
Liebe Freunde,
erstens: Ich dachte ja, Romantasy sei der Kofferwortneologismus, der mir aktuell am meisten auf den Wecker geht.
Aber:

Zweitens: Ich weiß, dass Matjesbrötchen nicht dampfen sollen.

Ich habe das natürlich absichtlich geschrieben, damit ich heute darauf Bezug nehmen kann. Damit impliziere ich bei Ihnen das Gefühl einer kontinuierlichen Texterfahrung, um echtes Wachstum in meinem Schreiben zu umgehen.

Aber ich konnte endlich einen Lapsus letzter Messe wieder ausbuchten, als ich versehentlich die Ahle Worscht verpasste, die Buchhändlerin Sonja Lehmann aus Nordhessen extra mitgebracht hat.

Ahle Worscht heißt „alte Wurst“, und damit wird traditionell eine gereifte, harte Mettwurst aus Nordhessen bezeichnet.

(*wenn das stimmt, wäre das ein wunderbarer Cameo eines ehemaligen (BuchMarkt-Redakteurs!)
Am besten finde ich immer, wenn irgendwer etwas braucht / sucht, das ich zufällig im Koffer habe. Das Gesicht eines frischen Schnürsenkelbenötigers, wenn man einen Schnürsenkel hervorholt! Heute die Nordhessen-Version: „So, jetzt bräuchten wir nur noch ein Taschenmesser…“

…so ahl ist die Ahle Worscht.
Was ich sah und wen ich traf
Der Sales Award wurde und wird jährlich von BuchMarkt ausgerichtet, nur dass inzwischen Angelika Siebrands durch das Programm führt. Gewonnen haben mindestens die Buchhandlung Graff in Braunschweig und die Buchhandlung Wassermann in Hamburg.
Die einen haben sich als Pandemiegründung zu einem Hybrid aus Laden und Plattform entwickelt, und die anderen haben Thalia verdrängt.

BuchMarkt gratuliert den Gewinnern und dankt den Laudatoren!

Ihr Bounty, also meins, hat sie wieder irgendwo auf der Messe versteckt.
Bleiben wir im Bereich der roten Wände, das ist nämlich Börsenvereins-Territorium, oder, wie ich die Leute gerne nenne, „Team Frankfurt“, obwohl Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke darauf hinwies, dass der Börsenverein ursprünglich eine Leipziger Erfindung war.
MVB ist das Maßnahmenlabor des Börsenvereins, und ich lerne endlich die neue Geschäftsfühererin kennen:

Beim BöV / MVB hängen auch immer irgendwelche Opfer herum:

Ralph Möllers steckt hinter book2look, einem Marketingtool, das in meiner Buchhandlung auch noch fehlt: Buchauszüge zum Netzwerkteilen.
Apropos Teilen: Feierlich bekomme ich die neuen Werbemaßnahmen zum Absegnen vom MVB überreicht.



Kommen wir zum Thema Musik:
Breitkopf & Härtel ist der älteste Musikverlag der Welt!

Und nun die VIP-Schau:

Bei Coppenrath natürlich wieder ein Pflichtbesucht bei Dr. Lambert Scheer:

Der novum-Verlag präsentiert Katy Karrenbauer und ihr Buch.
Wie heißt es denn?

…jetzt will ich es vielleicht doch nicht lesen.
Ebenfalls erleichtert, dass sinnloser Spaßjournalismus fortbestehen darf:

Wenn er die Bühne betritt und den Schwamm gibt, dann schreien alle vor Begeisterung:

Schauen Sie nur mal wieder Ferris macht blau.
Leider kam ich nicht sehr nah an Herrn Hallervorden heran. Einmal nachher in der VIP Lounge, wo sich Journalisten aber diskret zu benehmen haben, und hier in der Gnade der Security, als der novum-Verlag die Signierstunde eröffnet und sich lange Schlangen bildeten.

VIP-Lounge
Erwarten Sie jetzt bloß nicht zu viel, das ist nur ein Essensbereich im Congress Center. Allerdings ein exklusiver. Besondere Versorgung (besonders lecker und besonders gratis), Platz und Ruhe, und echte VIPs.

Mein goldenes Ziel ist, dass ich da regulär hindarf, aber noch bin ich entweder nicht important oder nicht very genug, oder beides nicht, person allein reicht jedenfalls nicht, und Emporkömmling ist keine gültige Qualität.
Heute darf ich aber als Gast mit rein. Anton Neugierg ist entweder very oder important genug. An person allein kann’s ja nicht liegen. Hier mit Peggy Sassy, äh, Sasse und im Hintergrund Didi Hallervorden!



Wirklich, er war es!
He – wer kaspert denn da im Hintergrund herum, während Maren Ongsiek und ich unbescholten eine seriöse Pause absolvieren wollen?


Erstes Interview dieser Messe: Bettina Storks
Eine Kulturwissenschaftlerin und Redakteurin aus Stuttgart erobert die Bestsellerlisten, weil sie aus einem Segment, das von Austauschbarkeit lebt, herausragt mit Qualität, Komplexität und Bewandtheit, aber auch mit einem Anliegen. Die Leser, nun ja, meistenteils Leserinnen, merken das und reißen uns Die Kinder von Beauvallon und Die Schwestern von Krakau aus den Händen, dicke Familiengeschichten aus der Zeit des Widerstandes, die die Geheimnisse der Eltern aufarbeiten.
BuchMarkt sprach bei Heyne mit Bettina Storks.

BuchMarkt: Ihre Figuren müssen Puzzleteile zusammenfügen, Fragmente suchen und eine Geschichte zusammensetzen. Spiegelt sich ihre Arbeit als Schriftstellerin darin ein bisschen wider?
Bettina Storks: Ja, das stimmt. Das ist tatsächlich so. Es ist ein Zusammensetzen. Einerseits verlangt der Plot das Fortschreiben, aber auf der anderen Seite habe ich ab einer bestimmten Zeit nicht mehr alles selbst in der Hand.
Was haben Sie denn nicht mehr in der Hand?
Ein schönes Beispiel: in meinem Exposé steht „Tatjana begegnet dem gleichaltrigen Historiker Adam Nowak.“ Anmerkung des Lektorats: „Wäre da vielleicht eine Liebesgeschichte denkbar?“ Meine Standardantwort ist dann: Das entscheide nicht ich, das entscheiden die Figuren.
Sie verweben reale Geschichte, ihre eigene Biographie und Fiktion. Braucht man da nicht ein sehr präzises Koordinatengitter?
Aus meiner eigenen Biografie habe ich nur Settings benutzt, also Orte, die ich als Kind schon kannte. Das ist harmlos, da musste ich nur authentisch bleiben. Wenn mir reale Biographien vorliegen, dann ist das ein großes Glück. Die Lücken, die ich dann füllen muss, die muss ich der Schlüssigkeit der Figuren überlassen.
Wenn sie Spuren aufwickeln, machen Sie das vorwärts oder rückwärts?
Beides. Immer beides, und es begegnet sich dann.
Am Ende der Schwestern von Krakau weiß der Leser mehr als die Figuren. Warum?
Das war nicht geplant, aber es ist mir beim Schreiben bald aufgefallen, und dann habe ich damit gearbeitet. Ich habe ein Prinzip in meinen Geschichten: unsere Eltern und Großeltern schulden uns nicht die Wahrheit.
Wieso nicht?
Ich denke das. Wenn Sie uns die Wahrheit sagen wollen, dann ist das gut, aber sie sind sie uns nicht schuldig.
Eine Lüge oder sogar eine verschwiegene Wahrheit ist ja dann noch eine weitere Ebene in ihrem Koordinatengitter.
Ja, schon, aber unsere Eltern müssen uns ihre emotionale Welt nicht preisgeben.
Aber beim Schreiben muss doch diese Welt schon vorhanden sein, auch wenn sie verschwiegen wird?
Ja, komplett.
Ist Fiktion ein neuer Generationenumgang mit unserer Vergangenheit? Die Zeitzeugen sterben weg, und uns bleiben nur noch Geschichten gegen das Vergessen?
Eindeutig. Ich nenne das Erinnerungskultur.
Manche Menschen sagen, irgendwann müsse es doch auch mal gut sein. Was sagt es über jemanden aus, der genug hat von Erinnerungskultur?
Entweder so jemand hat zu viel davon gehört und hat das Thema satt. Obwohl ich ja glaube, dass die Schulen das zu wenig thematisieren. Ich glaube, die Leute wollen sich nicht mit Schuld beschäftigen. Es ist wichtig klarzumachen, dass es hier aber nicht um Schuld geht, sondern um Verantwortung.
Die Unterscheidung zwischen Schuld und Verantwortung würde bereits so manchen Ehestreit entschärfen…
Ja, das funktioniert auch im Kleinen.
Tarte aux Abricots – ist das eine erfundene Torte, oder gibt es die wirklich?
Die gibt es wirklich, und sie schmeckt hervorragend. Die schmeckt wunderbar. Trés français. Eine Art Aprikosenversion der Tarte Tartin.
Wie wählt man aus über 600 Seiten Schicksalsroman die richtigen Passagen für eine unterhaltsame Lesung aus?
Indem man einen Nervenzusammenbruch kriegt. Mein Mann musste mir am Computer erst einmal den Familienstammbaum all meiner Figuren anlegen. Ich habe immer das Gefühl, es ist zu wenig, aber ich kann ja keine sechs Stunden vorlesen.
Wie viel Einfluss haben Sie auf das Cover ihres Buches?
Ich darf mitreden. Das stand von vornherein fest, dass wir nichts Kitschiges machen. Keine Frau, die hoffend in den Horizont guckt.
Sind Geschichten über den Widerstand, von Krakau bis zur Pariser Resistance, ein nachträglicher Trost, dass man mit seiner Geschichte nicht alleine war?
Ich beginne jeden meiner Romane in der festen Absicht und Überzeugung, dass am Ende immer die Hoffnung steht, und ja, das ist ein Trost. Und wenn es mich tröstet, tröstet es auch den Leser.

Branchenabendessen
Nicht ein Branchenabendessen, sondern DAS Branchenabendessen. Oder wenigstens das Branchenabendessen. Also das von Bernhard Fetsch.
Der Vetriebsleiter vom Athesia Kalenderverlag versammelt nämlich einmal je Buchmesse ein gutes Dutzend Kolleg*innen aus der Branche, mal mehr, nie weniger, bunt gemixt zum Abendessen. Bunt gemixt heißt, von Vertrieb über Marketing und Verband bis Presse, von Verlag bis Agentur.
Und dann wird gegessen. Es gibt kein Programm und keine Agenda, aber auch keine Beschränkung – wer netzwerken will, darf netzwerken, aber wer Feierabend will, der kriegt ihn hier auch.
Der Ort wird immer erst kurz vorher bekannt gegeben, und nur unter denen, die zugesagt haben.

Von innen ist es ebenso muckelig. Die Vodkaria ist eine kleine Kultbar, die unter Promis geschätzt scheint, und heute Abend gehört sie der Buchbranche!

Meine Tischpartner sind Maren Ongsiek (BöV) und Mirjam Mustonen (KiWi) sowie Ralf Tornow von Klett-Cotta. Und wie könnte ein Abend schöner sein?

Bzw. wie man’s nimmt – Maren Ongsiek, meine Kamera und ich sind immer im Dienst. Tatsächlich sagte jemand ängstlich „Sie haben die auch abends dabei?“

Aber keine Angst. Die Speisenkarte dieser Bar ist ebenfalls ein Grund, hierher zu kommen. Ich dokumentiere:

Das hier stand gar nicht auf der Karte:

Ich selbst hatte Schweinchen Tonnato:

Auch an anderen Tagen kehrt hier Literatur ein:

Im wesentlichen bestand der Abend neben Essen in der Erkenntnis, dass man Frau Mustonen und mich erstens besser getrennt setzen sollte.

Ich hätte den Abend ja gerne mit einem Schnaps beschlossen, aber als Whiskytrinker muss ich leider sagen:

Mein Dank auch nochmals an die BuchMarkt Media AG: Ohne die supersmoothe Verkehrsanbindung dieses Hotels nehme ich Abendtermine eigentlich nicht wahr.
Und mein Dank für die beharrliche Einladung an den Initiator dieser halbjährlichen Runde, Bernhard Fetsch. Nicht ganz das Who’s Who, aber doch das Who’sThat? der Buchbranche: Da gehöre ich gerne dazu.
Zum Geleit
Und das war mein Donnerstag. Eigentlich der Eröffnungstag der Messe, aber weil ich – Anreise mitgerechnet – schon drei Tage anwesend bin, erfahre ich die messebedingte Zeitverzerrung in voller Wucht. Als wäre ich schon vier Wochen hier.
Sonja Lehmann, die mich morgens mit nordhessischer Worscht versorgt, will mich abends mit einer Tapaskarte aus dem Cafe Madrid neidisch machen. Sie ahnt nicht, dass ich noch glücklich bin vom Schweinchen Tonnato…

Apropos Schwachwerden: In der Comic-Halle geht mir ohnehin das Herz über vor lauter Deadpool, Peanuts und Calvin & Hobbes. Aber ein Cross Over, an dem ich garantiert nicht vorbeikomme, ist:

Und schauen Sie nur: als sich die Nachmittagssonne heute versöhnend durch die Lichtluken von Halle 2 neigt, genau dort, wo die Musikverlage sind, fällt eine ganz wunderbares Licht auf die Holzstreichinstrumente.
Bitte stellen Sie sich zur Melodie von Mike Oldfields Shadow on the Wall vor:

Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitag. Bestimmt wird es sehr voll.
Ihr und Euer
Matthias Mayer
Frühlingstraumspielkarte Nummer 2 von 5:

Eine Antwort
Immer wieder schön, die launigen Kommentare zur LBM und FBM zu verfolgen. Manchmal erkenne ich mich fast selbst darin wieder. Ich hatte lange befürchtet, dass uns der Messe-Mayer nach der Einstellung der Printausgabe versagt bleiben würde 😉