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Umgeblättert heute: Neue Kinder- & Jugendbücher

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Ein lexikographisches Monument aus dem Archiv“: Mit Sinn für Kraftwörter: Zweihundertfünfzig Jahre nach dem ersten gescheiterten Versuch erscheint Johann Jakob Sprengs Wörterbuch. „Dass dieses lexikographische Monument aus dem Archiv der Universitätsbibliothek Basel ans Licht der Öffentlichkeit gelangte, ist dem Sprachhistoriker Heinrich Löffler und einem Team ehrenamtlicher Helfer zu verdanken. Sie haben die handgeschriebenen Zettel, die Spreng zu zwanzig dickleibigen Bänden montiert sowie in einigen Tausend Kuverts verwahrt hatte, transkribiert und in eine druckfertige und datenbankfähige Vorlage gebracht.“
Heinrich Löffler (Hrsg.), Johann Jakob Spreng – Allgemeines deutsches Glossarium. Ein historisch-etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache (Schwabe Verlag)

„Italienische Gegenbilder“: Geborgen aus der Trümmerstätte: Der jüngste Band der Kritischen Gesamtausgabe Walter Benjamins dokumentiert eindrucksvoll des Autors schwankende Lebensrealität. „Niemand hätte über diesen Band so gestaunt wie der Autor selbst. Als Walter Benjamin sich 1940 auf der Flucht und auf der Schwelle eines neuen Weltkriegs das Leben nahm, hielt er sich für einen Untergegangenen, und eine Hoffnung, je wieder aufzutauchen aus dem Vergessen, gab es nicht. Nun aber werden sogar seine Zeitungsartikel bereits in der zweiten Werkausgabe kritisch ediert wie Hauptwerke eines Klassikers (…)“
Walter Benjamin, Texte über Städte, Berichte, Feuilletons. Werke und Nachlaß. Kritische Gesamtausgabe Bd. 14. (hrsg. von B. Veitenheimer in Zusammenarbeit mit K. Reichert; Suhrkamp Verlag)

„Kontra Dirk Moses“: Im Mai 2021 löste der Historiker Dirk Moses eine Debatte zur deutschen Erinnerung an den Holocaust aus. Jetzt liegt ein Sammelband zur Kontroverse vor, der ausschließlich Beiträge seiner Kritiker enthält. „Dass der Band nicht „Historikerstreit 2.0“ heißt, bedeutet nicht, dass die fünf Autoren den Vergleich der beiden Debatten über die Vergleichbarkeit für abwegig hielten; sie werfen Moses vor, wie Nolte den Holocaust durch die Forderung nach Vergleich mit anderen Genoziden zu relativieren.“
Saul Friedländer, Norbert Frei, Sybille Steinbacher, Dan Diner und Jürgen Habermas, Ein Verbrechen ohne Namen.Anmerkungen zum neuen Streitüber den Holocaust (C.H. Beck Verlag)

„Schwarze Sonne“: In ihrem neuen Roman Serge geht Yasmina Reza der Erinnerung an den Holocaust nach. Sie liefert den Trost, dass man mit der Unbeholfenheit nicht alleine ist. „Reza gelingt ein Meisterwerk: Die tröstlich gemeinten, oft allzu naiven Erzählungen, mit denen wir uns über den Alltag retten, dekonstruiert sie komisch, aber gründlich. Es gibt keine dem Grauen der Shoah angemessene moralische Empfindung, keine Lebensreform, die davon entbinden würde, sich immer wieder an eine Interpretation der Taten und ihrer Folgen wagen zu müssen.“
Yasmina Reza, Serge. Roman. (übersetzt aus dem Französischen von Frank Heibert, Hinrich Schmidt-Henkel; Hanser)

Kinder- & Jugendbuch

„Ende des Winterschlafs“: Ente und Bär zeigen: Mut kann sehr gesellig machen. „Wer möchte, kann in Bär und Ente nicht nur eine Geschichte über eine außergewöhnliche Freundschaft zwischen einem sehr großen und einem eher kleinen Tier erkennen, sondern auch ein Gleichnis über die seltsame Zeit, in der die Menschheit gerade steckt.“
May Angeli, Bär und Ente (aus dem Französischen von Cornelia Panzacchi; Magellan)

„Hölle der Wale“: Ein Gegenstück zu Melvilles Klassiker Moby Dick. „Patrick Ness lässt seine Hauptfigur in ihrer Rückschau nicht dramatisch, sondern nachdenklich erzählen, in einem Ton, den Übersetzerin Bettina Abarbanell feinfühlig überträgt. So ist die Erzählung mehr eine archaische als moderne Allegorie auf eine fortwährende Bedrohung als eine Abenteuergeschichte.“
Patrick Ness, Und der Ozean war unser Himmel (Illustrationen von Rovina Cai; aus dem Englischen von Bettina Abarbanell; cbj)

„Das Universum schlägt mit breiter Schaufel zu“: Ein Jugendroman aus Frankreich erzählt von einer Serie kleiner und großer Katastrophen. Eine davon ist ein hässlicher „Hund des Schreckens“. Ihre „etwas übertriebene Drastik gleicht die Autorin aus, indem sie ihre zur klugen Selbstreflexion fähige Heldin mit viel Witz und Verve durch diesen Entwicklungsroman führt.“
Marie Pavlenko, Die Kirsche auf der Torte aller Katastrophen (aus dem Französischen von Cornelia Panzacchi; Thienemann)

„Sein Name ist Mae Bee“: George Lester plädiert für Drag und Farbe. „George Lesters extrem dialoglastiger Erstling – epische Beschreibungen sind gar nicht seine Sache – kommt nur auf den ersten Blick unterhaltsam, schrill und verspielt daher. Vor allem ist die Geschichte eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit Mobbing und Homophobie, wobei Worte genauso verletzen wie rohe Gewalt.“
George Lester, In all seinen Farben (aus dem Englischen von Elisa Valérie Thieme; One)

„Grübel-Generator“: Die Wanderung zweier Jugendlicher. „Annette Mierswa taucht den Leser ein in das kaum zu kontrollierende Gedanken- und Gefühlskarussell eines jugendlichen Außenseiters, mit wenig Selbstwertgefühl, aber vielen psychischen Problemen.“
Annette Mierswa, Liebe sich, wer kann (Loewe)

Taschenbücher

Stefanie Höfler, Helsin Apelsin und der Spinner (mit Illustrationen von Anke Kuhl; Beltz & Gelberg (Gulliver))
Andreas Steinhöfel, Dirk und ich (mit Illustrationen von Peter Schössow; Carlsen)
Sepideh Sarihi/ Julie Völk, Meine liebsten Dinge müssen mit (Beltz & Gelberg (Minimax))

 

„Eskalation in einer Sommernacht“: Damals in den 90ern: Willi Achtens Rückkehr ist eine spannende Dorf- und Familiengeschichte – und bräuchte gar nicht so viel Verzögerungstaktik, um zu überzeugen. „Nun also geht es um die Rekonstruktion einer Sommernacht in den 90er Jahren. Die Sprache, die der Autor dafür findet, liest sich geschmeidig. Auch wird mancher spruchreife Satz geboten, der ins Hausbuch der Melancholie passen könnte: ‚Ich vermisse nichts, und mir fehlt doch alles.‘ Ob Jakobs Rückkehr ins Dorf an dieser diffusen Gefühlslage etwas ändern kann? Man darf guten Mutes sein.“
Willi Achten, Rückkehr. Roman. (Piper)

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