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Umgeblättert heute: „Die große Plage der Verlage“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

  • „Die große Plage der Verlage“: Die Plagiatsfälle im Sachbuch häufen sich. Wie blicken Jäger, Lektoren und ein Urheberrechtsanwalt auf die Situation? „Wenn selbst Häuser, denen man eine solche Selbstverpflichtung zutraut, dieser Zeitung entweder nur schmallippig über ihre Lektoratspraxis Auskunft geben oder – wie im Fall der Verlage Klett-Cotta und Hoffmann & Campe – gar nichts über sie verlauten lassen wollen, dann spricht auch das nicht für bessere Aussichten. Vielleicht wird ein Rückgang einschlägiger ‚Treffer‘ der Plagiatsjäger sich einfach dem Umstand verdanken, dass die von ihnen ins Visier genommene Risikogruppe sich in Zukunft stärker in Acht und mehr Zeit beim Schreiben nimmt.“
  • „Ein Kind der deutschen Revolution“: Zwischen Vollmann und Vollweib: Rainer Herrn legt eine exzellent verfasste Geschichte von Magnus Hirschfelds Berliner Institut für Sexualwissenschaft vor. „In kaum einer Ge­samtdarstellung zur Weimarer Ge­schichte findet das Institut für Sexualwissenschaft Erwähnung. Auch fehlte bislang eine umfassende Studie über diese geradezu avantgardistische Einrichtung, die Berlin früh zu einem heraus­ragenden Ort werden ließ, an dem in um­fassender Weise das Thema der Sexualität verhandelt wurde. Mit seiner Geschichte des Instituts für Sexualwissenschaft schließt Rainer Herrn diese Lücke.“
    Rainer Herrn, Der Liebe und dem Leid. Das Institut für Sexualwissenschaft 1919–1933 (Suhrkamp)
  • „Fertig machen zur Totalkehre“: Pierre Charbonnier setzt denkbar grundsätzlich an, um eine letzte Abzweigung vom westlichen Weg in die ökologische Katastrophe zu finden. „Die mangelnde politische Anschlussfähigkeit von Charbonniers Überlegungen ist das eine. Auf sie mag ein Intellektueller bewusst verzichten, wenn es ihm um Grundsätzliches geht. Etwas anderes ist dagegen die Frage nach der Stimmigkeit der intellektuellen Herleitung dieses epistemischen Prinzipialismus, die Charbonnier bei seinem Gang durch die Ideen- und Theoriegeschichte von Hugo Grotius und John Locke bis Claude Levi-Strauss und Bruno Latour für sich in Anspruch nimmt.“
    Pierre Charbonnier, Überfluss und Freiheit. Eine ökologische Geschichte der politischen Ideen (a. d. Französischen von A. Hemminger; S. Fischer)
  • „Stil als universale Kategorie“: Er kannte den Unterschied zwischen Geist und Esprit, denn er hatte beides. Zum Tod des Historikers und Feuilletonisten Johannes Willms. „Johannes Willms ist gestorben, der Journalist, Publizist, Historiker – und so traurig diese Nachricht auch all jene stimmt, die das Glück hatten, mit ihm zu arbeiten, so ernst muss man sein Vermächtnis nehmen. Und zu den Dingen, die man lernen konnte von Johannes Willms, gehörte auch das: dass eine prächtige Trauerfeier das Mindeste sei.“

  • „Ein Diener, ein König“: Erfinder des „Literarischen Quartetts“, Feuilletonchef der SZ und Kenner Frankreichs: Zum Tod von Johannes Willms. „In der Nacht von Montag auf Dienstag ist Johannes Willms überraschend und nach kurzer Krankheit in München gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.“
  • „Vage Genauigkeit“: Peter Handke kämpft im neuen Band seiner poetischen Tagebücher weiter gegen die Abnutzung der Sprache – mal zärtlich, mal zornig. „Die Journale Peter Handkes haben von Anfang an irritiert. Es sind zwar durchaus Mitschriften der Zeit, aber sie setzen dem chronologischen Ablauf etwas ganz Anderes entgegen. Worin allerdings dieses ganz Andere besteht, ist eine Frage, die ihn ständig umtreibt.“
    Peter Handke, Innere Dialoge an den Rändern. 2016-2021 (Jung und Jung)
  • „Der Ursprung des Geldes“: In seinem Klassiker „Heiliges Geld“ machte sich Bernhard Laum mit Homers Hilfe auf die Suche nach dem frühesten verbindlichen Wertmaßstab. „Laum, von Hause aus Gräzist, aber später auf einen Lehrstuhl für Wirtschaftsgeschichte berufen, leitet das profane Geld vom antiken Tempelopfer ab. Dieser Gedanke war durchaus ungewöhnlich, denn die historische Rekonstruktion des Geldbegriffs galt als ebenso unmöglich wie unnötig – man proklamierte ihn einfach, indem man auf den primitiven Tausch verwies.“
    Bernhard Laum, Heiliges Geld: Eine historische Untersuchung über den sakralen Ursprung des Geldes (Matthes & Seitz)

 

  • „Was genau wir eigentlich beklagen“: Rachel Cusks großartige Essays über Familie und Ehe, Enthemmung und Problemlösung, Brexit und Jesus. „Die Essays von Rachel Cusk sind in englischsprachiger Tradition lange, ruhige, entspannt und privat wirkende Gedankengänge. Die Belesenheit, ohne die das nicht möglich sein kann, drängt sich nicht auf. Die Texte fußen auf der Beobachtung und auf den Überlegungen, sie sind originell, pointenreich und gelegentlich erschütternd.“
    Rachel Cusk, Coventry. Essays (a. d. Eng. v. Eva Bonné; Suhrkamp)
  • „Der charmante Stratege“: Zum Tod des Historikers, Publizisten und Journalisten Johannes Willms. „Seine elegante Erscheinung war derart einschüchternd, dass es beinahe verblüffte, wie wenig auftrumpfend Johannes Willms im Gespräch unter Kollegen war. Dabei war er sich über die Bedeutung des Performativen zweifellos bewusst, deren Techniken es zur Durchsetzung von Ideen gerade auch in so einer profanen Umgebung wie einer Redaktionskonferenz bedarf.“
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