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Umgeblättert heute: „Eine der lohnendsten Lektüren dieses Winters“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Mobilität geht auch richtig teuer“: Unschlagbarer Luxuskonsum mit Zeichencharakter: Grégory Salle widmet sich dem Phänomen und Markt der Superyachten. „Zur ‚demonstrativen Abgeschiedenheit‘, welche die Yachten ermöglichten, findet man bei ihm interessante Beobachtungen. Protzigkeit und Diskretion lassen sich bei ihnen mühelos vereinen, und jedenfalls bleibt man unter sich. Was nicht nur für die jeweils eingeschiffte kleine Gesellschaft gilt – jenseits der hundert Meter Länge immer umgeben von einer zahlenmäßig größeren Crew –, sondern auch für die Eigner und Mieter insgesamt.“

  • Grégory Salle, Superyachten. Luxus und Stille im Kapitalozän. (aus dem Französischen von Ulrike Bischoff; Suhrkamp Verlag)

„Lernen vom Netz des Lebens“: Abschied vom Prinzip der Effizienz: Jeremy Rifkins neuestes Buch zur Lage der Welt. „Tiefe versucht das Buch durch ideengeschichtliche Referenzen zu bekommen. Doch Ausführungen darüber, welche Vordenker aus früheren Jahrhunderten schuld an den heutigen Problemen seien, bleiben unschlüssig. Eine Fülle an Daten und Fakten soll Evidenz erzeugen und schlägt sich in einem stattlichen Quellenverzeichnis nieder, aber das Werk wirkt wie mit Copy und Paste collagiert.“

  • Jeremy Rifkin, Das Zeitalter der Resilienz. Leben neu denken auf einer wilden Erde. (aus dem Englischen von Jürgen Neubauer; Campus Verlag)

„Othello droht als Doppelgänger“: Suche nach Spiegelbildern: Andreas Höfele untersucht Carl Schmitts Verhältnis zur Literatur in einem „phantastisch akribischen Buch“.

  • Andreas Höfele, Carl Schmitt und die Literatur. (Duncker & Humblot Verlag)

„Der Elsbeerfreund“: Eine versinkende dörfliche Welt wurde in seinen Gedichten wieder lebendig, und die Veränderung der Landschaft brachte er auf wunderbare Weise zur Sprache: Zum Tod des Dichters Wulf Kirsten. „Kirsten war ein Genauigkeitsfanatiker, der die Dingfülle, die ihn umgab, gebändigt hat, indem er sie präzise benannte.“

„Die Schönheit trister Farben“: Er verlieh Roald Dahls Figuren ihre Gestalt und gab Michael Rosens Trauer um seinen Sohn ihre Farben: Der große Illustrator Quentin Blake wird 90. „Seine Figuren sind mit wenigen Strichen voller Ausdruck, seine Farben sind ebenfalls ein Mittel der Charakterisierung, und seine Flächen deuten Glück und Verstörung wirkungsvoll an, ohne sich in den Vordergrund zu mogeln.“

„Zwanzig Regalmeter“: Der 85-jährige US Schriftsteller Thomas Pynchon übergibt seinen Vorlass. „Da es von dem inzwischen 85-jährigen Autor kein Bild gibt, das ihn älter als mit 20 zeigt, darf sich die Pynchon-Gemeinde etwas mehr Aufschluss über den mystery man erhoffen. Der an der Ostküste geborene Pynchon lebte viele Jahre in Kalifornien, und vielleicht ist das der Grund, warum er die angeblich zwanzig Regalmeter Material nicht an die Library of Congress in Washington oder die Public Library in New York gegeben hat.“

„Ein ‚New Yorker‘ für Deutschland“: Hans Magnus Enzensberger und Gaston Salvatore gründeten „Transatlantik“, eine Zeitschrift, in der Intellekt und Hedonismus zusammenkamen. Kai Sina erzählt davon in einem Buch. „Der Literaturwissenschaftler Kai Sina hat jetzt ein Buch zur frühen Geschichte der Zeitschrift herausgebracht, das im Kern eine akademische Abhandlung ist und sich doch als lebendig geschriebener Essay zur geistigen Lage der Nation in den frühen Achtzigern liest.“

  • Kai Sina, Transatlantik. Hans Magnus Enzensberger, Gaston Salvatore und ihre Zeitschrift für das westliche Deutschland (Wallstein Verlag)

„Man hat’s schon schwer“: In ihrem Roman Iglhaut begleitet Katharina Adler eine verschrobene Schreinerin durch die Katastrophen des Alltags. „Wenig an diesem Buch ist zwingend oder existenziell dringlich, aber es ist wohlüberlegt und eine Art literarisches Ratschen im Hinterhof – geleitet von einer schlagfertigen, lakonischen Eigenbrötlerin, deren gelegentliches und teils vergebliches, teils unterdrücktes Bemühen um Zugehörigkeit in allen möglichen Dimensionen durchaus rührend ist.“

  • Katharina Adler, Iglhaut. Roman. (Rowohlt)

„Das Leben lebt weiter“: Die Bilder von Wolf Erlbruch geben der Fantasie den Vorrang, als würde sich dort das Eigentliche abspielen. Eine Würdigung zum Tod des Illustrators. „Frech und klein und vielleicht ja immer auch Kind bleiben, Fragen stellen und hinschauen – das bleiben die Ausgangspunkte für die Kunst von Wolf Erlbruch.“

„Kleine Wellen nagen am Pfirsich“: Die Kinderbuchklassiker von Roald Dahl sind neu übersetzt worden, unter anderem von Andreas Steinhöfel. So klingen Dahls kapriziöse Sprachspielereien jetzt. „Die völlig zeitlosen Geschichten selbst, mit ihren kindlichen Helden, grausigen Späßen und kapriziösen Verläufen, werden nun eine neue Generation junger Leser in ihren Bann ziehen. Was Erwachsene darüber denken, ist völlig egal.“

  • Roald Dahl, Matilda (mit Illustrationen von Quentin Blake, aus dem Englischen übersetzt von Andreas Steinhöfel; Penguin Junior)

 

„Der Professor, der Prophet sein wollte“: Der umtriebige Jacob Taubes hat endlich eine Biografie bekommen. „Der Autor hat mit vielen Unterbrechungen 20 Jahre an dem Buch gearbeitet. Es ist großartig geworden, eine der lohnendsten Lektüren dieses Winters. Es ist die Biografie eines obskuren Denkers, sein Flackern zwischen Genie und Wahnsinn, und es ist eine Geschichte wesentlicher Denker des 20. Jahrhunderts.“

  • Jerry Z. Muller, Professor der Apokalypse. Die vielen Leben des Jacob Taubes. (a. d.Engl. v. Ursula Kömen; Suhrkamp)

„Wer lebt prima, wer prekär?“: Christiane Rösingers ironisch-melancholischer Blick auf die Welt, im Textbuch versammelt. „Bald wird Christiane Rösinger 62 und bleibt mit ihrem ironisch-melancholischen Blick und der unverkennbaren Stimme eine einzigartige Chronistin des schönen, aber auch schwierigen Lebens zwischen Bohème und Unterschicht.“

  • Christiane Rösinger, Was jetzt kommt. Ausgewählte Songtexte. (Ventil Verlag)

„Feuer und Flamme“: Zum Tod der Dichterin Aldona Gustas. „1972 gehörte Aldona Gustas zu den Gründungsmitgliedern der Berliner Malerpoeten, als einzige Frau unter den Alphatieren Günter Grass, Wolfdietrich Schnurre, Günter Bruno Fuchs und Kurt Mühlenhaupt. Wer Fotos aus dieser Zeit betrachtet, glaubt umgehend, dass Gustas die Kraftquelle dieser Gruppe war, die mit Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen von sich reden machte und die Verbindung zwischen Lyrik und Graphik betonte.“

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