Der Sheikh Zayed Book Award, der vom Abu Dhabi Arabic Language Centre unter der Schirmherrschaft des Department of Culture and Tourism – Abu Dhabi organisiert wird, hat die Gewinner:innen der 19. Ausgabe in acht Preiskategorien bekannt gegeben, darunter die Kategorie „Kulturelle Persönlichkeit des Jahres“.
Der Preis gilt nach eigenen Angaben als eine der weltweit bedeutendsten Auszeichnungen für arabische Literatur und Kultur und wird seit fast zwei Jahrzehnten an Schriftsteller:innen, Wissenschaftler:innen, Übersetzer:innen, kulturelle Pionier:innen und Institutionen verliehen. Die diesjährigen Preisträger:innen kommen aus sieben Ländern: Großbritannien, Italien, Japan, Frankreich, Irak, Marokko und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Das Werk der diesjährigen Literatur-Preisträgerin Hoda Barakat wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt, die Kulturelle Persönlichkeit des Jahres ist der japanische Autor Haruki Murakami, der vom wissenschaftlichen Ausschuss des Preises für seine weltoffene Perspektive geehrt und als “Weltbürger par excellence” ausgezeichnet wurde. Unter den Gewinner:innen ist außerdem der britische Akademiker Prof. Andrew Peacock, dessen preisgekrönte Arbeit den Einfluss arabischer Kultur auf Südostasien untersucht.
Die Kulturelle Persönlichkeit des Jahres Murakami sei ein gefeierter japanischer Autor, der zu den einflussreichsten und meistgelesenen zeitgenössischen Schriftstellern zählt, heißt es in der Begründung. Auch in der arabischen Welt, wo seine Romane in Übersetzung erhältlich sind, habe er eine bedeutende Anhängerschaft. Der wissenschaftliche Ausschuss des Preises würdigte Murakamis kosmopolitische literarische Sensibilität in bekannten Romanen wie Naokos Lächeln, Mister Aufziehvogel und Kafka am Strand, in denen er aus Quellen der Weltliteratur schöpfe, um seinen eigenen literarischen Stil und seine Themen zu entwickeln. „Murakami vereint in seiner literarischen Vision Einflüsse aus der ganzen Welt – von Rock und Jazz über modernistische Literatur bis hin zu Tausendundeine Nacht, und hat sich damit als einer der wahrhaft ‚globalen‘ Schriftsteller:innen der heutigen Zeit etabliert.“
Das prämierte Buch in der Kategorie Literatur, Hind, or the Most Beautiful Woman in the World von Hoda Barakat (Dar al Adab, 2024), sei das intime und zutiefst berührende Portrait einer Protagonistin, die an Akromelagie leidet, einer seltenen Erkrankung, die ihr äußeres Erscheinungsbild verändert und sich tiefgreifend auf ihre Selbstwahrnehmung auswirkt. „Mit scharfsinniger psychologischer Tiefe und poetischer Sensibilität beleuchtet der Roman Themen wie Entfremdung, Marginalisierung und das unerbittliche gesellschaftliche Streben nach Schönheit und Perfektion. Barakat hinterfragt in ihrem Roman die Schönheitsideale und gesellschaftlichen Anforderungen, die Frauen auferlegt werden, und bietet zugleich eine Betrachtung menschlicher Verletzlichkeit und Stärke.“
Die weiteren Ausgezeichneten
The Phantom of Sabiba von Latifa Labsir (Markaz Kitab, 2024), das Siegerbuch in der Kategorie Kinderliteratur, sei ein einfühlsamer Roman, der darauf abziele, das Verständnis für Autismus über alle Altersgruppen hinweg zu fördern, wobei der Schwerpunkt auf Kindern und junge Leser:innen liege. Der Roman handelt von Hiba, die die Erfahrungen ihres Bruders Raji, eines autistischen Jungen, in Erzählungen festhält und ihrer Schulklasse präsentiert. Sie lädt ihre Mitschüler:innen ein, sich in die Herausforderungen ihrer Familie hineinzuversetzen und die vielfältigen Erscheinungsformen von Autismus besser zu verstehen.
Das prämierte Werk in der Kategorie Arabische Kultur in anderen Sprachen, Arab Literature in Southeast Asia in the Seventeenth and Eighteenth Centuries von Prof. Andrew Peacock (Brill, 2024), ist eine Studie der Geschichte und Verbreitung von arabischer Sprache und Kultur in Südostasien, einschließlich Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Das Buch beleuchtet den tiefgreifenden Einfluss der arabischen Kultur auf die internationale Gemeinschaft, indem es die Verflechtungen zwischen arabischen literarischen, philosophischen und religiösen Traditionen und der südostasiatischen Region in dieser Epoche analysiert. Peacocks akademische Arbeit untersucht intellektuelle Wechselwirkungen zwischen dem Nahen Osten und Südostasien, insbesondere die Entwicklung des Islams in der Region, anhand bisher wenig bekannter Manuskripte.
In der Kategorie Übersetzung gewinnt das Buch Orosius (Pisa University Press, 2024), eine englische Übersetzung des Kitāb Hurūshiyūsh durch den italienischen Wissenschaftler Marco die Branco. Das Kitāb Hurūshiyūsh stellt die arabische Fassung von Paulus Orosius bedeutendem Werk Historiae adversus paganos (Sieben Geschichtsbücher gegen die Heiden) dar. Das prämierte Buch verbinde arabische und englische Texte und biete ein unentbehrliches Hilfsmittel für vergleichende Literatur- und Geschichtsstudien. Es zeige die Rolle arabischer Gelehrter des Mittelalters bei der Bewahrung und Übersetzung des nichtarabischen literarischen Erbes und beim Aufbau interkultureller Brücken auf und mache diesen bedeutenden historischen Text für moderne Leser zugänglich.
Der Gewinnertitel in der Kategorie Veröffentlichung von arabischen Handschriften ist News of Women von Rasheed Alkhayoun (King Faisal Centre for Research and Islamic Studies, 2024), die Studie eines Manuskripts, das Usama ibn Mungidh (1100-1188) zugeschrieben wird. Es handelt sich dabei um einen der wenigen überlieferten Texte im Bereich akhbār al-nisā (Berichte über Frauen). Alkhayouns Analyse ermögliche einzigartige Einblicke in das Leben, die Rollen und die Darstellung von Frauen in der mittelalterlichen islamischen Gesellschaft und wurde vom wissenschaftlichen Ausschuss des Preises für die sorgfältige Präsentation und Analyse des Quelltexts beachtet.
In der Kategorie Beitrag zur Entwicklung von Nationen gewinnt The Right to Strive: Perspectives on Muslim Women’s Rights von Prof. Dr. Mohamed Bashari (Nahdet Misr Publishing, 2024). Es handelt sich dabei um eine wissenschaftliche Untersuchung des Rechts der Frauen auf Arbeit aus der Perspektive der islamischen Rechtsprechung. Durch eine fundierte Studie des islamischen Rechts spricht sich Bashari für die Stärkung der Frauen als aktive und wesentliche Teilnehmerinnen der Gesellschaft aus.
Food and Language: Cultural Excavations in Arabic Heritage von Dr. Said Laouadi (Afrique Orient) gewinnt in der Kategorie Literatur- und Kunstkritik. Diese akademische Studie untersucht die Beziehung zwischen Nahrung, Sprache und Schrift in der arabischen Kulturgeschichte. Der Fokus liegt insbesondere auf Nahrung als reichem metaphorischem und sprachlichem Mittel, das literarische Ausdrücke und kulturelle Identität formt. Laouadis Ansatz verbindet Rhetorikstudien, Kulturwissenschaften und Literaturkritik und bietet eine wegweisende Perspektive darauf, wie sich alltägliche, besonders kulinarische Traditionen, mit arabischen rhetorischen Rahmenbedingungen verflechten.
Für die 19. Ausgabe wurden über 4.000 Titel aus 75 Ländern eingereicht. Fünf Länder waren in diesem Jahr zum ersten Mal vertreten – Albanien, Bolivien, Kolumbien, Trinidad und Tobago und Mali –, was den weltweiten Einfluss und das Prestige des Preises weiter unterstreiche. Die Gewinner:innen der 19. Ausgabe des Sheikh Zayed Book Awards werden bei einer Preisverleihung geehrt, die während der Abu Dhabi International Book Fair am 28. April stattfindet. Sie erhalten jeweils 750.000 VAE Dirham (ca. 188.589 €), während die Kulturelle Persönlichkeit des Jahres 1.000.000 VAE Dirham (ca. 251.452 €) erhält.
S.E. Dr. Ali bin Tamim, Generalsekretär des Sheikh Zayed Book Award und Vorsitzender des Abu Dhabi Arabic Language Centre, sagte:
„Der Sheikh Zayed Book Award prägt weiterhin die globale literarische und intellektuelle Landschaft, fördert den kulturellen Austausch und stärkt den Einfluss der arabischen Welt auf das internationale Denken. Die diesjährigen herausragenden Preisträger sind ein Beispiel für die strategische Bedeutung des Preises. Sie überspannen verschiedene Disziplinen und zeigen, wie Literatur und Wissenschaft Grenzen überschreiten und einen gemeinsamen globalen Dialog schaffen. Es ist uns eine besondere Ehre, den geschätzten Autor Haruki Murakami als Kulturelle Persönlichkeit des Jahres auszuzeichnen, dessen herausragende Beiträge die Kraft der Literatur verkörpern, Kulturen zu überbrücken und das interkulturelle Verständnis zu fördern. Murakamis Werk steht stellvertretend für das Engagement des Preises, Literatur als Mittel zur Überwindung kultureller Grenzen durch Sprache zu nutzen. Wir freuen uns darauf, diese außergewöhnlichen Stimmen bei der Preisverleihung im April zu feiern.“
Haruki Murakami, die Kulturelle Persönlichkeit des Jahres 2025, sagte:
„Den Sheikh Zayed Book Award aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zu erhalten, ist für mich sowohl eine große Überraschung als auch eine immense Ehre. Arabisch ist eine Sprache mit einer langen und reichen Erzähltradition, und es ist mir eine große Ehre, dass meine Bücher übersetzt wurden und in arabischen Ländern gelesen werden. Ich glaube, dass Geschichten eine universelle Sprache sind. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass durch das Teilen guter Geschichten Menschen miteinander verbunden werden können und dies zu einer Kraft wird – wenn auch nur einer kleinen –, die die Welt in Richtung Frieden bewegt.