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Drei Buchhandlungen sollen vom Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen worden sein

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hat drei ursprünglich nominierte Buchhandlungen vom diesjährigen Deutschen Buchhandlungspreis ausgeschlossen. Wie ein Sprecher des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ erklärte, seien die Geschäfte aufgrund „verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse“ von der Vorschlagsliste gestrichen worden. Zuvor habe es eine entsprechende Prüfung gegeben.

Betroffen sind der Buchladen zur schwankenden Weltkugel in Berlin, The Golden Shop in Bremen sowie die Rote Straße in Göttingen. Die drei Buchhandlungen werden dem linken politischen Spektrum zugeordnet und waren in der Vergangenheit bereits mehrfach von früheren Kulturstaatsministern für ihr Engagement gewürdigt worden.

Die seit rund 50 Jahren bestehende Rote Straße zeigte sich in dem Artikel irritiert über die Entscheidung. Man sei fest in der Stadtgesellschaft verankert und könne die Einschätzung des Verfassungsschutzes nicht nachvollziehen, ließ das Unternehmen mitteilen.

Aus dem Haus des Staatsministers heißt es laut SZ, man wolle „Extremismus in jeder Form entschlossen und konsequent begegnen“ und handle im Einklang mit der politischen Linie der Bundesregierung. Zugleich verwies der Sprecher darauf, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz bei seinen Prüfungen die grundgesetzlich garantierte Kunstfreiheit berücksichtige.

Der Deutsche Buchhandlungspreis würdigt inhabergeführte Buchhandlungen, die sich in besonderer Weise für das kulturelle Leben vor Ort engagieren, innovative Geschäftsmodelle entwickeln oder sich um die Literaturförderung verdient machen. Das Preisgeld beträgt bis zu 25.000 Euro. Die Auswahl erfolgt üblicherweise durch eine Jury aus Branchenvertreter:innen, die dem Kulturstaatsminister eine Vorschlagsliste unterbreitet.

Grundlage für die jetzige Entscheidung soll ein Erlass aus dem Jahr 2017 sein, der bislang im Kulturbereich nicht angewendet wurde und als umstritten gilt.

Unter den diesjährigen Nominierten tauchen alle drei Buchhandlungen nicht auf. Die Preisverleihung findet am 19. März 2026 auf der Leipziger Buchmesse statt.

Ein Kommentar

  1. Sollte das so zutreffen, wäre es ein weiteres Indiz für eine zunehmende Einmischung der Regierungspolitik in die Freiheit von Kunst und Kultur. Was mich eingedenk von Herrn Weimers Vita nicht wirklich überraschen würde. Wohin das zu führen vermag, kann man derzeit sehr schön in den USA beobachten. Derartige Ein- und Übergriffe dürfen wir nicht unkommentiert hinnehmen.

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