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Umgeblättert heute: Zum Tod von Klaus Wagenbach

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

 

„Der Pionier der wilden Leser“: Ein linker katholischer Preuße: Klaus Wagenbach hat sich als Verleger mit Staatsanwälten angelegt und später auf kulturwissenschaftliche Themen gesetzt. Jetzt ist er im Alter von 91 Jahren gestorben.

„Was hält uns zusammen?“: Lukas Rietzschels Roman Raumfahrer leistet ostdeutsche Erinnerungsarbeit, auch mittels einer Annäherung an Werk und Leben von Georg Baselitz. „In einem Roman, in dem nahezu jede Figur mit den Zwängen, Fallen und Verhärtungen ihres Lebens kämpft, nimmt sich der Autor eine erstaunliche Freiheit heraus: Lukas Rietzschel leiht sich Namen und biographische Versatzstücke, die hierzulande Klang und Assoziationsraum haben, und erfindet dazu Dialoge und Briefe.“
Lukas Rietzschel, Raumfahrer (dtv)

„Alle Toten sind noch da“: Nihilismus vom Lande: Angelika Klüssendorf scheitert mit der Provinzgroteske Vierunddreißigster September am eigenen Anspruch. „Das Existenzialistische, das zwischen den grobhumorigen Zeilen hervorlugt, überträgt sich nicht, weil der Erzählerin an ihren Figuren, lebendig oder tot, einfach nichts liegt.“
Angelika Klüssendorf, Vierunddreißigster September (Piper Verlag)

„Im Verborgenen, da muss die Rettung liegen“: Mal abwarten, was die Substanz uns wissen lässt: Anne Dufourmantelle setzte ihre Hoffnungen auf die recht bewahrten und gehegten Geheimnisse. „Alle Essays befinden sich in gleicher Entfernung zum Gegenstand, den das Buch nicht berührt, sondern umkreist, und dem es darum entspricht. Ein bisschen geheimnisvoll ist es nämlich schon – und taugt daher hervor­ragend als Anleitung zum messianischen Warten.“
Anne Dufourmantelle, Verteidigung des Geheimnisses (aus dem Französischen von Luzia Gast; Diaphanes Verlag)

„Der vorbestrafteste Verleger Deutschlands“: Für Helmut Schmidt schrieb er Reden, verlegte Ulrike Meinhof, Umberto Eco entging ihm nur knapp: Der legendäre Verleger Klaus Wagenbach ist mit 91 Jahren gestorben.

„Arbeit an der Zukunft“: Der bestechende Band Was soll zurück? der Düsseldorfer Verfassungsrechtlerin Sophie Schönberger liefert den theoretischen Überbau zur allgegenwärtigen Kontroverse um die Rückgabe von Raubkunst. „Ihre Ausgangsidee ist so naheliegend wie raffiniert: Sie nimmt drei Debatten, die bisher selten zusammengedacht wurden, gemeinsam in den Blick – die um den kolonialen Kunstraub, die um NS-Raubkunst und die um die Rückgabeansprüche der Hohenzollern. Der Vergleich liefert nicht nur neue Erkenntnisse zu den drei Einzelsträngen, sondern erlaubt ihr schließlich auch eine allgemeine Kritik des Restitutionswesens, seiner Schwierigkeiten und seiner diversen Auswüchse.“
Sophie Schönberger, Was soll zurück? Die Restitution von Kulturgütern im Zeitalter der Nostalgie (C.H. Beck)

„Die Liebe ist eine Zwiebel“: Verheiratet, geschieden, vertraut? Elizabeth Strout legt die Schichten einer Jahrzehnte andauernden Zuneigung frei. „Elizabeth Strout gilt zurecht als eine menschenfreundliche Schriftstellerin, auch wenn das an sich kein literarisches Qualitätskriterium darstellt. Sie betrachtet ihre Figuren mit scharfem Blick fürs Detail, imprägniert sie aber zugleich mit einem Schutzmantel aus Sympathie.“
Elizabeth Strout, Oh, William! (aus dem Englischen von Sabine Roth; Luchterhand)

„Benn hilft mit Morphium aus“: Michael Tötebergs Roman über die letzten Jahre Hans Falladas. „Er erzählt romanhaft, als wäre Fallada seine eigene Romanfigur, und beschränkt sich auf den Zeitraum vom September 1945 bis zum frühen Tod mit 53 Jahren im Februar 1947.“
Michael Töteberg, Falladas letzte Liebe (Aufbau Verlag)

 

„Lieber selbst scheitern oder selbst gewinnen“: Zum Tod des Verlagsgründers Klaus Wagenbach. „Als Klaus Wagenbach 1964 seinen Verlag gründete, tat er das in Berlin. Aus einem sehr einfachen Grund. Es sollte ein deutscher Verlag sein, also ein Verlag der Autoren der BRD und der DDR verlegte.“

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