
Welcher Tag war Ihr schönster in diesem Jahr?
Der 2. Mai, an dem der offizielle Startschuss der Monika Kempf Literaturagentur fiel. Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich an die Flut von Glückwünschen, Begeisterungsmails und Terminanfragen denke, die mich an diesem Tag erreicht hat.
Worüber haben Sie sich 2022 am meisten geärgert?
Darüber, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für viele Frauen immer noch in weiter Ferne liegt – auch in der Buchbranche.
Was war 2022 Ihr schönster Erfolg?
Den ersten Roman, den ich angeboten habe, binnen weniger Tage als Spitzentitel in einem großen Verlagshaus untergebracht zu haben.
Und Ihr traurigster Misserfolg war…?
Einen anderen wunderbaren Roman (bislang) nicht untergebracht zu haben. Unvermeidbarer Teil der Agenturarbeit, aber beim ersten Mal vielleicht besonders schmerzhaft.
Ihr liebster Verlag in diesem Jahr?
Jedes Jahr aufs Neue bin ich beeindruckt von meiner Freundin und Mentorin Julia Eisele und ihrem optisch und inhaltlich herausragend gestalteten Programm des Eisele Verlags. Mehr als drei Jahre nach Erscheinen des Hardcovers begegnet mir Madeline Millers „Ich bin Circe“ noch immer in fast jeder Buchhandlung. Und gleich mehrere der großen Publikumsverlage versuchen, mit eigenen Titeln an diesen Erfolg anzuknüpfen – das muss man als kleiner unabhängiger Verlag erstmal schaffen!
Von welchem Thema wollen Sie (warum) im kommenden Jahr nichts mehr lesen?
Von Pflegenotstand, Erzieher*innenmangel und Medikamentenknappheit.
Und über welches Thema wollen Sie mehr lesen?
Über echte Lösungsansätze und deren ernsthafte Umsetzung.
Welchen Fehler aus diesem Jahr möchten Sie im kommenden Jahr vermeiden?
Viel zu viel Zeit am Smartphone nach Feierabend und am Wochenende.
Und welchen Fehler werden Sie trotzdem wiederholen?
Keinen. Ich bin Optimistin und traue mir positive Veränderungen zu, wenngleich die Umsetzung natürlich oft schwerer ist als gedacht. Aber dennoch: Gute Vorsätze werden erst begraben, wenn sie tot sind.
Welches Buch hat Ihnen in diesem Jahr besonders viel Freude gemacht?
Eines, das ganz ohne Worte auskommt: Martin Handfords Klassiker „Wo ist Walter?“ ist zwar für deutlich ältere Kinder gedacht, hat meiner eineinhalbjährigen Tochter aber dennoch zu einem ihrer ersten Wörter verholfen. Momentan hallt hier täglich ein aufgeregtes „Waaalter? Walter? Walteeer!“ durch die Wohnung.
Welches wird Ihr wichtigstes Buch im neuen Jahr?
Im ersten Jahr meiner Agentur nimmt jedes Buch einen besonders großen Stellenwert ein. Ich genieße den Luxus, hier nicht priorisieren zu müssen, und freue mich neben den Projekten, die ich bereits im Portfolio habe, auf alles, was da in den nächsten 12 Monaten noch kommen und passieren wird. Das wird gut!
Von wem würden Sie gern auch mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?
Da fallen mir gleich zwei Verlegerinnen mit ganz unterschiedlichen Programmen ein: Barbara Laugwitz von dtv und Anne Friebel von Palomaa Publishing, die mit „The Female Publisher“ in diesem Jahr ein Netzwerk für Frauen in der Verlags- und Programmleitung gegründet hat.
Und welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie gern beantwortet?
Haben Sie fürs neue Jahr noch mehr gute Vorsätze als den, am Wochenende öfter das Handy wegzulegen?
Hier können Sie die auch beantworten:
Ja, denselben wie seit 5 Jahren, da ich ihn immer noch zu wenig umsetze: Ich möchte meinen Mitmenschen häufiger Komplimente machen. Keine künstlichen, unaufrichtigen Komplimente aus reiner Höflichkeit, sondern diejenigen, die ohnehin in meinen Gedanken auftauchen, ohne den Weg zum Mund zu finden. Dabei hat ein solch kleiner Satz oft die Wirkung, für den anderen einen mittelmäßigen Tag zu einem guten zu machen. Ein klitzekleiner Beitrag zu einem schöneren Miteinander.
Gestern antwortete Peter Kraus vom Cleff, morgen fragen wir Till Zander.