Seit Nikolaustag fragen wir wieder bis zum 6. Januar 2023 (Heilige Drei Könige) in der Buchbranche herum: „Wie war Ihr Jahr?“. Heute beantwortet Birgit Francan (Verlagsleiterin Carl Ueberreuter) unseren „anderen Fragebogen“:

Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Es gab einige großartige Tage, aber je länger ich darüber nachdenke: der 30. August. Das war der Termin unseres Verlagsfestes. Es war wunderbar, so viele Autorinnen und Autoren wiederzusehen, tolle Gespräche, guter Wein und viel Spaß in ganz entspannter Wiener Heurigen-Atmosphäre.
Worüber haben Sie sich 2022 am meisten geärgert?
Aktuell über die vielen negativen Stimmen aus unserer Branche. Natürlich ist die derzeitige Situation nicht einfach (Krieg, Preissteigerungen, ..), aber wir müssen einen kühlen Kopf bewahren und nicht überall nur Schlimmes sehen. Es gibt auch viel Positives zu berichten, gerade jetzt im Weihnachtsgeschäft. Ich wünsche mir viele Jubelmeldungen aus der Branche. Das macht auch bei den Käuferinnen und Käufern mehr Lust aufs Buch.
Was war 2022 Ihr schönster Erfolg?
2022 war das bisher beste Jahr für unseren Verlag. Wir hatten im Frühjahr einen Mega-Bestseller in Österreich und im Herbst fast durchgehend drei Titel in den österreichischen Bestsellerlisten. Das freut mich sehr und bestätigt den Weg, den wir eingeschlagen haben.
….Misserfolg?
Ich habe den Zuschlag für zwei Buchprojekte, die ich unbedingt für uns gewinnen wollte, nicht erhalten. Das lang u.a. an meinem finanziell zu vorsichtigem Verhalten, aber auch an der Übermacht eines großen Konzernverlags.
Von welchen Themen wollen Sie im kommenden Jahr nichts mehr lesen?
Von Preissteigerungen bei den Produktionskosten, aber auch von immer höher werdenden Konditionsforderungen von allen Seiten. Unsere Kalkulationen sind ausgereizt, wir haben keinen Spielraum mehr.
Über welche Themen wollen Sie mehr lesen?
Über das Thema Unterhaltung – ich denke, damit erreichen wir mehr Menschen, andere Menschen.
Unterhaltungsromane werden sehr oft abschätzig behandelt, fast als „Bücher zweiter Klasse“. Ich finde es ist wichtig, dass wir auch Angebote für diejenigen haben, die nicht so viel lesen, weniger Zugang zu Büchern haben. Auch das muss thematisiert werden – wie erreichen wir neue Kunden.
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Zuwenig Zeit für strategische Überlegungen eingeplant zu haben!
Das „daily business“ frisst zu viel Zeit, wirklich wichtige Dinge geraten oft ins Hintertreffen.
Welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Daily business ….
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Ein kleines Buch über „Vergessene Wörter“.
Welches wird Ihr wichtiges Buch im neuen Jahr?
Jedes unserer Bücher ist wichtig und bekommt unsere volle Aufmerksamkeit.
Von wem würden Sie gerne auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Von Armin Kolb, Vertriebsleiter von Ueberreuter Kinder- und Jugendbuch.
Welche Frage wurde nicht gestellt?
Was wünschen Sie sich im neuen Jahr?
Hier können Sie die beantworten:
Ich wünsche mir im deutschen Buchhandel mehr Aufgeschlossenheit für österreichische Verlage. Wir finden kaum Ansprechpartner und die Möglichkeit unsere Spitzentitel vorzustellen, werden schon beim Vorschauversand „ausgesiebt“. Umgekehrt ist das nicht so, in Österreich haben die deutschen Verlage großes Gewicht und sind auch in allen Bestsellerlisten vertreten. Unbekanntere österreichische Autorinnen und Autoren in Deutschland zu platzieren wird immer schwieriger.
Gestern fragten wir Annika Bach, morgen antwortet Christian von Zittwitz