
Die Kompliz:innen haben sich innerhalb der Buchhandelsverbundgruppe eBuch als Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen zusammengeschlossen. In einer monatlichen Kolumne bei BuchMarkt berichten sie fortan von drängenden Themen, die sie beschäftigen. Den Auftakt macht Sylvia Pyrlik von der Buchhandlung Schatzinsel in Bernau mit einem Interview zur aktuellen Lage des Buchhandels.
BuchMarkt: Wo drückt der Schuh im Buchhandel aus Ihrer Sicht momentan am stärksten?
Sylvia Pyrlik: Ich glaube, unsere Branche krankt derzeit am meisten an den enorm gestiegenen Lebenshaltungskosten. So wie dem Buchhandel geht es vielen kleinen Handwerksbetrieben oder Einzelhändler:inen. Damit meine ich nicht in erster Linie, die Kosten, die uns als Händler:innen entstehen, sondern die ganz alltäglichen Kosten, die auf jeden einzelnen Menschen in unserem Land zukommen (Strom,Benzin,Fahrkarten, Preissteigerungen). Die Kaufkraft lässt nach und damit auch unsere Umsätze. Hinzu kommt oftmals Unsicherheit, Wut und Frustration. Von den versprochenen Erleichterungen der Regierung spüre ich nichts. Die Löhne sollen steigen, doch damit steigen auch die Kosten in kleinen und Kleinstunternehmen. Ich finde, dass der derzeitige Mittelstand, Deutschland auf seinem Rücken trägt.
Gerade habe ich übrigens gelesen, dass das Bürgerfest des Bundespräsidenten viele wunderbare Aktionen rund um das Buch enthält. Als Partner hat der Bundespräsident offensichtlich Thalia gewählt. Eine kleine, inhabergeführte Buchhandlung hätte sich bestimmt auch darüber gefreut, Partner des Bundespräsidenten zu sein. Und wenn es die kleine, inhabergeführte Buchhandlung nicht schafft, eine Genossenschaft, hätte es bestimmt geschafft. Ein gutes Beispiel dafür, was in unserer Gesellschaft zum Wohle kleiner Branchen geändert werden könnte, wofür sich Börsenverein, Landesverbände, eBuch einsetzen könnten.
Was sind die Gründe und wer könnte bzw. müsste mit welchen Maßnahmen gegensteuern?
Manchmal haben wir das Gefühl, die steigenden Kosten erdrücken uns: Porto, Maut, Lieferwege, Servicegebühren, ständig steigende technische Anforderungen, hohe Personalkosten,Miete und Energiekosten, steigende Steuern…., dennoch gibt es Möglichkeiten, Kosten zu verringern. Auch hier können wir Kräfte bündeln. Das fängt beim gemeinsamen Kauf von Kassenrollen und Verpackungen an, und hört bei den Leistungen und Lieferungen auf.
Ich persönlich sehe die größten Probleme im Buchhandel eigentlich im Schulbuchgeschäft. Die Schulbuch-Verlage, wissen wahrscheinlich gar nicht, wie viel Arbeit ihnen durch den örtlichen Buchhandel abgenommen wird, indem Schulen und Schüler:innen beliefert werden und das zu den geringsten Rabatten und riesigem Zeitaufwand, dem Binden von Arbeitskräften und Transportkosten, die es in keiner anderen Branche möglich machten, diese Aufgabe zu stemmen. Dies ist für mich eines der größten Probleme im Buchhandel derzeit. Hier wären dringend Reformen an den vorgeschriebenen Rabatten notwendig.
Welche Positivbeispiele fallen Ihnen ein?
Der Buchhandel ist eine der schönsten und abwechslungsreichsten Branchen unserer Zeit. Das sage ich ehrlichen Herzens und aus tiefster Überzeugung.Wir sind eine besondere Branche, die ihre Privilegien manchmal zu wenig schätzt, oder sich derer bewusst ist. Wir handeln mit einer subventionierten Ware. Wir können uns in schwierigen Preisdiskussionen auf die Preisbindung berufen. Nirgendwo sonst hat man so unkomplizierte Einkaufsmöglichkeiten wie im Buchhandel. Wir können uns ja sogar aussuchen, ob wir uns Zeit nehmen für Vertreter:innengespräche und Verlagsbestellungen oder ob wir den schnellen Lieferweg des Grossisten nutzen. Und wenn mal etwas nicht passt, können wir die falsch, eingekaufte Ware sogar zurückgeben. Schließen sich Buchhändler:innen zu einer Einkaufsgenossenschaft, wie z.B. der eBuch zusammen, kann ich sogar beide Vorteile nutzen.
Wer kann schon von sich behaupten, Lieferungen über Nacht zu bekommen und seinen Kund:innen innerhalb von 24 Stunden zu beliefern? Das alles gilt es noch besser zu nutzen!
Was wünschen Sie sich für sich und Ihre Buchhandelskolleg:innen?
Packen wir es an! Lassen das Jammern und Bemitleiden, und schauen optimistisch in die Zukunft. Der Austausch untereinander kann dazu beitragen, Vorgänge zu optimieren und zu erleichtern!
Die Fragen stellte Hanna Schönberg