzen und Fußnoten schreibt sich Jan Faktor aus der Trauer um seinen Sohn heraus. Und landet mit dem Roman Trottel auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises. „Der Roman setzt sich wie ein Mosaik aus Erinnerungssplittern zusammen. Jedes Thema lädt zu Abschweifungen ein, sie sind das ästhetische Prinzip und zugleich das Lebensmodell, das der Erzähler als Skurrilität kultiviert.“
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Jan Faktor, Trottel (Kiepenheuer und Witsch)
„Gehäutete Igel in Kurkumasoße“: Der slowenische Autor Aleš Šteger erzählt in Neverend Geschichten der Fassungslosigkeit zur Zeit zerfallender Demokratien und schleichender Kriegsangst. „Šteger gelingt es in diesen Geschichten, Verzweiflung und Fassungslosigkeit eine literarische Form zu geben. Die Konturen dessen, was wir Realität nennen, lösen sich auf und machen das Gefühl von Haltlosigkeit nachvollziehbar, an dem die Ich-Erzählerin leidet.“
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Aleš Šteger, Neverend (aus dem Slowenischen von Matthias Göritz und Alexandra Natalie Zaleznik; Wallstein)
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„‚Es ist ein Weckruf für die liberale Welt'“: US-Politikwissenschaftler Francis Fukuyama im Gespräch über die Bedeutung eines ukrainischen Erfolgs für den Kampf gegen autoritäre Staaten.
- Francis Fukuyama, Der Liberalismus und seine Feinde (a. d. Engl. v. Karlheinz Dürr; Hoffmann und Campe)
„Wie man Ertrinkende retten könnte“: Der sanfte Graus der Welt: Kristine Bilkaus Dorf- und Städtchenroman Nebenan. „Nebenan auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis zu heben, war eine aparte Entscheidung für feinen Realismus in einer romantischen – gefährlichen, engen und trotzdem unübersichtlichen – Welt.“
- Kristine Bilkau, Nebenan (Luchterhand)