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International Publishers Association zeichnet belarussische Verleger:innen mit Prix Voltaire aus

Die belarussischen Verleger:innen Nadia Kandrusevich (Koska) und Dmitri Strotsev (Hochroth Minsk) wurden bei der Preisverleihung des World Expression Forum in Lillehammer, Norwegen, gemeinsam mit dem Prix Voltaire der International Publishers Association (IPA) 2025 ausgezeichnet.

Die Verleger:innen, die in Polen bzw. Deutschland im Exil leben, wurden für ihr Engagement im Verlagswesen gewürdigt, in dem sie trotz Bedrohungen tätig sind.

Kristenn Einarsson, Vorsitzende des IPA-Ausschusses für Veröffentlichungsfreiheit, sagte sinngemäß: „Jedes Jahr haben wir starke Auswahllisten, und im Laufe der Jahre haben wir jede Region abgedeckt. Die Freiheit zu veröffentlichen wird überall in Frage gestellt. Wir haben dieses Jahr eine beunruhigende Anzahl von Nominierungen erhalten. Ihre Geschichten sind manchmal außerhalb ihrer Länder oder Regionen unbekannt, aber ihr Mut ist nicht weniger groß. Dass unsere Preisträger:innen aufgrund ihres Engagements für die Publikationsfreiheit weiterhin im Exil veröffentlichen müssen, verdient unseren Respekt und unsere Anerkennung.“

Nadja Kandrusevich (Foto: IPA)

Nadia Kandrusevich war nicht in der Lage, an der Zeremonie teilzunehmen, gab aber die folgende Erklärung ab: „Ich danke Ihnen für die große Ehre, den Prix Voltaire zu erhalten. Diese Anerkennung bestätigt nicht nur die Bedeutung der Veröffentlichung und Übersetzung von Kinderbüchern, sondern auch den Glauben an die stille Kraft der Worte, die den Verstand formen, die Herzen öffnen und Brücken über Sprachen, Kulturen und Generationen hinweg bauen können. Der Glaube, dass auch die kleinsten Leser Geschichten verdienen, die die Wahrheit sagen, die Fantasie anregen und einen Spiegel – oder ein Fenster – zur Welt bieten. Dieser Preis gehört all den Übersetzer:innen, Verleger:innen und Schriftsteller:innen, die trotz aller Umstände weiterarbeiten. Allen Kindern, die vor dem Schlafengehen Geschichten lesen oder hören, und allen Eltern, die an die Kraft eines guten Buches glauben.“

Dmitri Strotsev (Foto: Dirk Skiba)

Bei der Entgegennahme des IPA Prix Voltaire 2025 hielt Dmitri Strotsev seine Rede auf Weißrussisch. Er sagte, dass er im März 2022 mit einem kleinen Koffer in den Westen gegangen sei. „Ich floh vor politischer Verfolgung, aber ich bereitete mich auch auf eine neue Aufgabe vor: dreißig Jahre Verlagserfahrung zu nutzen, um einen freien belarussischen Verlag im Exil zu gründen. Heute sind etwa dreißig belarussische Verlage im Exil wieder aufgetaucht oder haben ihre Arbeit wieder aufgenommen, und wir sind alle eng miteinander verbunden. Wir haben eine Verlagsgemeinschaft.“

Die belarussische Regierung verlangt nach Angaben der IPA von Verlagen eine Lizenz für die Veröffentlichung, aber die Verlage werden oft daran gehindert, sich zu registrieren, oder ihre Lizenzen werden nicht erteilt. Im Jahr 2020 habe die belarussische Regierung ihre Zensurkampagne gegen Verlage verschärft, die die belarussische Identität, Sprache oder Geschichte förderten oder Texte in belarussischer Sprache veröffentlichten.

Der Prix Voltaire zeichnet Verleger:innen, Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen aus, die typischerweise kontroverse Werke unter Druck, Drohungen, Einschüchterungen oder Schikanen veröffentlicht haben, sei es durch Regierungen, andere Behörden oder private Interessen. Es kann sich aber auch um Verleger:innen handeln, die sich durch die Wahrung der Werte der Publikations- und Meinungsfreiheit ausgezeichnet haben.

Der mit 10.000 Schweizer Franken dotierte Preis durch Sponsoren ermöglicht, die allesamt Verlage und Organisationen sind, welche die Werte teilen, die der IPA Prix Voltaire anerkennt. Für 2025 konnten fünf neue Sponsoren gewonnen werden: die ägyptischen Verlage Dar El Shorouk und Al Dar Al Masriah Al Lubnaniah sowie die koreanischen Verlage Changbi Publishing, Nowon Mungo und Sahoipyoungnon Publishing, die sich zu den langjährigen Sponsoren Albert Bonniers Förloag (Schweden) und C.H. Beck (Deutschland) gesellen.

Nadia Kandrusevich, Mitpreisträgerin des IPA Prix Voltaire 2025, gründete 2018 in Weißrussland den Kinderbuchverlag Koska, um Literatur in weißrussischer Sprache anzubieten, die freies Denken und die Flucht vor Unterdrückung fördert. In einem Markt, der von russischsprachigen Verlagen und strengen Vorschriften dominiert wird, wurden nach den Präsidentschaftswahlen 2020 die Publikationen von Koska beschlagnahmt und die Büros von der Schließung bedroht. Seit 2022 setzt Kandrusevich ihre Arbeit im Exil fort und erreicht weiterhin belarussische Kinder in ihrer Heimat.

Der Preisträger Dmitri Strotsev ist ein preisgekrönter belarussischer Dichter, Verleger und Aktivist. Nachdem sein Verlag Vinograd seine Lizenz verloren hatte, arbeitete er als Untergrundverleger weiter und widersetzte sich der staatlichen Zensur. Im Oktober 2020 wurde er verhaftet und sah sich in der Folgezeit Drohungen und Einschränkungen seiner Arbeit ausgesetzt. Ins Exil gezwungen, siedelte er nach Berlin über und gründete Hochroth Minsk als Plattform für belarussische und im Exil lebende Schriftsteller:innen, um ihre Werke frei zu veröffentlichen.

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