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Umgeblättert heute: Nachrufe auf Paul Auster

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

„Ein Leben der Literatur“: Zum Tod des amerikanischen Schriftstellers Paul Auster. „Die Großstadt, und da vor allem New York City – das war Austers Turf in seinen Romanen. Berühmt machte ihn (und das durchaus auch in seinem Heimatland und weit über Insider-Kreise hinaus) der Kurzroman City of Glass, nicht nur angesiedelt in Manhattan, sondern auch ein Stadtporträt, bei dem die Topographie zur Geheimbotschaft wurde. (…) Dass er 2022 noch den Tod seines Sohnes erleben musste, war indes ein Schicksalsschlag, von dem er sich dem Vernehmen nach nicht mehr erholt hat; danach machte er seine schwere Erkrankung öffentlich. Ihr ist Paul Auster am vorgestrigen Dienstag mit siebenundsiebzig Jahren erlegen.“

„Ein Mädchen namens Rolf“: Unordnung und frühes Leid: Kirstin Warnke wagt mit ihrem Romandebüt Sei nicht so den Sprung aus dem Entertainment in die ernsthafte Schriftstellerei. ist eine Wucht. „Das Muster so einer spekta­kulären Verpuppung eines komödian­tischen Talents zu einem ernsthaften Schriftsteller hat vor zwanzig Jahren jemand anderes geprägt. Kirstin Warnke hat nun einen großen Roman geschrieben, irgendwo zwischen Heinz Strunk und Wilhelm Meister.“

  • Kirstin Warnke, Sei nicht so. Roman. (Piper Verlag)
„Mannomann, Klaus Mann“: Ohne zu schreiben, konnte er nicht leben: Thomas Medicus bringt eine große Biographie zu dem immer noch umstrittenen Schriftsteller heraus. „Das Angenehme und Überzeugende an der neuen Biographie ist, dass sie außer­ordentlich detailreich – autobiographisches Material liegt ja zur Genüge vor –, vor allem aber frei von Pathos, willkür­lichen Vermutungen und Interpretationen ist. Dort, wo sich dunkle Stellen auftun, wo die Gefühlslage uneindeutig oder zweideutig ist, setzt der Biograph häufiger ein schlichtes Fragezeichen, um anzudeuten, wo die Weisheit seiner Erzählung endet.“
  • Thomas Medicus, Klaus Mann. Ein Leben. (Rowohlt Berlin Verlag)

„Jenseits der Stille“: In Stefan Mosters Schärenroman Bin das noch ich bricht die Welt eines Geigers zusammen. Während die Ukraine in Schutt und Asche gelegt wird. „Durch den Detailreichtum, der sich der Stille und Ereignislosigkeit der Insel verdankt, und die schlichte Kapitelnummerierung nach Aufenthaltstagen entwickelt sein Roman einen meditativen Sog, der manchmal an das große Romanprojekt Über die Berechnung des Rauminhalts der Dänin Solvej Balle erinnert.“

  • Stefan Moster, Bin das noch ich. Roman. (Mareverlag)

„Ein amerikanischer Europäer“: Zum Tod des Literaturwissenschaftlers Peter Demetz. „Demetz gehörte zu den Europäern, die nach 1945 an US-Universitäten Literatur lehrten. Diesen Typus, in dem ein Stück altes Europa lebendig blieb, verkörperte er bis ins hohe Alter. Zu seinem 100. Geburtstag erschien Was wir wiederlesen wollen (2022), eine Auswahl seiner Essays und Rezensionen, ein Vademecum der Literaturkritik. In der Nacht zum Dienstag ist Peter Demetz im Alter von 101 Jahren gestorben.“

„Der klügste Detektiv“: Das Private stets halböffentlich und Brooklyn als Zentrum der literarischen Welt: Nachruf auf den großen Schriftsteller und postmodernen Vexierspieler Paul Auster. „Wenige Schriftsteller gibt es, die man nach der Lektüre von zwei, drei Büchern so gut zu kennen meint, wie es bei Paul Auster der Fall ist. Das liegt auch daran, dass er so viele Gestalten als Spiegelungen seiner selbst auftreten lässt.“

„Wo Verlierer glücklich sind“: Der Schriftsteller Björn Kuhligk schimpft sehr unterhaltsam über die beste schlimmste Stadt: Berlin. Hat er recht? „Kuhligk ist zwar einer der hellsten und fröhlichsten Köpfe seiner Autorengeneration, aber eben auch selbst Berliner. Er schreibt sonst gestochen scharfe und doch lässige politische Lyrik. In tausend Jahren würde er sich nicht von der Literaturpreisindustrie oder den bundesrepublikanischen Fördertöpfen korrumpieren lassen.“

  • Björn Kuhligk, Berlin-Beschimpfung. (illustriert von Jakob Hinrichs; Favoriten Presse)

„Wie seine Geschichte zu Ende ging“: Zum Tod des Schriftstellers Paul Auster, der mit 77 Jahren seiner Krebserkrankung erlag. „Dass 4 – 3 – 2 – 1 ein Opus magnum ist, und Bloodbath Nation ein politisches Vermächtnis, heißt nicht, dass Paul Auster nicht weitere großartige Bücher hätte schreiben können. Wir werden es nie erfahren. Die Geschichte seines eigenen Lebens ist am 30. April in New York zu Ende gegangen. Seine Frau und seine Tochter waren bei ihm, wird berichtet.“

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