Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Die schwarze Hand der Front“: Eine bewegende Begegnung: Sasha Marianna Salzmann, geboren in der Sowjetunion, feiert den ukrainischen Friedenspreisträger Serhij Zhadan.
„Mehr Denktiefe wagen“: Beschwörungsformeln und Buzzwords: Die Frankfurter Buchmesse hat noch nicht zu ihrem alten Format zurückgefunden, befindet sich aber auf einem guten Weg. „Juergen Boos, Direktor der Buchmesse, hat in der Auftaktkonferenz gesagt, die Veranstaltung sei das Gegenmodell zu einer Echokammer. Allerdings gesellen sich zu den immer wieder beklagten Verfallserscheinungen – Europa und die bröckelnde Demokratie, Bücher und die müden Leser – weitere Krisenherde.“
„Wir müssen uns selbst wählen“: In ihrem Jugendroman Die Sonne, so strahlend und schwarz erzählt Chantal-Fleur Sandjon von häuslicher Gewalt, der Liebe zweier junger Frauen, Rassismus und Selbstbehauptung. „Das ganze Buch ist in Versen gehalten, alle ein, zwei Seiten mit Überschriften in einzelne Gedichte gegliedert. Mitunter folgen die Zeilen dem Atem atemloser Erzählung, gelegentlich greifen sie ins Poetische aus, selten finden sich Reime. Und immer wieder brechen Wörter aus dem Zeilenfluss aus, werden sie im Satz auf der Buchseite zu einer Treppe, einem Abgrund, einer Spirale, stehen einmal – beim unverhofften Wiedersehen mit Marcus vor der Schule – für ein paar Seiten auf dem Kopf.“
- Chantal-Fleur Sandjon, Die Sonne, so strahlend und schwarz (Thienemann Verlag)
„Das falsche Leben im falschen“: Eine seltsame Familie: In Hannas Regen erzählt Susan Kreller von erfundenen Identitäten und einer großen Sehnsucht nach Zugehörigkeit. „Während sich die Legende einer Opfer-Familie bildet, die von der Polizei geschützt wird, wirft das Verhalten von Hanna und ihren Eltern nicht nur für Josefin umso größere Rätsel auf. Ob die Eltern das, was sie tun, zu einem vermeintlich höheren Zweck tun oder aus schlichter Raffgier, wird nicht erzählt, es ist auch nicht nötig. Im Rückblick entfaltet das moralische Dilemma, in dem Hanna steckt, seine ganze Wirkung. Und im Ausblick, auf schweigsame Telefonate von zweien, die einander ohne Worte verstehen, liegt ein bisschen widerspenstige Hoffnung.“
- Susan Kreller, Hannas Regen (Carlsen Verlag)
„Herbstfarbener Mäusegummi“: Heranwachsen zu wahrer Nagetiergröße: Mina von Matthew Forsythe nimmt Kinder mit auf eine Reise zwischen Zweifel und Glauben. „Sprechen schon die Bilder alle Sinne an, so lässt erst recht der Gehalt dieser Geschichte über das prekäre Gleichgewicht aus Vertrauen und eben manchmal auch Zweifel zwischen einer Tochter und ihrem Vater nicht kalt. Selten zieht ein Kinderbuch selbst Erwachsene noch so in seinen Bann.“
- Matthew Forsythe, Mina (Rotopol)
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„Die vergessene Zeitenwende“: ‚Was soll Europa überhaupt sein, wenn es nicht einmal Raketen auf Babyn Jar verhindern kann?‘: Auf der Frankfurter Buchmesse verzweifeln Autoren reihenweise an der deutschen Ukraine-Politik.
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„Wie soll man über den Krieg sprechen?“: Aus der Dankesrede von Serhij Zhadan, der in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat. „Wie wird unsere Sprache nach dem Krieg aussehen? Was werden wir uns gegenseitig erklären müssen? Vor allem müssen wir die Namen der Toten laut aussprechen. Die Namen müssen genannt werden. Sonst kommt es zu einer tiefen Zerrissenheit in der Sprache, zu einer Leere zwischen den Stimmen, zu einem Bruch in der Erinnerung. Wir werden viel Kraft und Glauben brauchen, um über unsere Gefallenen zu sprechen. Denn aus ihren Namen werden unsere Wörterbücher entstehen.“
„Ein Moment der Reparatur der Welt“: Sasha Salzmann würdigt Serhij Zhadan, der vor „falschem Pazifismus“ warnt.
„Mit einem Auge ins Nichts“: Friedrich Anis Kriminalroman Bullauge über zwei, die verletzt wurden und sich gegenseitig stützen. „Im Gegensatz zu seinen anderen Kriminalromanen gibt es in Friedrich Anis Bullauge einen Showdown: Dieser kommt unerwartet, unvermittelt, ist nur sparsam hergeleitet. Die Leserin kann sich nicht recht entscheiden, ob sie sich mehr Ausführlichkeit, mehr Erklärungen gewünscht hätte. Oder ob diese Vagheit passt zu einem Buch der Lücken, Nuancen, Schemen im Nebel.“
- Friedrich Ani, Bullauge (Suhrkamp)