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Martin Walser

Martin Walser, der wohl prägendste deutschsprachige Schriftsteller der Nachkriegszeit, ist heute im Alter von 96 Jahren gestorben. Das meldet heute der SWR,

Schon als Zwölfjähriger soll er erste Gedichte geschrieben haben. Mit Ehen in Philippsburg veröffentlichte Walser 1957 seinen ersten Roman. Zahlreiche folgten. Zudem eine Vielzahl von Theaterstücken, Hörspielen sowie Reden und Vorlesungen. Über die Jahrzehnte lösten seine Texte Bewunderung, aber auch heftige Kritik aus.

Martin Walser (Foto: Karin Rocholl)

Der Rowohlt Verlag schreibt:
„Martin Walser wurde am 24. März 1927 in Wasserburg am Bodensee geboren. Noch in der Schulzeit wurde er als Flakhelfer eingezogen; das Kriegsende erlebte er als Soldat der Wehrmacht.  Er studierte in Regensburg und Tübingen Literaturwissenschaft, Geschichte und Philosophie und promovierte 1951 bei Friedrich Beißner über das Thema Beschreibung einer Form – Versuch über die empirische Dichtung Franz Kafkas. Noch während des Studiums begann er in Stuttgart als Reporter für den damals neu gegründeten Süddeutschen Rundfunk (SDR, heute SWR) zu arbeiten, er schrieb Hörspiele und führte Regie. Später wirkte er als Teil des sogenannten Genietrupps um Helmut Jedele beim Aufbau des Fernsehbereichs des Senders mit. An der Seite von Alfred Andersch, Ingeborg Bachmann, Hans Magnus Enzensberger, Arno Schmidt u. a. schrieb er in den Anfängen des Radio-Essays bundesrepublikanische Kulturgeschichte, bis er – inzwischen Mitglied der Gruppe 47 und, für seinen ersten Roman Ehen in Philippsburg, mit dem Hermann-Hesse-Preis bedacht – sich 1957 als freier Schriftsteller am Bodensee ansiedelte.

Martin Walser hat die deutsche Literatur von den fünfziger Jahren bis heute wie kaum ein anderer mitgestaltet. Er veröffentlichte 26 Romane und zahllose Novellen, Erzählungen, dramatische Werke, Essays, Gedichte, Hörspiele und Aphorismen. Im Juli 2022 übergab er dem Deutschen Literaturarchiv Marbach einen umfänglichen Vorlass. Zu seinen wichtigsten Büchern zählen Ein fliehendes Pferd (1978), Das Schwanenhaus (1982), Brandung (1985), Die Verteidigung der Kindheit (1991), Ein springender Brunnen (1998), Tod eines Kritikers (2002), Ein liebender Mann (2008), Das dreizehnte Kapitel (2012) und die Meßmer-Trilogie. Er erhielt viele Preise, etwa den Gerhart-Hauptmann-Preis, den Schiller-Gedächtnispreis, den Georg-Büchner-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und den Internationalen Friedrich-Nietzsche-Preis, außerdem wurde er mit dem Orden «Pour le Mérite» ausgezeichnet und zum «Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres» ernannt. Er war sowohl Träger des Großen Verdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland als auch des Großen Verdienstkreuzes mit Stern, und er gehörte der Akademie der Künste in Berlin, der Sächsischen Akademie der Künste, der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt sowie dem PEN-Zentrum Deutschland an.

Vom Beginn seines schriftstellerischen Schaffens an hat Martin Walser das gesellschaftliche und politische Geschehen auch als Redner und Essayist begleitet, er hat kritisch beobachtet, sich eingemischt und auch kontroverse Debatten ausgelöst, so etwa mit seiner Paulskirchenrede 1998. Bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Frau Käthe Walser in Nußdorf am Bodensee.

Mit Martin Walser verliert der Rowohlt Verlag einen seiner bedeutendsten Autoren, der als Schriftsteller und Homo politicus über Jahrzehnte die deutsche Kultur geprägt hat. Sein vielgestaltiges und sprachmächtiges Werk, sein Auftreten als öffentlicher Intellektueller werden lange über seinen Tod hinaus wirken. Wir werden Martin Walser schmerzlich vermissen und sind in Gedanken bei seiner Familie.“

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Eine Antwort

  1. Martin Walser als den „wohl prägendsten deutschsprachigen Schriftsteller der Nachkriegszeit“ zu bezeichnen, ist wohl im Blick auf den Superlativ etwas vermessen: Günter Grass (ebenfalls Jg. 1927), Heinrich Böll oder auch Siegfried Lenz prägten ebenfalls tief und nachhaltig. Und vielleicht hat es auch ein wenig damit zu tun, dass Grass 1999 den Nobelpreis für Literatur verliehen bekam, der Walser verwehrt blieb.
    Aber einige von Walsers Werken werden bleiben, wenngleich sie immer weniger gelesen werden: So das Trio „Ehen in Philippsburg“, „Ein fliehendes Pferd“ und „Ein springender Brunnen“.
    Aber Grass‘ „Blechtrommel“ bleibt unerreicht und ist wohl d e r deutsche Nachkriegsroman. Seine ‚Prägung‘ ist und bleibt unerreicht!
    Dieter Klug, Wolfratshausen

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