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Umgeblättert heute: „Eine grelle Fundsache“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Leipzigs künftige Chefin“: Die Buchmesse Leipzig wird künftig von Astrid Böhmisch geleitet.“Böhmisch darf für sich in Anspruch nehmen, als Saniererin zu taugen, und dass die Leipziger Buchmesse nach Auslaufen der staatlichen Corona-Hilfen vor Finanzproblemen stehen wird, weiß man. Womöglich ist es angesichts dieser Aufgabe sogar gut, sich weder für Bücher noch für Menschen besonders zu interessieren, sondern vor allem für Zahlen.“

„Ausgesetzt auf den Gletschern des Herzens“: Gianna Molinaris Roman Hinter der Hecke die Welt will im Kleinen den globalen Zusammenhang des Untergangs zeigen. „Molinaris Prosa hat einen jungen Sound. Ihre typisierten Protagonisten leben in scheuer Unschuld nebeneinander oder werden wie Figuren einer Collage verschoben, wo sie immer neue Muster bilden. Das hat seinen poetischen Reiz. Diese Prosa ist nicht auf psychologische Tiefenschärfe angelegt. Sie will weniger. Und durchaus mehr. Sie will im Kleinen den globalen Zusammenhang des Untergangs zeigen.“

  • Gianna Molinari, Hinter der Hecke die Welt (Aufbau-Verlag)

„Das Ich der späten Jahre ist nicht auf Altersweisheit aus“: Nicht so leicht vorhersehbar: Albert von Schirnding bewegt sich gekonnt zwischen Tagebuchnotizen und Kurzessays. „Man lasse sich nicht täuschen! Der etwas allzu betuliche Titel und die sepiafarben-herbstlich gestimmte, einsame Gestalt auf dem Umschlag versprechen uns ein ganz anderes Buch, als wir es dann, immer neugieriger lesend, zwischen den zwei Deckeln finden. Zum Glück!“

  • Albert von Schirnding, Alter Mann, was nun? Gedankengänge auf späten Wegen. (C. H. Beck Verlag)

„Das Leben sagt Mäh“: In 60 Kilo Kinnhaken, dem zweiten Teil der Dorfsaga von Hallgrímur Helgason, denkt ein junger Mann nur an Frauen – während das moderne Island durch den Geburtskanal kriecht. „Aber wie finster wäre dieses Sitten­gemälde ohne den derben und oftmals zynischen Humor, für den Helgason steht – ein Autor, der übrigens schon in seinem Kultbuch ‚101 Reykjavík‘ (1996) über das Island der Gegenwart einen frauenbesessenen Protagonisten auftreten ließ. Alkohol, Sex und Gewalt überall.“

  • Hallgrímur Helgason, 60 Kilo Kinnhaken (aus dem Isländischen von Karl-Ludwig Wetzig; Tropen Verlag)

„Gitarre gegen Panzer“: Vor 50 Jahren zog Leonard Cohen an die Front des Jom-Kippur-Kriegs, um für demoralisierte israelische Soldaten zu singen. Er wurde dort ein anderer. „Der Journalist Matti Friedman konnte ein 45-seitiges von Cohen verfasstes Dokument in einer verstaubten Universitätsbibliothek nahe Toronto bergen. Angereichert um Augenzeugenberichte fertigte der in Jerusalem lebende Kanadier daraus das nun auf Deutsch erschienene Buch Wer durch Feuer (Original: Who by Fire, angelehnt an den gleichnamigen Song Cohens). Es ist ein (…) eindringlicher Bericht.“

  • Matti Friedman, Wer durch Feuer. Krieg am Jom Kippur und die Wiedergeburt Leonard Cohens. (aus dem Englischen von Malte Gerken; Hentrich & Hentrich)

„Wie das Gemetzel ins Denken und Fühlen einsickert“: Drastisch, fiebrig, derb und wütend: Louis-Ferdinand Célines Roman Krieg. „Eine grelle Fundsache – das ist der Roman Krieg von Louis-Ferdinand Céline (1894-1961). Erst vor zwei Jahren gelangte das Manuskript, das der Autor im Jahre 1944 bei seiner Flucht von Paris nach Dänemark zurückgelassen hatte, an die Öffentlichkeit. Guerre, so der Originaltitel, ist in Frankreich ein Bestseller. Mutmaßlich 1934 verfasst, also nach dem Erfolgsroman Reise ans Ende der Nacht von 1932, erzählt der Roman vom Soldaten Ferdinand, der den Ersten Weltkrieg als Apokalypse erlebt. Die autobiografischen Tangenten sind zahlreich.“

  • Louis-Ferdinand Céline, Krieg. Roman. (a. d. Franz. v. Hinrich Schmidt-Henkel; Rowohlt)
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