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Der Messe-Mayer Leipzig 2025, Tag 2 von 5: Cello in der Sonne

 

 

 

 

Liebe Freunde,

 

erstens: Ich dachte ja, Romantasy sei der Kofferwortneologismus, der mir aktuell am meisten auf den Wecker geht.

Aber:

Mit der Extraportion Fictiotainment!

 

 

Zweitens: Ich weiß, dass Matjesbrötchen nicht dampfen sollen.

 

Vielleicht ist das Brötchen selbst ja frisch aus dem Ofen?

 

Ich habe das natürlich absichtlich geschrieben, damit ich heute darauf Bezug nehmen kann. Damit impliziere ich bei Ihnen das Gefühl einer kontinuierlichen Texterfahrung, um echtes Wachstum in meinem Schreiben zu umgehen.

 

Und genau so funktioniert Fermentation.

 

Aber ich konnte endlich einen Lapsus letzter Messe wieder ausbuchten, als ich versehentlich die Ahle Worscht verpasste, die Buchhändlerin Sonja Lehmann aus Nordhessen extra mitgebracht hat.

 

Das passiert mir nicht noch einmal.

 

Ahle Worscht heißt „alte Wurst“, und damit wird traditionell eine gereifte, harte Mettwurst aus Nordhessen bezeichnet.

Foto: Carsten Tergast*

 

(*wenn das stimmt, wäre das ein wunderbarer Cameo eines ehemaligen (BuchMarkt-Redakteurs!)

Am besten finde ich immer, wenn irgendwer etwas braucht / sucht, das ich zufällig im Koffer habe. Das Gesicht eines frischen Schnürsenkelbenötigers, wenn man einen Schnürsenkel hervorholt! Heute die Nordhessen-Version: „So, jetzt bräuchten wir nur noch ein Taschenmesser…“

 

Ta-daaaa!

 

…so ahl ist die Ahle Worscht.

 

Was ich sah und wen ich traf

Der Sales Award wurde und wird jährlich von BuchMarkt ausgerichtet, nur dass inzwischen Angelika Siebrands durch das Programm führt. Gewonnen haben mindestens die Buchhandlung Graff in Braunschweig und die Buchhandlung Wassermann in Hamburg.

Die einen haben sich als Pandemiegründung zu einem Hybrid aus Laden und Plattform entwickelt, und die anderen haben Thalia verdrängt.

 

Nicht schlecht, aber fragen Sie mich jetzt bloß nicht, wer wer ist.

 

BuchMarkt gratuliert den Gewinnern und dankt den Laudatoren!

 

Und als BuchMarkt wieder gehen will, trifft BuchMarkt Reinhilde Ruprecht!

 

Ihr Bounty, also meins, hat sie wieder irgendwo auf der Messe versteckt.

 

Bleiben wir im Bereich der roten Wände, das ist nämlich Börsenvereins-Territorium, oder, wie ich die Leute gerne nenne, „Team Frankfurt“, obwohl Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke darauf hinwies, dass der Börsenverein ursprünglich eine Leipziger Erfindung war.

MVB ist das Maßnahmenlabor des Börsenvereins, und ich lerne endlich die neue Geschäftsfühererin kennen:

 

Meike Knops weiß noch nichts von meinem Öhrchenproblem.

 

Beim BöV / MVB hängen auch immer irgendwelche Opfer herum:

Also Opfer meiner Kamera, meine ich.

 

Ralph Möllers steckt hinter book2look, einem Marketingtool, das in meiner Buchhandlung auch noch fehlt: Buchauszüge zum Netzwerkteilen.

 

Apropos Teilen: Feierlich bekomme ich die neuen Werbemaßnahmen zum Absegnen vom MVB überreicht.

Unten rechts übrigens das Making Of!

 

 

Und das wären einerseits diese wunderschönen Postkarten mit norwegischen Vokabeln, die uns noch fehlen

 

Und andererseits diese coolen Pins, die man nur auf der Arbeit tragen würde!

 

Kommen wir zum Thema Musik:

Breitkopf & Härtel ist der älteste Musikverlag der Welt!

 

Sie hatten bestimmt etwas mit Cellos in der Sonne erwartet.

 

Und nun die VIP-Schau:

 

Daniel Holbe im Droemer-Rondell

 

Bei Coppenrath natürlich wieder ein Pflichtbesucht bei Dr. Lambert Scheer:

Messe-Mayer-Unterstützer und heimlicher Pokemon-Fan

 

Der novum-Verlag präsentiert Katy Karrenbauer und ihr Buch.

Wie heißt es denn?

Das Leben ist kein Fischfurz.

 

…jetzt will ich es vielleicht doch nicht lesen.

 

Ebenfalls erleichtert, dass sinnloser Spaßjournalismus fortbestehen darf:

Ursula Poznanski und ich – zwei Fans, eine Umarmung

 

Wenn er die Bühne betritt und den Schwamm gibt, dann schreien alle vor Begeisterung:

 

Synchronsprecherlegende Santiago Ziesmer!

 

Schauen Sie nur mal wieder Ferris macht blau.

 

Leider kam ich nicht sehr nah an Herrn Hallervorden heran. Einmal nachher in der VIP Lounge, wo sich Journalisten aber diskret zu benehmen haben, und hier in der Gnade der Security, als der novum-Verlag die Signierstunde eröffnet und sich lange Schlangen bildeten.

Da, die original Pommesflasche!

 

 

VIP-Lounge

Erwarten Sie jetzt bloß nicht zu viel, das ist nur ein Essensbereich im Congress Center. Allerdings ein exklusiver. Besondere Versorgung (besonders lecker und besonders gratis), Platz und Ruhe, und echte VIPs.

Also wie Penguin Random House, nur in leise!

 

Mein goldenes Ziel ist, dass ich da regulär hindarf, aber noch bin ich entweder nicht important oder nicht very genug, oder beides nicht, person allein reicht jedenfalls nicht, und Emporkömmling ist keine gültige Qualität.

Heute darf ich aber als Gast mit rein. Anton Neugierg ist entweder very oder important genug. An person allein kann’s ja nicht liegen. Hier mit Peggy Sassy, äh, Sasse und im Hintergrund Didi Hallervorden!

Also ziemlich, ziemlich weit im Hintergrund.

 

Da! Da! Sehen Sie ihn nicht?

 

Dann denken Sie sich halt ein „Palim, Palim“ dazu!

 

Wirklich, er war es!

 

He – wer kaspert denn da im Hintergrund herum, während Maren Ongsiek und ich unbescholten eine seriöse Pause absolvieren wollen?

Warten Sie – das ist doch –

 

 

Palim, Palim!

 

 

Erstes Interview dieser Messe: Bettina Storks

Eine Kulturwissenschaftlerin und Redakteurin aus Stuttgart erobert die Bestsellerlisten, weil sie aus einem Segment, das von Austauschbarkeit lebt, herausragt mit Qualität, Komplexität und Bewandtheit, aber auch mit einem Anliegen. Die Leser, nun ja, meistenteils Leserinnen, merken das und reißen uns Die Kinder von Beauvallon und Die Schwestern von Krakau aus den Händen, dicke Familiengeschichten aus der Zeit des Widerstandes, die die Geheimnisse der Eltern aufarbeiten.

BuchMarkt sprach bei Heyne mit Bettina Storks.

 

 

Cover von der Autorin abgesegnet

 

BuchMarkt: Ihre Figuren müssen Puzzleteile zusammenfügen, Fragmente suchen und eine Geschichte zusammensetzen. Spiegelt sich ihre Arbeit als Schriftstellerin darin ein bisschen wider?

Bettina Storks: Ja, das stimmt. Das ist tatsächlich so. Es ist ein Zusammensetzen. Einerseits verlangt der Plot das Fortschreiben, aber auf der anderen Seite habe ich ab einer bestimmten Zeit nicht mehr alles selbst in der Hand.

Was haben Sie denn nicht mehr in der Hand?

Ein schönes Beispiel: in meinem Exposé steht „Tatjana begegnet dem gleichaltrigen Historiker Adam Nowak.“ Anmerkung des Lektorats: „Wäre da vielleicht eine Liebesgeschichte denkbar?“ Meine Standardantwort ist dann: Das entscheide nicht ich, das entscheiden die Figuren.

Sie verweben reale Geschichte, ihre eigene Biographie und Fiktion. Braucht man da nicht ein sehr präzises Koordinatengitter?

Aus meiner eigenen Biografie habe ich nur Settings benutzt, also Orte, die ich als Kind schon kannte. Das ist harmlos, da musste ich nur authentisch bleiben. Wenn mir reale Biographien vorliegen, dann ist das ein großes Glück. Die Lücken, die ich dann füllen muss, die muss ich der Schlüssigkeit der Figuren überlassen.

Wenn sie Spuren aufwickeln, machen Sie das vorwärts oder rückwärts?

Beides. Immer beides, und es begegnet sich dann.

Am Ende der Schwestern von Krakau weiß der Leser mehr als die Figuren. Warum?

Das war nicht geplant, aber es ist mir beim Schreiben bald aufgefallen, und dann habe ich damit gearbeitet. Ich habe ein Prinzip in meinen Geschichten: unsere Eltern und Großeltern schulden uns nicht die Wahrheit.

Wieso nicht?

Ich denke das. Wenn Sie uns die Wahrheit sagen wollen, dann ist das gut, aber sie sind sie uns nicht schuldig.

Eine Lüge oder sogar eine verschwiegene Wahrheit ist ja dann noch eine weitere Ebene in ihrem Koordinatengitter.

Ja, schon, aber unsere Eltern müssen uns ihre emotionale Welt nicht preisgeben.

Aber beim Schreiben muss doch diese Welt schon vorhanden sein, auch wenn sie verschwiegen wird?

Ja, komplett.

Ist Fiktion ein neuer Generationenumgang mit unserer Vergangenheit? Die Zeitzeugen sterben weg, und uns bleiben nur noch Geschichten gegen das Vergessen?

Eindeutig. Ich nenne das Erinnerungskultur.

Manche Menschen sagen, irgendwann müsse es doch auch mal gut sein. Was sagt es über jemanden aus, der genug hat von Erinnerungskultur?

Entweder so jemand hat zu viel davon gehört und hat das Thema satt. Obwohl ich ja glaube, dass die Schulen das zu wenig thematisieren. Ich glaube, die Leute wollen sich nicht mit Schuld beschäftigen. Es ist wichtig klarzumachen, dass es hier aber nicht um Schuld geht, sondern um Verantwortung.

Die Unterscheidung zwischen Schuld und Verantwortung würde bereits so manchen Ehestreit entschärfen…

Ja, das funktioniert auch im Kleinen.

Tarte aux Abricots – ist das eine erfundene Torte, oder gibt es die wirklich?

Die gibt es wirklich, und sie schmeckt hervorragend. Die schmeckt wunderbar. Trés français. Eine Art Aprikosenversion der Tarte Tartin.

Wie wählt man aus über 600 Seiten Schicksalsroman die richtigen Passagen für eine unterhaltsame Lesung aus?

Indem man einen Nervenzusammenbruch kriegt. Mein Mann musste mir am Computer erst einmal den Familienstammbaum all meiner Figuren anlegen. Ich habe immer das Gefühl, es ist zu wenig, aber ich kann ja keine sechs Stunden vorlesen.

Wie viel Einfluss haben Sie auf das Cover ihres Buches?

Ich darf mitreden. Das stand von vornherein fest, dass wir nichts Kitschiges machen. Keine Frau, die hoffend in den Horizont guckt.

Sind Geschichten über den Widerstand, von Krakau bis zur Pariser Resistance, ein nachträglicher Trost, dass man mit seiner Geschichte nicht alleine war?

Ich beginne jeden meiner Romane in der festen Absicht und Überzeugung, dass am Ende immer die Hoffnung steht, und ja, das ist ein Trost. Und wenn es mich tröstet, tröstet es auch den Leser.

 

BuchMarkt dankt Bettina Storks!

 

 

Branchenabendessen

Nicht ein Branchenabendessen, sondern DAS Branchenabendessen. Oder wenigstens das Branchenabendessen. Also das von Bernhard Fetsch.

Der Vetriebsleiter vom Athesia Kalenderverlag versammelt nämlich einmal je Buchmesse ein gutes Dutzend Kolleg*innen aus der Branche, mal mehr, nie weniger, bunt gemixt zum Abendessen. Bunt gemixt heißt, von Vertrieb über Marketing und Verband bis Presse, von Verlag bis Agentur.

Und dann wird gegessen. Es gibt kein Programm und keine Agenda, aber auch keine Beschränkung – wer netzwerken will, darf netzwerken, aber wer Feierabend will, der kriegt ihn hier auch.

Der Ort wird immer erst kurz vorher bekannt gegeben, und nur unter denen, die zugesagt haben.

 

Also ein bisschen wie bei den drei Fragezeichen!

 

Von innen ist es ebenso muckelig. Die Vodkaria ist eine kleine Kultbar, die unter Promis geschätzt scheint, und heute Abend gehört sie der Buchbranche!

 

Allerdings sind wir wirklich zum Essen hier!

 

Meine Tischpartner sind Maren Ongsiek (BöV) und Mirjam Mustonen (KiWi) sowie Ralf Tornow von Klett-Cotta. Und wie könnte ein Abend schöner sein?

 

Hier ist definitiv mehr Feierabend als Netzwerk.

 

Bzw. wie man’s nimmt – Maren Ongsiek, meine Kamera und ich sind immer im Dienst. Tatsächlich sagte jemand ängstlich „Sie haben die auch abends dabei?“

 

Ja, aber ich habe trotzdem auch noch Agenten im Gelände.

 

Aber keine Angst. Die Speisenkarte dieser Bar ist ebenfalls ein Grund, hierher zu kommen. Ich dokumentiere:

 

Köttbullar in lecker

 

Das hier stand gar nicht auf der Karte:

Aber es heißt „Bringen Sie mir einfach einen Teller Kartoffeln“

 

Ich selbst hatte Schweinchen Tonnato:

…und würde es jederzeit wieder nehmen.

 

Auch an anderen Tagen kehrt hier Literatur ein:

 

Da bin ich leider schon auf dem Heimweg

 

Im wesentlichen bestand der Abend neben Essen in der Erkenntnis, dass man Frau Mustonen und mich erstens besser getrennt setzen sollte.

 

Und zweitens sind die vielen nackten Hintern im Hintergrund auch keine Hilfe.

 

Ich hätte den Abend ja gerne mit einem Schnaps beschlossen, aber als Whiskytrinker muss ich leider sagen:

 

Die haben nichts da in der Vodkaria.

 

Mein Dank auch nochmals an die BuchMarkt Media AG: Ohne die supersmoothe Verkehrsanbindung dieses Hotels nehme ich Abendtermine eigentlich nicht wahr.

Und mein Dank für die beharrliche Einladung an den Initiator dieser halbjährlichen Runde, Bernhard Fetsch. Nicht ganz das Who’s Who, aber doch das Who’sThat? der Buchbranche: Da gehöre ich gerne dazu.

 

Zum Geleit

Und das war mein Donnerstag. Eigentlich der Eröffnungstag der Messe, aber weil ich – Anreise mitgerechnet – schon drei Tage anwesend bin, erfahre ich die messebedingte Zeitverzerrung in voller Wucht. Als wäre ich schon vier Wochen hier.

Sonja Lehmann, die mich morgens mit nordhessischer Worscht versorgt, will mich abends mit einer Tapaskarte aus dem Cafe Madrid neidisch machen. Sie ahnt nicht, dass ich noch glücklich bin vom Schweinchen Tonnato…

 

…aber bei den Albondingas könnte ich schwach werden.

 

Apropos Schwachwerden: In der Comic-Halle geht mir ohnehin das Herz über vor lauter Deadpool, Peanuts und Calvin & Hobbes. Aber ein Cross Over, an dem ich garantiert nicht vorbeikomme, ist:

 

Batman und Scooby-Doo.

 

Und schauen Sie nur: als sich die Nachmittagssonne heute versöhnend durch die Lichtluken von Halle 2 neigt, genau dort, wo die Musikverlage sind, fällt eine ganz wunderbares Licht auf die Holzstreichinstrumente.

Bitte stellen Sie sich zur Melodie von Mike Oldfields Shadow on the Wall vor:

Cello in the Sun.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Freitag. Bestimmt wird es sehr voll.

Ihr und Euer

Matthias Mayer

 

 

Frühlingstraumspielkarte Nummer 2 von 5:

 

 

herrmayer@hotmail.com

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Eine Antwort

  1. Immer wieder schön, die launigen Kommentare zur LBM und FBM zu verfolgen. Manchmal erkenne ich mich fast selbst darin wieder. Ich hatte lange befürchtet, dass uns der Messe-Mayer nach der Einstellung der Printausgabe versagt bleiben würde 😉

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