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Umgeblättert heute: „Heinz Strunk setzt die Pflege seiner literarischen Obsession abwechslungsreich fort“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Am besten laut singen“: Ann-Helén Laestadius führt mit Das Leuchten der Rentiere in den hohen Norden, wo andere Gesetzte gelten und die Polizei fern ist. „Einfühlsam beschreibt Laestadius, was es bedeutet, in einer Gemeinschaft zu leben, die so eng miteinander verbunden ist, dass wirklich jeder jeden kennt, in der das Individuum im Zweifel immer weniger zählt als die Tradition. (…) Hoffentlich retten die Drehbuchautoren diese Komplexität auch in die Verfilmung hinüber, die Netflix derzeit produziert.“

  • Ann-Helén Laestadius, Das Leuchten der Rentiere (aus dem Schwedischen von Maike Barth und Dagmar Mißfeldt; Hoffmann und Campe)

„Ganz in Schwarz“: Neue Krimis von Kurt Palm, Calla Henkel, Yves Ravey.

  • Kurt Palm, Der Hai im System (Leykam)
  • Calla Henkel, Ruhm für eine Nacht (Kein & Aber)
  • Yves Ravey, Die Abfindung (Liebeskind)

„Tunnel unter dem Urlaubsparadies“: Cherie Jones beschreibt in ihrem Debütroman Wie die einarmige Schwester das Haus fegt die dunklen Seiten der Insel Barbados. „Wie sich diese Erlebnisse auswirken, mag Jones von ihrer Arbeit als Anwältin auf Barbados her wissen. Als Schriftstellerin schreibt sie bei ihren Lesern das Verständnis für die Handlungen dieser Versehrten in nüchterner, präziser Sprache herbei. Spielereien erlaubt sie sich nur beim Beschreiben der Szenerie und entkommt so den kitschigen Bildern, die mancher vom Karibik-Idyll im Kopf ha­ben mag.“

  • Cherie Jones, Wie die einarmige Schwester das Haus fegt (aus dem Englischen von Karen Gerwig; CulturBooks)

„Alles, was der Fall ist“: Florence Aubenas rekonstruiert in Er ist keiner von uns einen Mordfall, in dessen Zentrum ein gefallener Nachwuchsschauspieler steht. „Die Autorin wählt das historische Präsens und einen weniger dokumentarischen denn literarischen Schreibstil. Man folgt ihr, weil sie zunächst kenntnisreich in die Welt dieses Ar­beiterstädtchens führt. Aber je mehr die Ermittlungen auf der Stelle treten, desto mehr leidet auch das Erzähltempo. Fall und Aufarbeitung hängen durch.“

  • Florence Aubenas, Er ist keiner von uns. Ein Dorf sucht einen Mörder (aus dem Französischen von André Hansen; dtv)

Das Politische Buch

„Die Gefahr, die keiner sehen wollte“: Wladimir Putins brutaler Überfall auf die Ukraine hat zahlreiche Autoren zu Analysen bewogen. Es geht um das Versagen der Politik des Westens und Deutschlands Verantwortung. Drei Beispiele. „Ein halbes Jahr nach Beginn der Invasion erscheint eine Reihe Bücher – drei sind hier herausgegriffen – über die Rolle des Westens und sein Verhältnis zu Putin. Zu spät, könnte man sagen. Oder auch gerade richtig, jetzt da sich in Deutschland Mitleidsmüdigkeit breitmacht und Debatten um Dusch- und Bürotemperaturen wichtiger zu sein scheinen als das Töten und Sterben in der Ukraine.“

  • Sabine Adler, Die Ukraine und wir. Deutschlands Versagen und die Lehren für die Zukunft (Verlag Ch. Links)

  • John Sweeney, Der Killer im Kreml. Wladimir Putins skrupelloser Aufstieg und seine Vision vom großrussischen Reich (übersetzt von U. Strerath-Bolz, K. Siber u. a.; Heyne)

  • Karin Eigendorf, Putins Krieg – Wie die Menschen in der Ukraine für unsere Freiheit kämpfen (S. Fischer Verlag)

„Demokratie in der Defensive“: Ein grandioser Band, herausgegeben von Günter Frankenberg und Wilhelm Heitmeyer, bietet eine stringente Diagnose autoritär-autokratischer Tendenzen. „Der Frankfurter Verfassungsrechtler Günter Frankenberg und der Bielefelder Soziologe Wilhelm Heitmeyer haben ganze Arbeit geleistet und nach einer Tagung im vergangenen Herbst 17 Autorinnen und Autoren aus mehreren Fachdisziplinen gefunden und auf ein stimmiges Konzept verpflichtet, das systematische und aktualitätsgebundene Gesichtspunkte überzeugend berücksichtigt. Obendrein haben die beiden Herausgeber selbst Arbeiten beigesteuert, die höchsten Ansprüchen gerecht werden.“

  • Günter Frankenberg, Wilhelm Heitmeyer (Hg.); Treiber des Autoritären. Pfade von Entwicklungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts (Campus Verlag)

„Die große Vergeblichkeit“: Heinz Strunk setzt die Pflege seiner literarischen Obsession abwechslungsreich fort. „Das Abstoßende, das Ekelhafte, die Vergeblichkeit in ewigen Variationen: ähnlich, bloß mit einem anderen Grundmotiv, hat es Wilhelm Genazino zum Büchnerpreisträger gebracht. Angesehene Preise hat auch Strunk schon etliche eingesammelt, mit Ein Sommer in Niendorf gelangte er auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis. Verdient, auch weil er sich darauf versteht, seiner literarischen Obsession immer wieder das Unerwartete abzugewinnen.“

  • Heinz Strunk, Ein Sommer in Niendorf (Rowohlt)
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