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Anne Wöhner: „Vielfältige Teams sind nachweislich erfolgreicher“

Die Penguin Random House Verlagsgruppe hat 2024 die Abteilung Diversity, Equity, Inclusion and Belonging (DEIB) Management geschaffen und dafür zuletzt einen Preis gewonnen. Wir haben bei Diversity-Managerin Anne Wöhner nachgefragt, was ein diverses Personalmanagement auszeichnet und worauf auch andere Buchbranchenunternehmen achten können.

BuchMarkt: Belegschaften in Verlagen waren mit Sicherheit schon immer divers, erst seit kurzer Zeit gibt es aber, wie bei Penguin Random House, eigene Stabsstellen für das Thema. Warum ist es wichtig, das Thema in dieser Form im Unternehmen zu verankern?

Wöhner Anne (Foto: Frank Hanewacker)

Anne Wöhner: Diversität und Inklusion sind kein Nice-to-Have, sondern zentrale Unternehmenswerte und darüber hinaus auch wirtschaftlich relevant. Denn vielfältige Teams sind nachweislich erfolgreicher. Durch ein Diversity Management wird das Thema in Entscheidungsprozessen verankert, es erhält klare Verantwortlichkeiten und messbare Ziele. Diese Strukturen sorgen dafür, dass Diversität nicht vom Engagement einzelner Personen abhängt, sondern nachhaltig in allen Bereichen unserer Verlagsgruppe wirkt – von der Personalpolitik über die Programmgestaltung bis hin zur Ansprache von Zielgruppen. Sie schaffen Bewusstsein, fördern Chancengleichheit und stärken die Innovationskraft, weil unterschiedliche Perspektiven systematisch eingebunden werden.

Was hat sich durch die Einführung der Abteilung im Unternehmen 2024 verändert?

Seit der Einführung des Diversity Managements hat sich die Förderung von Diversität bei uns von einer eher losen, projektbezogenen Initiative zu einem klar strukturierten und strategisch gesteuerten Prozess entwickelt. Es gibt nun feste Ansprechpersonen, definierte Ziele, ein DEIB (Diversity, Equity, Inclusion and Belonging)-Council und regelmäßige Berichte über Fortschritte.

Die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Bereichen (People & Culture, Unternehmenskommunikation, Betriebsrat) und Ämtern wie der Gleichstellungsbeauftragten, Schwerbehindertenvertretung, Inklusionsbeauftragten sowie unserem Frauen*-Netzwerk und be.queer, dem Netzwerk für LGBTIQ-Mitarbeiter*innen und Allies, hat sich intensiviert, weil Diversität nun als Querschnittsthema verstanden wird.

Zudem wurden interne Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen ausgebaut, was zu einem stärkeren Bewusstsein und mehr Offenheit gegenüber DEIB-Themen geführt hat. Auch nach außen zeigt sich die Veränderung: Wir bekennen uns klar zur gesellschaftlichen Verantwortung unserer Verlagsgruppe und kommunizieren auch entsprechend. Damit sprechen wir neue Zielgruppen an und stärken so unsere Marke.

Nicht jeder kann sich Diversitätsmanagement leisten. Mit welchen ggf. schon kleinen Maßnahmen könnten kleinere Verlage und Buchhandlungen das Thema bei sich vorantreiben?

Aus meiner Erfahrung ist die Sensibilisierung für Diversität der wichtigste erste Schritt – und oft schon mit wenig Aufwand möglich. Kurze, inspirierende Vorträge oder Workshops können bei Mitarbeitenden und Führungskräften neue Perspektiven eröffnen und den Blick dafür schärfen, wo im eigenen Unternehmen Vielfalt gefördert und Barrieren abgebaut werden können.
Auch kleinere Verlage und Buchhandlungen können ohne großes Budget viel erreichen: Vielfalt im Sortiment bewusst sichtbar machen, inklusive Sprache in Kommunikation und Marketing nutzen, mit lokalen Initiativen kooperieren oder Lesungen mit Autor:innen aus unterschiedlichen Hintergründen anbieten. Regelmäßige interne Austauschformate und kleine Verbesserungen bei der Barrierefreiheit – sowohl im Geschäft als auch online – sorgen dafür, dass sich Kund:innen und Mitarbeitende willkommen fühlen. So entsteht Schritt für Schritt ein offenes und vielfältiges Umfeld, das langfristig allen zugutekommt.

Die Fragen stellte Hanna Schönberg

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