
Die BücherFrauen trafen sich anlässlich ihres Jubiläums in diesem Jahr zu ihrer Jahrestagung wieder in Erfurt zum gemeinsamen Austausch und zur Mitgliederversammlung. Am Samstagabend, 15. November, fand die feierliche Verleihung des BücherFrauen-Literaturpreises „Christine“ statt. Die Vollversammlung wählte mit Yvonne de Andres (1. Vorsitzende), Juliane Seifert (Stellvertretende Vorsitzende) und Annett Geselle (Schriftführerin) einen neuen Vorstand. Carola Köhler wurde als FinanzFrau bestätigt. Verena Schmidt übernimmt ab sofort das Presseamt zusammen mit Turi Bankwitz.
Keynote und Podiumsdiskussion zum Jahresthema „Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“
Das Tagungsprogramm startete am Samstag mit der Keynote von Ines Geipel, Schriftstellerin, Publizistin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst, zum Thema „Neues Land? Populismus, Trauma, Rechtsextremismus, Nostalgie“.
Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes drängte darauf, „unsere deutschen Ängste hinter uns zu lassen, auf Freiheitspotentiale zu setzen, auf uns selbst zu setzen“ und damit engagierte Freiheit zu ermöglichen, indem wir uns „für das Unwahrscheinliche verfügbar halten“. Um unser „historisches Glück“ der Demokratie zu schützen, brauche es „eine Gegenerzählung. Keine, die märchenhaft auf Verkitschung, Naivität, Schwarz-Weiß, Plus-Minus, An-Aus setzt, sondern auf Goodwill, direkte Begegnung und Zugehörigkeit. Auf offene Orte, Bibliotheken, Buchhandlungen, Kneipen und Shisha-Bars.“

An die Keynote anschließend diskutierten Ines Geipel, die Schriftstellerin Esther Dischereit sowie Nour Al-Zoubi vom Flüchtlingsrat Thüringen e.V. über die reale Lebenswelt und welche Strategien gegen den aktuellen Rechtsruck wirken können. Britta Jürgs, Verlegerin des AvivA Verlags, moderierte die Podiumsdiskussion. Esther Dischereit, die als „eine der wichtigsten literarischen Stimmen unter den Nachkommen der Shoa-Überlebenden in Deutschland“ gilt und sich selbst als „solidarische Zeugin“ bezeichnete, betonte, dass es darum gehe „sehen [zu] wollen, was ist“ und dass sich aus dem Sehen eine Verantwortung ergebe. Sie beschrieb eindringlich die Wirkmechanismen der Vertreibung und wie es sich anfühlt, wenn die Familie auf der ganzen Welt verstreut lebt. Man wisse auch häufig gar nicht, wer überhaupt überlebt habe und wo man anfangen solle zu suchen, erklärte sie. Ähnlich ergeht es der engagierten Sozialarbeiterin Nour Al-Zoubi, die im Jahr 2015 aus Syrien nach Deutschland floh und im Alltag permanent rechtfertigen muss, warum ein Bürgerkrieg Menschen in die Flucht treibt. Alle im Podium stimmten überein, dass es wichtig sei, die Stimmen der direkt Betroffenen hörbar zu machen, mit Menschen direkt zu sprechen und durch Medien ihre Perspektive zu veröffentlichen, denn nur im Dialog entstehe Verständnis.
Am Nachmittag folgten vier Workshops, die verschiedene Aspekte des Tagungsthemas aufgriffen: Von #psychologischen Ursachen des Fremdenhasses und #Neue Narrative, welche Bücher brauchen wir heute über #das Wort ergreifen beim Poetry Slam sowie #Power mit der eigenen Stimme wurden zahlreiche Facetten des Jahresthemas beleuchtet.
Mit dem Impulsworkshop zu #Körperarbeit für die Innere Mitte von Iris Seyband endete das Tagungsprogramm am Samstagnachmittag.
Feierlicher Abschluss mit der Verleihung des BücherFrauen-Literaturpreises Christine

Am Abend des Jahrestreffens wurde der Literaturpreis „Christine“ zum dritten Mal verliehen. Zum ersten Mal ging dieser an eine Übersetzung. Ausgezeichnet wurde Friederike Hofert für ihre Übersetzung des Romans „Was Hortensia nicht mehr erzählen konnte“ der spanischen Autorin Dulce Chacón, 2024, erschienen im Verlag w_orten & meer. Helena Cosano, Kultur- und Wirtschaftsrätin der Spanischen Botschaft in Deutschland, übermittelte der Preisträgerin ihre tiefe Anerkennung des Werkes in Form eines Grußwortes. Der Preis wird an Autorinnen verliehen, „die mit ihrem Schreiben zur Gleichstellung der Geschlechter und zur Stärkung von Frauen und Mädchen beitragen“.
Die mit 10 000 Euro dotierte Auszeichnung ist mit der Statuette „Christine“ verbunden, benannt nach der Schriftstellerin und Philosophin Christine de Pizan (1363 – 1429). Der Jury gehörten in diesem Jahr die Literaturvermittlerin Magda Birkmann, die Buchhändlerin und Supervisorin Christiane Goebel und die Verlegerin Kristine Listau an. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Erste Preisträgerin war 2021 Mely Kiyak mit Frausein. 2023 wurde Slata Roschal für 153 Formen des Nichtseins geehrt.
Neuer Vorstand gewählt

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Vollversammlung und war von den Wahlen eines neuen Vorstands geprägt. Die Kulturmanagerin Yvonne de Andrés wurde als 1. Vorsitzende des Branchennetzwerks gewählt. Neu im Vorstand sind die Literatur- und Fachübersetzerin Juliane Seifert als zweite Vorsitzende und Annett Geselle als Schriftführerin. Carola Köhler wurde als Schatzmeisterin bestätigt. Alle Kandidatinnen wurden mit überwältigender Mehrheit und ohne Gegenstimme gewählt. Neu gewählt wurde auch Verena Schmidt, die ab sofort gemeinsam mit Turì Bankwitz Ansprechperson für die Pressearbeit des Verbandes ist.
Die BücherFrauen
Das Branchen-Netzwerk BücherFrauen e. V. wurde 1990 nach dem Vorbild der englischen „Women in Publishing“ (WiP) in München gegründet. Mittlerweile bündelt der Verein die Interessen von gut 800 Verlagsfrauen, Buchhändlerinnen, Übersetzerinnen und Frauen aus anderen Arbeitsbereichen rund ums Buch. Zielsetzung des BücherFrauen e. V. ist es, Kontakte herzustellen, Informationen und Erfahrungen auszutauschen, Jobs und Aufträge zu vermitteln, aber auch frauenspezifische Interessen in der Buchbranche zu vertreten. Bundesweit sind die BücherFrauen in Regionalgruppen organisiert, die eigenständig thematische Schwerpunkte setzen sowie Veranstaltungen wie beispielsweise Fachvorträge, literarische Ausflüge oder Stammtische organisieren. Darüber hinaus bringen Mentoring-Projekte weibliche Nachwuchskräfte mit Führungsfrauen zusammen. Mehr Informationen zum Verein sowie den deutschlandweiten und regionalen Angeboten und Veranstaltungen unter www.buecherfrauen.de.