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Umgeblättert heute: „Das Erzählen als Auflehnung gegen Gewalt und Tod“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Ein Ohr für Exilliteratur“: Sein Verlag ist die erste Adresse, wenn es um Exilliteratur geht: Heute feiert der Verleger Stefan Weidle seinen siebzigsten Geburtstag. „Nachdrucke und Ersteditionen: Zusammen mit seiner Frau Barbara hat Stefan Weidle so über die Jahre eine einzigartige Sammlung geschaffen, die das Bemühen um literarische Gerechtigkeit mit dem sicheren Gespür für das Vermögen eines Textes verbindet, uns über die Zeiten hinweg anzusprechen – ehrenwert Betuliches findet man hier nicht.“
„Seine märchenhafte Stadt“: Das Manuskript für Victory City war fertig, bevor ein Attentäter Salman Rushdie vergangenes Jahr schwer verletzte. Der Roman handelt von Gewalt, Sprache – und einem Königreich der Frauen. „Das Erzählen als Auflehnung gegen Gewalt und Tod – abermals erschafft Rushdie eine Welt, in der die Freiheit auch durch das Schreiben und Sprechen verteidigt wird.“
  • Salman Rushdie, Victory City (Jonathan Cape)

„Kaum jemand kann sich verabschieden“: Die Variationen des bitteren Elends sind vielfältig, das Ende ist stets monoton: Henryk Grynbergs dokumentarische Erzählung Kinder Zions zeugt von den Schrecken des Holocaust. „Beinahe anheimelnd und doch ein wenig unheimlich beginnt dieses Buch, weil es das Subjektivierende der Literatur und das Entsubjektivierende ihrer dokumentarischen Spielart auf eine so simple wie überzeugende Weise zusammenzwingt. Statt von einer bedeutsamen Figur und ihrem Schicksal zu erzählen, lässt der Pole Henryk Grynberg in seiner ‚dokumentarischen Erzählung‘ mit dem Titel ‚Kinder Zions‘ gleich viele von den ihren berichten. Die Schicksale gleichen sich im allermeisten und unterscheiden sich in wenigem. Bei diesem wenigen allerdings – und darin liegt das Unheimliche – handelt es sich um nicht weniger als um Leben oder Tod.“

  • Henryk Grynberg, Kinder Zions. Dokumentarische Erzählung.Bibliothek der polnischen Holocaustliteratur, Band 3. (aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann, Nachwort von Eva Czerwiakowski und Lothar Quinkenstein; Wallstein Verlag)

„Nur die bekennende Bolschewikin weiß noch Rat“: Christian Baron setzt mit Schön ist die Nacht seine Romantrilogie aus dem deutschen Arbeitermilieu fort. „Der Autor heischt nicht nach Mitleid beim Publikum, er verteidigt vehement eine Welt im Arbeitermilieu, die abseits der Metropolenliteratur literarisch und poetisch zu Gehör gebracht werden muss. Warten wir also voller Neugier auf den dritten Teil dieser Lauterer Trilogie, an der Baron – beflügelt vom ­großen bisherigen Erfolg – bereits schreibt.“

  • Christian Baron, Schön ist die Nacht. Roman. (Claassen Verlag)
heute nichts

„Die Nacht, in der wir uns trafen“: Leben mit Paradoxen und später auch einem Mann, der nicht verrückt war: Be My Baby, die Autobiografie der Sängerin Ronnie Spector. „Die Schilderungen des Ehelebens mit Spector sind wahre Alpträume aus Unterdrückung, Gewalt und Irrsinn, die darin gipfeln, dass Phil ihr zu Weihnachten ein adoptiertes Baby ’schenkt‘, weil Ronnie mehrere Fehlgeburten erlitten hatte. Nach Jahren der Gefangenschaft im goldenen Käfig befreit sich Ronnie mit Hilfe ihrer Mutter – warum sie den Namen Spector niemals ablegt, gehört zu den vielen Widersprüchlichkeiten ihrer Biografie.“

  • Ronnie Spector / Vince Waldron, Be My Baby. Mein Leben. (a. d. Engl. von Alan Tepper; Hannibal)
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