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Umgeblättert heute: „Die Qualität dieses Romans liegt in diesem Wechselspiel“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Was dieses Buch will“: Wer Benjamin von Stuckrad-Barres Roman Noch wach? als bloßen Schlüsselroman liest, entzieht ihm seine literarische Qualität. „Die Qualität dieses Romans liegt in diesem Wechselspiel. Wer ihn als bloßen Schlüsselroman liest, entzieht ihm seine literarische Qualität, sieht über seine Sprache hinweg, die die Realität nicht schöner hervorbringen könnte, über das Spiel mit den Versalien, die in ihrer klischeehaften Impertinenz womöglich noch ein ge­heimes Eigenleben im Roman führen.“

  • Benjamin von Stuckrad-Barre, Noch wach? (Kiepenheuer & Witsch)

„Wer als Erster schießt, muss sterben“: Benjamin von Stuckrad-Barre liest nicht nur. Er performt, er kämpft um die Gunst des Publikums. Und weiß doch, dass sein Kampf womöglich noch nicht zu Ende ist.

„Auf den Spuren des Denkmaljägers“: Ein Buch vielleicht, von dem zu zeigen war, dass es nicht geschrieben werden konnte? Stefan-Ludwig Hoffmann über Reinhart Kosellecks Historik. „Das Buch von Stefan-Ludwig Hoffmann beschreitet den schmalen Grat, der sich zwischen diesen Positionen auftut. Im Untertitel kündet es zwar von der „ungeschriebenen Historik“, erweckt durch seine monographische Darbietung aber zugleich den Eindruck, diese ließe sich im Nachhinein vielleicht doch rekonstruieren. Also das Buch zum Nicht-Buch?“

  • Stefan-Ludwig Hoffmann, Der Riss in der Zeit. Kosellecks ungeschriebene Historik (Suhrkamp Verlag)

„Wozu noch antworten?“: Zur Kritik übereignet, mit Schweigen benotet: Post von Koselleck und Blumenberg. „Das anzunehmende Interesse einer Handvoll Mitmenschen rechtfertigt und er­klärt jetzt auch die kritische Edition des Schriftverkehrs zwischen Koselleck und Blumenberg, die bei Suhrkamp er­schienen ist. Wir haben mit diesem Buch ein Musterbeispiel für das Interesse am rein Historischen im Sinne des bloß Tatsächlichen vor uns, dessen Eigenwert Blumenberg dem Planer eines neuartigen Instituts für theoriebedürftige Geschichtswissenschaft ins Stammbuch schrieb. Mit ei­nem Briefwechsel im Sinne der Alltagssprache hat der Stoff der Edition formal wie inhaltlich wenig zu tun.“

  • Hans Blumenberg, Reinhart Koselleck, Briefwechsel 1965–1994. (herausgegeben von Jan Eike Dunkhase und Rüdiger Zill, Suhrkamp Verlag)

„Auf ungewöhnlichen Wegen des Deutschen“: Sich an einen philosophischen Duktus schmiegen, um dessen Widersprüche zur Darstellung zu bringen: Georges-Arthur Goldschmidt prüft Heideggers Sprache. „Die Akribie, mit der Goldschmidt sich auf Heideggers Sprache einlässt, hebt seine Studie dennoch von den oft selbst weltanschaulichen Polemiken in der Nachfolge Adornos ab. Nebenher lässt sich durch sie auch besser verstehen, weshalb viele deutsche Übersetzungen an Heidegger geschulter Poststrukturalisten wie Jacques Derrida wenig überzeugend sind. Goldschmidts Studie ist so auch eine Handreichung für alle, die ihm im Urteil nicht folgen mögen.“

  • Georges-Arthur Goldschmidt, Heidegger und die deutsche Sprache. (aus dem Französischen von Monika Noll; ça ira-Verlag)

„Die Sinne wühlen, der Verstand sucht“: Die ‚Kriegsfibel‘ Alexander Kluges ist ein tiefgründiges, gedankenstarkes Buch. Doch ein Widerspruch trübt die Lektüre. „Das Buch ist in seiner Vielgestaltigkeit eine berechtigte Warnung vor gefährlichen Vereinfachungen im Umgang mit dem Krieg. Das alles liest man mit Gewinn. Und doch gibt es einen auffallenden Widerspruch, der die Freude an der Lektüre trübt. (…) Was nützt es, Verhandlungen zu fordern, als sei dieser Gedanke allein schon der Schlüssel zum Frieden, wenn dieser Schlüssel gar nicht passt, weil der Aggressor selbst Gespräche leider ablehnt? (…) Was also will uns Kluge hier wirklich sagen? Kann man das Buch vom Autor als öffentlicher Person trennen, wenn es doch um dasselbe geht, den Krieg gegen die Ukraine? Oder ist es dieselbe Botschaft, nur viel gescheiter verpackt? Weder noch, wahrscheinlich.“

  • Alexander Kluge, Kriegsfibel 2023. (Suhrkamp Verlag)

„Im Minenfeld der Worte“: Weshalb ist der Streit über das Gendern so heftig? Vielleicht weil die Sprache stärker verändert werden soll, als sich die gesellschaftlichen Verhältnisse wandeln.

„Bei Agatha Christie gelernt“: Peter Swansons flotter Wer-wird-es-wieder-tun-Krimi Neun Leben. „Neun Leben ist die Abwandlung eines Whodunnits, in dem es darum geht zu erraten, wer es tun wird – oder, oh nein, gerade wieder getan hat. Ein unterhaltsamer Krimi, ideal für eine Zugfahrt, ein Roman, durch den man sich nicht unter Niveau unterhalten fühlt.“

  • Peter Swanson, Neun Leben. Kriminalroman. (a. d. Engl. von Fred Kinzel; Oktopus bei Kampa)

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