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Umgeblättert heute: „Scheinbar Überflüssiges bringt ja oft erst das Schönste hervor“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Ein ganzer Strauß von Blumensträußen“: Pünktlich zum Kurt-Wolff-Verlagspreis für Antje Kunstmann erscheint in ihrem Haus ein Schmuckstück: der Kunstband Still-Leben von Atak. „Die meisten Stillleben sind hochformatig seitenfüllend abgedruckt, ein halbes Dutzend kommt als Querformat auf Doppelseiten daher, und auch für Ausklappbögen hat es noch gereicht, sodass es acht Großreproduktionen gibt. Die Be­gleittexte sind sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch enthalten, denn längst hat sich Ataks Ruhm über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus verbreitet (…). Und Antje Kunstmann? Sie hat zum Festtag ihres Schaffens nun einen ganzen Strauß von Blumensträußen im Programm. Und ein Buch, das gestalterisch und herstellerisch den Kurt-Wolff-Preis für sie noch einmal legitimiert. Nicht, dass es nötig gewesen wäre. Aber scheinbar Überflüssiges bringt ja oft erst das Schönste hervor.“
Atak, Still-Leben (Kunstmann Verlag)

„Denken auf Haupt- und Nebenwegen“: Kein Gegenstand ist für diese Form zu gering: Ursula Krechels Essays sind verführerische Einladungen. „Das Schweifen, das Weitschweifige, die Schleifen machen den Reiz jedes einzelnen dieser 25 Texte aus, den Ge­winn an Erkenntnis für den Leser, die Leserin (Krechel selbst beharrt auf der Nennung beider Genera in ihrem Schreiben). Es sind, unter der Hand und manchmal offen, Reflexionen auf ihre eigene Geschichte, seit dem frühen aufsässigen Feminismus und der Einübung in scharfe Kritik­fähigkeit, die ihr keinerlei Kom­promisse und Un­terwürfigkeit gegenüber herrschenden Diskursen gestatten. Es ist eine schöne Anstrengung, kein Ge­danke wird dabei schleifen­ gelassen.“
Ursula Krechel, Gehen. Träumen. Sehen. Unter Bäumen. Essays (Verlag Jung und Jung)

„Bis zuletzt ein Friedenskaiser in den Großen Krieg taumelte“: Vom aufstrebenden Rittergeschlecht bis zum Untergang im Ersten Weltkrieg: Martin Rady erzählt anekdotenreich neunhundert Jahre Habsburger Dynastiegeschichte. „Indem Rady Generation um Generation von habsburgischen Herrscherpersönlichkeiten und ausgewählten Familienmitgliedern, Ehefrauen, Weggefährten, Mit­streitern sowie auch Feinden zum Thema seiner anekdotenreichen Erzählungen macht, nimmt der Leser an einem Parforceritt durch fast ein Jahrtausend europäischer Geschichte teil.“
Martyn Rady, Die Habsburger. Aufstieg einer Weltmacht (aus dem Englischen von Henning Thies; Rowohlt Berlin)

„Zwischen Bohème und Boulevard“: Charmante Unverschämtheit: Ein Bildband zeigt das fotografische Werk des Gesellschaftsflaneurs und Grenzgängers Roger Fritz – mit vielen Anekdoten aus der wilden Zeit der deutschen Prominenz. „In achtzig Kurzporträts erzählt der Autor von seinen Begegnungen mit Prominenten wie Romy Schneider, Anthony Quinn, Mario Adorf, Herbert von Karajan, Jeanne Moreau oder Karl Lagerfeld. Und wenn man die dazu passenden Fotos betrachtet, spürt man, dass der gelernte Großhandelskaufmann wenig Mühe hatte, Menschen dazu zu bringen, sich ihm zu öffnen, ihn als ebenbürtig zu akzeptieren – oder zumindest als gut gelaunten Sidekick. Die Göttin der Gelegenheit hat es oft gut mit ihm gemeint.“
Roger Fritz, Boulevard der Eitelkeiten. Fotografien und Erinnerungen (Schirmer und Mosel)

„Therapie und Tourismus“: Golo Maurer erzählt Goethes Italienische Reise einmal mehr als Geschichte der Selbstheilung im Süden, allerdings mit forciert modernen Zügen. Geht das? „Den offenen Widerspruch zwischen ‚ausgelutscht‘ und ’neu‘, löst Golo Maurer zwar nicht auf. Aber man versteht, was er meint: Die Tatsachen haben sich in Stoff verwandelt. Die Geschichte ist ins Reich der Erzählungen gewandert.“
Golo Maurer, Heimreisen. Goethe, Italien und die Suche der Deutschen nach sich selbst (Rowohlt)

 

„Für sich selbst schreiben“: Hier bin ich, murmelt das Notat allein jener Person zu, die es niedergeschrieben hat: Zu Hektor Haarkötters Erforschung des Notizzettels. „So gelesen ist Notizzettel in der Tat, wie der Untertitel verheißt, ein Buch über ‚Denken und Schreiben im 21. Jahrhundert‘, das uns in seinen theoriegesättigten Kapiteln immer aufs Neue mit der zentralen Frage danach konfrontiert, was wir eigentlich tun, wenn wir notieren und skizzieren.“
Hektor Haarkötter, Notizzettel. Denken und Schreiben im 21. Jahrhundert (S. Fischer)

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