Home > Kolumnen > Benzes besonderes Buch: Sternstunden der Menschheit

Benzes besonderes Buch: Sternstunden der Menschheit

Stefan Zweigs Bestseller, in vielen Übersetzungen und zigtausendfachen Exemplaren verbreiteter Klassiker, ist in mehrfacher Hinsicht eine Sternstunde:
Als Lektüre für Sie, als Geschenk für Freunde und Bekannte. Wer sich für Geschichte, Gesellschaftskunde, Kunst- und Kulturgeschichte interessiert, kann anhand der 14 historischen Miniaturen aus einer ergiebigen und höchst anregenden literarischen Galaxis ernten.
Wer Meisterwerke der Verknüpfung von Weltliteratur mit
Menschheitsgeschichte genießen will, wird Zeile für Zeile
bereichert werden.

Sternstunden?

Zweig definiert als „Sternstunden“ historische Augenblicke, die den Lauf der Geschichte (oder unsere Wahrnehmung „schicksalsträchtiger Wegmarken“) bündeln und eine geballte, lang anhaltende Wirkung setzen. In seinem Vorwort führt Zweig aus: „(…) Was ansonsten gemächlich nacheinander und nebeneinander abläuft, komprimiert sich in einem einzigen Augenblick, der alles bestimmt und alles entscheidet.“

Beispiele für Ereignisse, die Zweig zu essayistischen Miniaturen verdichtet hat:

  • „Die Eroberung von Byzanz“ (1453) schildert eine Sternstunde aus Sicht des Islam, die katastrophalen Folgen einer versehentlich nicht verschlossenen Mauerpforte.
  • „Die Weltminute von Waterloo“ (1815) beleuchtet die Rettung Europas vor dem Würgegriff Napoleons und die verheerenden Folgen irreversibler Führungsfehler.
  • „Das erste Wort über den Ozean“ (1858) bezeugt die zuweilen historische Bedeutung charismatischer Persönlichkeiten, die eine mehrfach krachend gestrandete Idee – die Kabelverbindung zwischen Amerika und Europa -unbeirrt zum Erfolg führen.
  • „Wilson versagt“ (1913) dokumentiert das Scheitern des amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, der glaubte, dass die Menschheit sehr wohl aus der Geschichte lernen könnte, wenn es endlich einen globalen Willen gäbe.
  • Wilson wollte nach dem Grauen des Ersten Weltkriegs ewigen Frieden und einträchtige Bewältigung nationaler und internationaler Konflikte, also humane Lösung aller Probleme der Menschheit festschreiben

„Sternstunden“, Lotse zu weiteren Lektüren

  • Zweigs Sternstunden regen zu vielfältigen Leseerlebnissen an. Meine erste Begegnung mit Zweigs Novellen motivierte mich vor Jahrzehnten zur Lektüre der Reisebeschreibungen u. a. von Kapitän Robert Falcon Scott, Fridtjof Nansen und John Franklin.
  • Die zweite Lesung vor etwa 20 Jahren führte geradewegs zu Mommsens „Römischer Geschichte“ und zu Golo Manns „Deutscher Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“.
  • Der dritten Lesung verdanke ich die Anregung, mich nochmals mit Jakob Burckhardts „Weltgeschichtlichen Betrachtungen“ zu beschäftigen.
  • Die Lektüre vor einigen Monaten verlockte mich zum Flanieren in Neil Mac Gregors einzigartiger„Geschichte der Welt in 100 Objekten“.

Zweigs Meisterwerk kann also zum Lebensbuch werden, das man nie aus dem Blick verliert.

Empfehlungstelegramm:

  • Die Lektüre unterhält, bildet beiläufig, fesselt und bereichert durch einen ebenso poetischen wie präzisen Text. Leser:innen schärfen ihre Wahrnehmung und justieren ihre Maßstäbe sowohl hinsichtlich des Begriffs „historisch“ als auch des oft als Ikone angebeteten „Fortschritts“.
  • Die „Sternstunden“ bieten Beispiele für den großen Nutzen vernetzter Forschung enger Kooperation von Unternehmen, Nationen oder der Menschheit.
  • Als mündige Bürger und Demokraten werden wir noch kundiger und können Technikfolgen besser einschätzen.
  • Wir lernen unbezahlbare Eigenschaften und Haltungen kennen, z.B. „energischen Wagemut“. Und wir begegnen lebensnah geschilderten Vorbildern, die uns in schwierigen Lebenslagen als Leitsterne dienen können.
  • Überdies hat diese auch höchst unterhaltsame Lektüre prophetische Qualitäten. Sie zeigt, dass brillant geschilderte Geschichte prophetische Qualitäten hat. Zweigs „Sternstunden“ zeichnen sich durch alle Merkmale
    eines Lebensbuches aus.

Viel Genuss und Gewinn wünsche ich Ihnen!

Anzeige

2 Antworten

  1. Es wäre dem Werk zu wünschen, dass der Wunsch des Rezipienten in Erfüllung geht, entsprechende Absatzzahlen zu generieren. Die Verbindung von Wissen, Erzählkunst in höchstem Ausmaß ist bei kaum einem anderen Buch in dieser Kurzweil gegeben. Benze sei Dank für das wieder in Erinnerung gerufene Kleinod.

    1. Sehr geehrter Herr Reisenauer,

      für Ihr schnelles und den Absatz hoffentlich beflügelndes
      Echo danke ich Ihnen!
      In der Tat es gibt Buchpretiosen, denen man immer wieder
      möglichst große Verbreitung (und Lektüre) wünscht.

      Beste Wünsche und Grüße
      Helmut Benze

Schreibe einen Kommentar zu Helmut Benze Antwort abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Anzeige