Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
„Eine Bildform wird rehabilitiert“: Popularität als Tugend: Alexander Roob lädt ein zur Besichtigung von Pressegrafiken aus einem Jahrhundert. „In Alexander Roobs opulenter Bildgeschichte der Pressegrafik, die von 1819 bis 1921 reicht, steht das Kapitel über van Goghs Pressebilderbibel in der Mitte und bildet zugleich das Herzstück des Bandes. Hier konzentriert sich vieles: die Berührungen zwischen bildender Kunst und Pressegrafik, die Beziehungen zwischen Literatur und Illustrationen, die besonderen Formen der grafischen Darstellungen und nicht zuletzt eine Bilderwelt, die zwischen nachgerade surrealistischen Gestaltungen und sozialkritisch realistischen Darstellungen die nahe und ferne Welt durchmisst.“
- Alexander Roob, The History of Press Graphics. 1819–1921. The Golden Age of Graphic Journalism. (Deutsch/Englisch/Französisch; Taschen Verlag)
„Nervenärztliche Sekte auf isolationistischem Sonderweg?“: Quellenreich, aber methodisch problematisch: Michael Schröter legt eine Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland bis zum Jahr 1945 vor. „Bereits der Titel deutet an, worauf sich seine Studie beschränken will: auf eine Art ‚Sonderweg‘ der Psychoanalyse, wie er in der Herausbildung und weiteren Entwicklung ihrer sozialen Organisationen zutage tritt.“
- Michael Schröter, Auf eigenem Weg. Geschichte der Psychoanalyse in Deutschland bis 1945 (Vandenhoeck & Ruprecht Verlag)
„‚Ich bin nicht der Polizist meiner Musik’“: Dialog kann der Kunst guttun: Der Philosoph Peter Trawny und der Komponist Wolfgang Rihm sprechen über Freiheit – in einer Sprache, die sich auch von Posen und Parolen frei macht. „Fasziniert von eigenen Erfahrungen beim Hören von Rihms Musik, suchte Trawny das direkte Gespräch mit dem Komponisten und gab die Schriftform dieses Dialogs als Buch heraus. In diesen Gesprächen bekräftigt Rihm, von einer schweren Krebserkrankung gezeichnet, nicht nur die Beteiligung des Körpers am Hören, sondern vor allem am Schreiben von Musik.“
- Wolfgang Rihm/Peter Trawny, Frei. Zwei Gespräche. (Vittorio Klostermann Verlag)
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„Rita Falk ist sauer“: Die Autorin der Eberhofer-Krimis beschwert sich über die Verfilmung ihrer Bücher. „Die Constantin Film habe noch Optionen auf zwei weitere, ältere Bücher ihrer Bestsellerreihe. Der zwölfte Eberhofer-Krimi Steckerlfisch-Fiasko, der im Oktober erscheine, ist aber laut Falk noch nicht verkauft: ‚Ich stehe weiteren Verfilmungen sehr skeptisch gegenüber.‘ An der Premiere von Rehragout-Rendezvous hat Falk schon nicht mehr teilgenommen.“
„O Sommer Mio“: In Kiosk, Chaos, Canal Grande verbringt ein Junge seine Ferien im Zeitungskiosk seiner Oma, mitten in Venedig: ein heiterer Kinderroman über Toleranz und Empathie. „Kiosk, Chaos, Canal Grande ist nicht unbedingt leichte Kost und spricht gleich eine ganze Bandbreite an Themen an. Es geht um Trennung und darum, dass auch Eltern nicht perfekt sind. Es geht um Selbstzweifel und unerfüllte Träume, um Einsamkeit und um Geld. Auch Krankheit und Tod werden thematisiert. Trotzdem schafft es Edgar Rai, seine Geschichte humorvoll durch die Dramen hindurchzunavigieren.“
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Edgar Rai, Kiosk, Chaos, Canal Grande (mit Illustrationen von Katharina Grossmann-Hensel; dtv)
„Regenwurm zum Mittag“: In Wildesland durchstreift ein Junge allein den Wald. Dem Buch gelingt „etwas, was im weitverbreiteten Genre des „Problembuchs“ in der Literatur für Kinder so oft danebengeht: Es ermuntert, macht Mut und demonstriert seinen Lesern, dass es dort draußen in der Welt andere Teil-Welten gibt: solche, in denen die Regeln ein bisschen anders sind und vielleicht besser zu einem passen.“
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Cornelia Franz, Wildesland (mit Illustrationen von Petra Baan; Gerstenberg)
„Mehr hören, mehr sehen, mehr fühlen“: Ein Mädchen erzählt in Elle McNicolls preisgekröntem Debütroman Wie unsichtbare Funken davon, wie es ist, mit Autismus zu leben. „Der Roman wurde in ihrer Heimat Großbritannien auf Anhieb zum Bestseller, mit dem renommierten Waterstone Children’s Book Prize ausgezeichnet und für eine Carnegie Medal nominiert. Im Frühling dieses Jahres war die Verfilmung als Serie bei der BBC zu sehen.“
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Elle McNicoll, Wie unsichtbare Funken (aus dem Englischen von Barbara König; Atrium Verlag)
„Eine Liebe in Moskau zur falschen Zeit“: Klara Blum und ihr vergessener Roman Der Hirte und die Weberin. „Der Name Klara Blum (1904–1971) taucht in den einschlägigen Lexika nicht auf. Die Schriftstellerin Julia Franck nennt sie im Nachwort zu Der Hirte und die Weberin die ‚große Unbekannte und Außenseiterin der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts‘. Das Buch ist auch der erste Band in der Anderen Bibliothek unter der neuen Herausgeberschaft von Franck und Rainer Wieland.“
- Klara Blum, Der Hirte und die Weberin (Die Andere Bibliothek)