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Mit Peter Hassiepen verlässt ein Stück Verlagskultur die Branche und Hanser

Art-Director Peter Hassiepen verlässt Hanser nach 36 Jahren. Felicitas Feilhauer erinnert sich für BuchMarkt:

Peter Hassiepen

Wenn man bei Google die Berufsbezeichnung ‚Art Director‘ eingibt, scrollt man durch eine seitenlange Auflistung von Qualifikationen, Fähigkeiten und Voraussetzungen für einen Beruf, den man in Verlagen nicht besonders häufig antrifft. Peter-Andreas Hassiepen – verlagsinternes Kürzel H7 -, seit 36 Jahren bei Hanser und viele Jahre davon Art Director, mag diese Bezeichnung ohnehin nicht, was aber nicht heißt, dass er nicht alle Voraussetzungen erfüllt und noch eine ganze Reihe mehr mitbringt. Vielleicht war seine Ausbildung nicht gradlinig, aber wer kann das im Buchhandel schon vorweisen. Bevor er 1987 zu Hanser kam, war er sechs Jahre lang Buchhändler in der schönen, verwinkelten Buchhandlung Dessauer in der Maximilianstraße. Dort hatte er natürlich jeden Tag mit Schutzumschlägen und Werbung zu tun (und musste ein Buch auch mal trotz des Umschlags verkaufen), und wenn eines seiner persönlichen Lieblingsbücher ein Cover hatte, das ihn störte, entwarf er für den privaten Gebrauch schon mal ein eigenes.

Aber zurück zum Art Director. Den Luxus eines Mitarbeiters, der sich um die Gestaltung von Schutzumschlägen und Verlagslogos (im Laufe der Jahre gab es einige), um das gesamte Erscheinungsbild von Autorenauftritten und Plakaten bis zu Vorschauen und Werbemitteln, von Kampagnenkonzeption bis zu Slogans kümmert, leisten sich nur noch die wenigsten Verlage. Peter Hassiepen ist einer von ihnen. Und wenn Ende des Monats sein Schreibtisch verwaist sein wird, weil er jetzt auch schon 66 ist, dann ist das aus vielen Gründen sehr zu bedauern.

Grafik und Fotografie hatten ihn schon immer interessiert, trotzdem war 1987 keineswegs klar, dass er schon wenige Jahre später das Erscheinungsbild des Verlages entscheidend mitprägen sollte. Den Kopf voller Bilder im Umfang von mehreren Nationalgalerien und Fotoarchiven, mit einem scharfen Blick für Details und einem untrüglichen Gespür für die wesentliche Aussage eines Buches, war er rasch unverzichtbar – und bald stilbildend für die Branche. Natürlich gibt es viele gute Agenturen, aber all die Informationen, die man aus der Mittagspause mit Kollegen oder dem raschen gemeinsamen Espresso in der Kaffeeküche mitnimmt, all die Gespräche mit seinen Herstellerkollegen Claus Seitz und später Stefanie Schelleis über Material, Ausstattung und Verarbeitung, damit der Umschlag eben nicht nur schützt, sondern das Buch zu einem Gesamtkunstwerk macht, das man auch der Haptik wegen gerne in die Hand nimmt, das ist nur möglich, wenn man in die Tagesarbeit eines Verlages eingebunden ist. Auch wenn die Kehrseite dieser verlagsinternen Kommunikation das Mitreden unfassbar vieler Personen ist, die im Vorbeigehen mal eben kommentieren, was auf dem Bildschirm zu sehen ist oder im Drucker liegt. Unfassbar war da auch Peter Hassiepens Geduld. Er muss sehr oft innerlich mit den Zähnen geknirscht haben, besonders, wenn nicht ästhetische, sondern Geschmacksargumente vorgetragen wurden, aber mehr als ein leichtes Verdrehen der Augen war nie zu sehen. Auf Vertretersitzungen, wenn dem einen der Fond zu gelb, die Schrift zu kursiv, die Unterlängen zu lang, das Motiv zu schräg war, war man des Öfteren geneigt, ein Bastelset auszuteilen und die Kollegen aufzufordern, den Umschlag doch mal selbst zu machen. Hassiepen setzte sich hin und präsentierte oft bis zum Abendessen einen neuen Entwurf.

Fragt man ihn nach Umschlägen auf die er stolz ist oder die in seinen Augen auch heute noch Bestand haben, winkt er ab.  Er habe eigentlich immer nur an die Zukunft und ans nächste Programm gedacht. Man darf vermuten, dass es vor allem die Bücher mit den kleineren Auflagen waren, von Verkaufserwartungen unbefrachtet, die ihm am meisten Spaß gemacht haben: Gedichtbände, die Edition Lyrikkabinett, die Edition Akzente. Die wurden auf verlagsinternen Runden und bei Vertretersitzungen durchgewunken, vielleicht mal ihre Schönheit und Besonderheit kommentiert. Abgearbeitet hat sich daran niemand. Unerwartete Auflagenhöhen erreichten die von ihm ausgestatteten Klassiker-Neuübersetzungen, deren modernes Erscheinungsbild mit Sicherheit zum Erfolg beitragen hat.

Man kann übrigens noch einen Beruf bei Google suchen und erstaunlicherweise finden, die „Feelgood-Managerin“, die in Stuckrad-Barres Noch wach? einen denkwürdigen Auftritt hat. Aber welches Unternehmen braucht schon eine Feelgood-Managerin oder einen Feelgood-Manager, wenn es so einen großartigen, kollegialen, gelassenen, humorvollen, zugewandten Art Director hat, den Kolleginnen und Kollegen, Autoren und Autorinnen, Lieferanten und einfach alle gleichermaßen schätzen und mögen.

Mit Peter Hassiepen verlässt ein Stück Verlagskultur die Branche und Hanser. Alle werden ihn vermissen.“

Wer mehr über Peter Hassiepen erfahren möchte, findet im Podcast HanserRauschen ein Interview von Florian Kessler mit ihm.

 

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Eine Antwort

  1. Lieber Peter Hassiepen,
    spontan habe ich Ihnen eine Abschiedsmail geschrieben – doch Ihre Verlagsmail reagiert schon nicht mehr …
    Die Buchwelt wird ärmer sein ohne »die typischen Hanser-Umschläge« und egal, wer Ihnen nachfolgen wird: ich werde Ihre persönliche Handschrift vermissen. Mir wird das sichere Gefühl fehlen, dass es ein guter Griff ist, wenn ich mich – wie so oft – für ein Hanser-Buch entscheide.
    Natürlich spielt der Inhalt die Hauptrolle, aber das Äußere wiegt schwer. Nicht selten stelle ich ein Buch wieder zurück ins Regal der Buchhandlung, wenn ich entdecke, dass einiges für mich nicht stimmt; der Umschlag gehört eindeutig dazu!
    Ich wünsche Ihnen einen guten – und nicht zu wehmütigen – Abschied.
    Renate Stefan

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