
Der VerlagsService Mihr ist nach eigenen Angaben die größte Agentur für literarische Übersetzungen im deutschsprachigen Raum. Das Unternehmen vertritt fast fünfzig literarische Übersetzerinnen und Übersetzer, die aus den Sprachen Englisch, Französisch, Italienisch, Schwedisch, Holländisch oder Spanisch übersetzen. Ihre Spezialgebiete reichen vom allgemeinen und historisch-politischen Sachbuch, über Kinder- und Jugendbuch bis zum Krimi, Roman und Thriller.
In diesem Jahr feiert das Büro nicht nur 40-jähriges Jubiläum, sondern auch die Tatsache, dass der VerlagsService Mihr mittlerweile bereits in zweiter Generation geführt wird.
Vor vierzig Jahren legten Ulrich und Ute Mihr mit der Organisation der ersten Schnellschussübersetzung von Michail Gorbatschows Perestroika den Grundstein für die Übersetzeragentur VerlagsService Dr. Ulrich Mihr. Inzwischen stehen im Archiv der Agentur rund viereinhalbtausend Bücher: politisch-historische Titel von Bill Gates bis Bob Woodward, allgemeines Sachbuch von Scott Adams bis David Graeber, Kinder- und Jugendbuch von Michael Gerard Bauer über Erin Hunter bis J. K. Rowling und Belletristik bzw. Spannungsliteratur und Fantasy von Tom Clancy über Freida McFadden bis Tad Williams.
„Seit ein paar Jahren wird die Branche immer schneller, die Terminpläne immer enger. Schnellschüsse, die nur im Team rechtzeitig übersetzt werden können, sind bei uns an der Tagesordnung“, berichten die Geschäftsführerinnen Ute Mihr, Anja Hansen-Schmidt, Clara Mihr und zur aktuellen Diskussion: „Unserer Erfahrung nach ist KI dabei allenfalls ein besseres Lexikon, aber sicherlich keine ernstzunehmende Konkurrenz für literarische Übersetzer und Übersetzerinnen.“
In Form eines Sommerfestes fanden die ersten Feierlichkeiten zum 40. bereits statt, im September soll es aber mit einem weiteren Event weitergehen. Im Rahmen des Tübinger Bücherfestes erzählen die Vermittler:innen etwas zur Historie der Übersetzung unter dem Titel „Von der Diskette zu DeepL – 40 Jahre übersetzen“. Anhand ausgewählter Werke und Artefakte der jeweiligen Zeit (Diskette, Schreibmaschine, vom Verlag gestelltes Papier mit Normseitenumrandung) geht es um die technische Entwicklung, aber auch um die Veränderungen in Produktionsprozessen und im Käuferverhalten (Stichwort: gleichzeitiges Erscheinen der fremdsprachigen und deutschen Ausgaben) – die die Arbeit des Übersetzens verändert haben.
„Früher wurden die Texte noch mit der Schreibmaschine getippt und in Bibliotheken recherchiert, das hat sich mittlerweile durch PC und Internet deutlich verändert. Um Texte umfassend zu verstehen und in andere Sprachen zu übertragen, braucht es trotz aller technische Fortschritte Leute, die gut schreiben können und wissen, wie man Inhalte überprüft. Da wir mit unserem Modell auch zeitlich knappe Projekte im Team gut stemmen können fühlen wir uns für die Zukunft gut gerüstet, vor allem jetzt, wo die zweite Generation der Familie Mihr in die Geschäftsführung eingestiegen ist. Es wird sicherlich noch mehr runde Geburtstage zu feiern geben.“, so die drei Chefinnen.