
Vor gut zweieinhalb Jahren erfüllte sich die heute 26-jährige Gründerin Sarah Lübbers ihren Kindheitstraum: eine eigene Buchhandlung. Nach einem Studium der Buchwissenschaft in Mainz und ersten Konzeptskizzen wurde aus der Idee ein handfestes Projekt – und schließlich ein stationäres Geschäft in bester Ortslage. Von Anfang an stand für sie fest, dass ihre Buchhandlung Magic Books „für alle offen sein“ sollte. Barrierefreiheit wurde nicht als Zusatz verstanden, sondern als tragende Säule des Ladenkonzepts.
Sarah Lübbers setzte frühzeitig zahlreiche Maßnahmen um, um Menschen mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen den Zugang zu erleichtern. So ließ sie ausschließlich halbhohe Regale aufstellen, damit auch Kinder und Rollstuhlfahrer selbstständig stöbern konnten. Die Kassentheke wurde tiefergelegt und unterfahrbar gestaltet.

Auch sensorische Barrieren nahm sie in den Blick: Ein größeres Vorlesegerät unterstützte Menschen mit Sehbeeinträchtigungen, Lesestifte halfen Personen mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, und eine induktive Hörschleife erleichterte die Kommunikation mit Kund:innen, die ein Hörgerät nutzen. „Ich wollte, dass sich jeder frei bewegen kann und dass es im Alltag einfach angenehmer wird – oft sind es schon kleine Dinge, die viel verändern“, erklärt sie rückblickend.
Die Umsetzung dieses Angebots war kostspielig. Die technische Ausstattung konnte sie teilweise über die Aktion Mensch („Eine Barriere weniger“) und in Kooperation mit einem lokalen Träger finanzieren. Alle übrigen Investitionen liefen über einen Gründerkredit.

Der barrierefreie Ansatz erwies sich durchaus als relevant: Rollstuhlfahrer gehörten ebenso zu ihren regelmäßigen Kund:innen wie Eltern mit Kinderwagen, die den offenen Grundriss zu schätzen wussten. Auch Kinder profitierten davon, selbst an die Regale zu kommen. Aber nicht nur Menschen mit Einschränkungen reagierten positiv: Viele Kund:innen beschrieben die Buchhandlung als „aufgeräumt“ und „gemütlich“ – gerade im Vergleich zu größeren, enger bestückten Filialen.
Trotz positiver Resonanz musste Sarah Lübbers ihr Ladenlokal vor kurzem schließlich aufgeben. Hauptgrund waren die hohen Mietkosten: Die rund 110 Quadratmeter große, zentral gelegene Fläche erwies sich langfristig als finanziell zu belastend. Verhandlungen mit dem Vermieter führten letztlich nicht zur gewünschten Entlastung. „Wenn man zu viele private Rücklagen hineinsteckt, muss man irgendwann die Reißleine ziehen“, sagt sie. Inzwischen ist ein Kindergeschäft auf der Fläche eingezogen. Die meisten Regale konnte die Buchhändlerin weiterverkaufen, der maßgefertigte Kassentresen ist noch eingelagert. Die geförderten Vorlesegeräte gingen an den beteiligten gemeinnützigen Träger zurück.
Neustart im Online-Geschäft
Ganz aufgegeben hat sie den Buchhandel aber nicht. Im Gegenteil: Seit Herbst führt sie ihr Unternehmen im Nebenerwerb online weiter – unterstützt durch einen Teilzeitjob, der die privaten Ausgaben abdeckt. Die Stammkundschaft zeigt Verständnis und bleibt ihr treu, darunter auch lokale Schulen und Kindergärten. Bestellungen liefert Sarah Lübbers persönlich im Stadtgebiet aus.
Die Beratung erfolgt in Sarah Lübbers neuem Geschäftsmodell flexibel über Whatsapp, E-Mail, Instagram oder telefonisch. Ein eigenes Lager gibt es nicht mehr: Alle Titel werden auf Bestellung geordert, einzelne Exemplare zur Präsentation bringt sie zu Veranstaltungen mit.
Um weiterhin Nähe zu schaffen, hat sie neue Veranstaltungsformate wie das Buch-Date oder die Buch-Partys entwickelt. Dabei stellt sie in ungezwungener Atmosphäre in kleiner oder größerer Runde Bücher vor. Wie bei einer Tupperparty können Gruppen sie zu einem Wunschthema einladen.
Ein eigenes Ladengeschäft könnte Sarah Lübbers sich aber trotzdem weiterhin vorstellen: „Vielleicht in zwei, drei, vier Jahren – mit neuen Rücklagen und neuem Konzept.“
Hanna Schönberg