Thomas Kniffler war ein ganz Großer, in jeder Beziehung
Am vergangenen Samstag ist Thomas Kniffler, einer meiner auch im Wortsinne „größten“ Freunde aus der Branche, gestorben – im Kreise seiner Familie und an den Folgen einer schweren Erkrankung.
Seine Tochter Frauke schreibt dazu: „Meine Mutter Jutta und meine Schwester Nina Kniffler sind bis zum Schluss bei ihm gewesen. Ich war mit meinem Sohn immerhin bis Freitag nachts dort und wir alle konnten noch mit ihm sprechen. Thomas hatte seit Anfang des Jahres zunehmend Probleme mit der Atmung, Verschiedenes wurde diagnostiziert, letztendlich war es dann ein sehr aggressiver Lungenkrebs. Und eines wollte er nicht, leiden oder und jemandem zur Last fallen. Wir sind alle zutiefst traurig und auch noch verstört, weil das alles so schnell ging.“
Sie verrät aber auch: „Bis zuletzt war ihm unsere Brache unglaublich wichtig, sei es, weil er alle Branchen Newsletter abonniert hatte, sei es, weil ich mich beispielsweise sehr gut mit ihm über meine Arbeit bei Klett-Cotta austauschen konnte, zuletzt noch über die Londoner Buchmesse oder eine Messe in Turin. Er war bis zuletzt an allem aus der Branche höchst interessiert und mitfühlend … und das schon seit seit seit sehr jungen Jahren, als er seine Lehre bei Harrassowitz absolvierte bis zum Schluss seiner Arbeitsphase, in der er das Magazin Schöner Lesen redaktionell begleitet hatte..
Für uns hat sie noch einmal seine Vita zusammen gefasst:
„Geboren wurde er am 23. April 1946 in Wiesbaden.Dort war er bis 1964 an der Diltheyschule, dem altsprachlichen Gymnasium in Wiesbaden, im Anschluss folgte die Ausbildung zum Buchhändler bei Harrassowitz in Wiesbaden, von Mai 64 bis September 66.
In seinem Ausbildungszeugnis heißt es: Er hat sich als so geschickt erwiesen, dass wir ihm bereits als Lehrling im vorgerückten Stadium schwierige Sonderaufträge zur selbständigen Erledigung übergeben konnten, die sonst von erfahrenen Gehilfen erledigt wurden. Und es endet mit: Herr Kniffler ist der fähigste Lehrling gewesen, den wir je ausgebildet haben.
Danach wechselte er in die Auslandsabteilung des Grossohauses Wegner in Hamburg, wo er in der Auslandsabteilung von Juli 67 bis März 68 tätig war. Auch hier wieder höchste Wertschätzung in seinem Zeugnis und wieder das Weggehen auf eigenen Wunsch.
Es folgte eine weitere Station bei Harrassowitz, wo er unter anderem mit der Belieferung der Library of Congress in Washington zuständig war, was eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe gewesen sein muss. Zudem hat er in dieser Zeit den Redakteursposten der Harrassowitzschen Hausbibliografie GERMAN BOOK DIGEST übernommen und daraufhin die Werbeabteilung völlig neu gestaltet. Dies geschah zwischen April 68 und März 1971.
Hier zeichnete sich auch schon ab, was viel von ihm ausgemacht hat, wie ich finde: „Gute persönliche Beziehungen zu den deutschen Verlagsbuchhändlern, die er selbst herstellte, waren seiner Arbeit als Werbeleiter besonders dienlich.“ Weiter heißt es in dem Zeugnis: „Die Sachkataloge, die Herr Kniffler als Leiter unserer Werbeabteilung erstellt hat, erfreun sich großer Beliebtheit bei unserer Bibliothekskundschaft. Besonders der 5-bändige Katalog über die deutsche Geschichte von 1871 bis heute, wird als der beste Buchhandelskatalog bezeichnet, der auf diesem Gebiete nach dem Kriege erschienen ist.“ Und: „Wissen durchsetzt mit Humor gestalteten seine Arbeit nicht nur erfolgreich, sondern auch die Zusammenarbeit mit ihm angenehmt.“
Wieder ging er auf eigenen Wunsch, dieses Mal nach München, wo er von 1971 bis 1980 Geschäftsführer des alteingesessenen Münchner Verlags HEIMERAN und dort für Marketing und Vertrieb zuständig war.
Dann ist er zufällig über einer Projektidee mit Heinrich Hugendubel zusammengekommen für dessen Hugendubelverlag Thomas von 1980 bis 2000 als Geschäftsführer tätig war, wohl auch gefördert durch Ekkehard Lux, mit dem er sich sehr gut verstanden hat, soweit ich meine Mutter verstanden habe. Der Verlag expandierte und erweiterte stetig sein Programm vom Bavarica-Spezialisten zur zweitgrößten Verlagsgruppe für ganzheitliches Leben. Außerdem hat er dort seine beiden anderen Leidenschaften, neben dem Büchermachen und seiner Frau (und auch seinen Kindern), programmatisch umgesetzt: Spielen und Essen&Trinken.
Ein weiteres Highlight war dann die Übernahme des Diederichs Verlags, der von Köln nach München übersiedelte und zusammen mit dem Hugendubel Verlag ab da von Thomas geleitet wurde.
Sehr getroffen hat ihn das unschöne Ende der Zusammenarbeit durch Heiner Hugendubel; sehr glücklich wiederum war er einige Jahre zuvor noch über die vom Verlag mit ausgerichtete Feier seines 50. Geburtstages und das wunderbare Buch, das für den langen Thomas gestaltet und als Vorzugsausgabe für Freunde etc. gedruckt wurde.
Danach folgte eine Zeit der Suche nach anderen Betätigungsfeldern, aber stets innerhalb der Branche.Er hat dann eine geraume Zeit für die Buchwerbung der Neun mit Christian Rospleszcz gearbeitet und dort das Thalia Magazin betreut.
Und zum Schluss, vor dem endgültigen Antritt seiner Rentnerzeit, war er mit zuständig für das Magazin Schöner Lesen.“
Das heißt, er hat ab 2002 bis 2015 die Thalia Unit geleitet und das Magazin u.a. mit einemPool von sechs Journalisten 13 Jahre redaktionell verantwortet.
Danach hat er mit TreTorri, Wiesbaden , unter dem Label „Culinaris“mehrere Kochbücher ediert.
Christian von Zittwitz
Ein Kommentar
Ja, neben Thomas Kniffler kam man sich ganz klein vor. Als ich mit 25 Jahren bei der Buchwerbung der Neun angefangen habe (in dem alten Haus in der Nymphenburger Straße), da war die Bwd9 mit dem Hugendubel Verlag auf einem Stockwerk. Der Verlag war noch relativ klein, Thomas Kniffler groß. Und er hat immer eine positive Stimmung verbreitet. Schön, in seiner Nähe gearbeitet zu haben.
Der Familie mein tiefes Mitgefühl. Ute Mildt
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Ein Kommentar
Ja, neben Thomas Kniffler kam man sich ganz klein vor. Als ich mit 25 Jahren bei der Buchwerbung der Neun angefangen habe (in dem alten Haus in der Nymphenburger Straße), da war die Bwd9 mit dem Hugendubel Verlag auf einem Stockwerk. Der Verlag war noch relativ klein, Thomas Kniffler groß. Und er hat immer eine positive Stimmung verbreitet. Schön, in seiner Nähe gearbeitet zu haben.
Der Familie mein tiefes Mitgefühl. Ute Mildt