1. Florian Illies: Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeit, S. Fischer Verlag
2.Lorraine Daston: Regeln. Eine kurze Geschichte. Übersetzt von Michael Bischoff, Suhrkamp Verlag, 432 Seiten, € 34,00
3.Adam Soboczynski: Traumland. Der Westen, der Osten, und ich, Verlag Klett-Cotta
4.Frank Trentmann: Aufbruch des Gewissens. Eine Geschichte der Deutschen von 1942 bis heute. Übersetzt von Henning Dedekind u.a., S. Fischer Verlag
5.Eva Menasse: Alles und nichts sagen. Vom Zustand der Debatte in der Digitalmoderne, Verlag Kiepenheuer & Witsch
6.-7. Annie Proulx: Moorland. Plädoyer für eine gefährdeten Landschaft. Übersetzt von Thomas Gunkel, Luchterhand Verlag
Kohei Saito: Systemsturz. Der Sieg der Natur über den Kapitalismus. Übersetzt von Gregor Wakounig, Deutscher Taschenbuch Verlag
8.Steffen Mau, Thomas Lux, Linus Westheuser: Triggerpunkte. Konsens und Konflikt in der Gegenwartsgesellschaft, Suhrkamp Verlag
9. Gaia Vince: Das nomadische Jahrhundert. Wie die Klima-Migration unsere Welt verändern wird. Übersetzt von Helmut Dierlamm, Piper Verlag
10. Alexander Bartl: Der elektrische Traum. Fortschrittsjahre oder eine Gesellschaft unter Strom, Verlag HarperCollins
Besondere Empfehlung des Monats Dezember von: Prof. Dr. Hermann Parzinger (Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz): Nikolai Epplée, Die unbequeme Vergangenheit. Vom Umgang mit Staatsverbrechen in Russland und anderswo. Übersetzt von Anselm Bühling, Suhrkamp Verlag, 599 Seiten, € 30,00.
Fast zwei Jahre vor dem Beginn des verbrecherischen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine erschien die russische Erstausgabe dieses fesselnden Buches des russischen Publizisten Nikolai Epplée. 2023 erschien bei Suhrkamp die deutsche Übersetzung, und angesichts der unfassbaren Ereignisse ist dieses Buch von geradezu beklemmender Aktualität. Wir alle stellen uns doch die Frage nach dem Warum: Wie konnte es soweit kommen, wie konnte sich der Westen so sehr in den wahren Absichten von Putins Russland täuschen? Epplées Analyse der sowjetischen Vergangenheit gibt die entscheidenden Antworten und Erklärungen auf diese Fragen. Dabei beschreibt er die Unterdrückungsmethoden des Sowjetimperiums und vergleicht dessen Ende nach 1991 mit den Entwicklungen in Argentinien, Deutschland, Japan, Spanien und Südafrika. Er arbeitet überzeugend heraus, welche verheerenden Folgen eine fehlende Aufarbeitung der Vergangenheit haben kann, zumal dann, wenn, wie im Russland von heute, die einzige Institution, die den Zusammenbruch der Sowjetunion überlebte, just jene war, die für den exzessiven Terror gegen die eigene Bevölkerung verantwortlich war, nämlich der Geheimdienst, dem auch Kremlherrscher Putin entsprang. Epplée lässt keine Zweifel daran, dass die russische Gesellschaft nur eine Zukunft haben kann, wenn sie sich ihrer eigenen Vergangenheit stellt. Es ist ein anderes Russland, für das der Verfasser steht, ein Russland, das die Welt voranbrächte anstatt sie in Schutt und Asche zu legen. (Hermann Parzinger)